Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Corona-Virus: Frischluft für Arbeitsplätze in Innenräumen

Über Aerosole in der Luft kann sich das Corona-Virus im Raum verteilen.
Foto: © Dragana Gordic - stock.adobe.com

Ob Niesen, Husten oder Sprechen: Über Aerosole in der Luft kann sich das Corona-Virus im Raum verteilen. Bei schlechter Belüftung steigt das Infektionsrisiko für Beschäftigte. Regelmäßige Frischluftzufuhr wirkt entgegen.

Feinste Partikel – sogenannte Aerosole – von SARS-CoV-2 können sich über die Luft im gesamten Zimmer verbreiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt in schlecht oder nicht belüfteten Innenräumen – auch wenn Beschäftigte den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen einander einhalten. Gefahr besteht besonders bei Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen wie beispielsweise Büros. Die Viruslast in der Raumluft lässt sich jedoch durch regelmäßige Frischluftzufuhr reduzieren.

Luftaustausch in Innenräumen

Regelmäßiges Lüften dient dem Luftaustausch. Bekommen Innenräume frische Außenluft zugeführt, reduziert sich nicht nur die Viruslast in der Luft. Darin sind ebenso Schadstoffe von Materialen wie Fußböden oder auch Partikel und Biostoffe zu finden. Durch Frischluftzufuhr können Schadstoffe, Partikel sowie Krankheitserreger mit der verbrauchten Luft nach außen abziehen. Vor allem während der Corona-Pandemie kommt es auf die richtige Belüftung an. Worauf dabei an Arbeitsplätzen in Innenräumen zu achten ist, das zeigt die Publikation Fachbereich Aktuell »SARS-CoV-2: Empfehlungen zum Lüftungsverhalten an Innenraumarbeitsplätzen« der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Freies oder technisches Lüften

Eine häufige Unterscheidung beim Belüften von Innenräumen: freie Lüftung oder technische Lüftung. »Bei der freien Lüftung ist die Stoßlüftung mit weit geöffneten Fenstern und am besten auch mit geöffneten Türen am effektivsten«, sagt Dr. Simone Peters, Leiterin des Sachgebiets Innenraumklima der DGUV. Für wenig empfehlenswert hält sie das Lüften über gekippte Fenster. Dies könne jedoch als Ergänzung zur Stoßlüftung sinnvoll sein, um ein zu schnelles, starkes Ansteigen der Virenkonzentration zu vermeiden. Ob ein Raum richtig belüftet ist, dazu kann die CO2-Konzentration als Indikator dienen. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet Beschäftigten eine App an, die für Räume entsprechende Lüftungsintervalle berechnet. Akustische Signale erinnern Nutzer ans Lüften.

Bei der technischen Lüftung versorgen raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) Innenräume kontinuierlich mit gefilterter Frischluft von außen. Bei gleichzeitiger Verwendung einer Klimaanlage lässt sich die Luft gleichzeitig erwärmen oder kühlen sowie entfeuchten oder befeuchten. Im Vergleich zur freien Lüftung sorgen RLT-Anlagen bei richtiger Einstellung für einen durchgehend ausreichenden Luftaustausch, der von äußeren Witterungsbedingungen unabhängig ist. Peters schätzt das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 über sachgerecht instandgehaltene RLT-Anlagen für eher gering ein. Sie sagt: »Daher sollten diese Anlagen auch nicht abgeschaltet, sondern im Gegenteil die Außenluftzufuhr über die Anlage erhöht und ein Umluftbetrieb vermieden werden.«

Empfehlungen für Frischluft am Arbeitsplatz

  1. Durch freies Lüften ist bei Räumen eine ausreichende Frischluftzufuhr zu gewährleisten. Büros sind jede Stunde über die gesamte Fensterfläche zu lüften – zwischen drei Minuten im Winter und zehn Minuten im Sommer. Für Besprechungsräume gilt, sie mindestens alle 20 Minuten zu lüften.
  2. Bei RLT-Anlagen ist die Frischluftzufuhr von außen sicherzustellen und eventuell zu erhöhen. Der Umluftbetrieb ist zu vermeiden. Vor und nach der Nutzung eines Gebäudes sollte die Anlage auf Nennleistung betrieben werden. Kein Abschalten der Anlage – auch nicht nachts oder an Wochenenden: Stattdessen ist in diesen Zeiten ein Betrieb mit reduzierter Leistung zu empfehlen.
  3. Kommt es zum Einsatz von Umluftgeräten wie Klimaanlagen oder Heizlüftern: Diese nur in Innenräumen mit Einzelbelegung verwenden sowie darüber hinaus für ausreichend Luftaustausch durch Frischluft sorgen.
  4. Bei Luftfiltern zwecks Entfernung von Partikeln und mikrobielle Kontaminationen aus der Luft gilt: Es ist ein HEPA-Filter (H13 oder H14) zu verwenden.

Um das Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus zu mindern, ist die richtige Belüftung nur eine von verschiedenen Maßnahmen. Ebenso kommt es auf hygienische und organisatorische Schutzmaßnahmen im Betrieb an.

Quelle/Text: DGUV / Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Aerosole: Lesen Sie auch »Lüften gegen das Corona-Virus« >>

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