Fachbeitrag  PSA, Arbeitssicherheit  

Lärmschwerhörigkeit: Das Gehör richtig schützen

Nicht nur die Geräusche von schweren Maschinen, sondern auch Bürolärm kann die Gesundheit von Beschäftigten beeinflussen. Wir zeigen auf, worauf Sie besonders achten sollten.
Foto: © industrieblick - stock.adobe.com

Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Berufskrankheiten. Gehörschutz sowie präventive Maßnahmen sind gefragt. Ergänzend können Apps das Bewusstsein schärfen und das Risiko für Hörschäden reduzieren.

Lärm wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf Beschäftigte aus: Einerseits sind es Auswirkungen auf die physische Gesundheit, anderseits geht Lärm auch zu Lasten der Psyche. Lärm kann sich auch unterhalb der gehörschädigenden Schwelle als Stressfaktor darstellen. Störender Lärm muss daher nicht nur von Presslufthämmern und Autos ausgehen – bereits Bürolärm kann an den Nerven zerren, wie es die gesetzliche Unfallversicherung Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) auf den Punkt bringt. Der übliche Lärm im Büro stellt sich in der Regel jedoch nicht als Gefahr für das Gehör dar. Stress und Anspannung können die Folge sein. Je nach Tätigkeit liegt der Lärmpegel im Büro bei 55 bis 70 Dezibel (dB). Oftmals sind es elektronische Geräte, die die Raumlautstärke beeinflussen. Werden Drucker oder Kopierer in anderen Räumen aufgestellt, kann dies zu einer Entlastung für die Beschäftigten führen.

Auf Gehörschutz achten

Das Geräuschverhalten von Geräten und Maschinen muss in die Gefährdungsbeurteilung eines Arbeitsplatzes mit einfließen. Gleiches gilt für die Dauer, in der Beschäftigte dem Lärm ausgesetzt sind sowie geeignete Maßnahmen für den Gehörschutz. Das bedeutet: Der verwendete Gehörschutz muss für den Verwendungszweck entsprechend geeignet sein. Insbesondere auf Baustellen erreichen Maschinen und Anlagen hohe Lärmpegel. Beispielsweise erreichen schwere Fahrzeuge oder Kompressoren rund 90 dB. Bei Baukreissägen liegt dieser Wert über 100. Sind Beschäftigte über einen längeren Zeitraum einem Schallpegel von über 85 dB ausgesetzt, können unheilbare Hörschäden die Folge sein. Arbeitsbereiche mit diesen Lärmpegeln sind daher als solche zu kennzeichnen. Darüber hinaus können organisatorische und technische Maßnahmen hier zur Lärmminderung erforderlich sein.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) hat im vergangenen Jahr das Präventionsprogramm »Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich.« gestartet. Die Kampagne soll insbesondere das Bewusstsein für Lärmrisiken beim Branchennachwuchs schärfen. In der Bauwirtschaft zählt Lärmschwerhörigkeit zu der am häufigsten anerkannten Berufskrankheit. Vor allem für junge Beschäftigte sind die Risiken hoch, nach einigen Berufsjahren eine Lärmschwerhörigkeit zu erleiden. Grund dafür ist oftmals die zusätzliche Belastung des Gehörs in der Freizeit durch Konzertbesuche oder zu laute Musik auf den Kopfhörern.

Freizeitlärm nicht unterschätzen

Eine repräsentative TNS Infratest-Umfrage zeigt, dass auch Freizeitlärm zu dauerhaften Hörschäden führen kann. Lediglich jeder dritte Bundesbürger schützt sich in der Freizeit regelmäßig oder gelegentlich vor Lärmbelastungen. Berufsgenossenschaften und Arbeitgeber klären über Lärm am Arbeitsplatz auf und sensibilisieren für die Bedeutung von Gehörschutz. Über Lärmrisiken in der Freizeit scheinen sich viele Beschäftigte allerdings kaum Gedanken zu machen. Neben Konzertbesuchen sind die Gefahrenquellen Heimwerken mit lauten Werkzeugen oder Belastungen durch den Straßenverkehr. Lediglich 50 Prozent tragen beim Heimwerken Gehörschutz, bei Konzerten und Musikevents sind es gut ein Viertel der Befragten.

Um Hörschäden vorzubeugen kommt es auf den richtigen Gehörschutz an – ohne Frage. Doch Vorbeugen funktioniert zunehmend auch digital. So startet die Barmer Krankenkasse mit dem Unternehmen Mimi Hearing Technologies Anfang März 2018 gemeinsam eine Initiative zur Sensibilisierung und Prävention von Hörschäden. Die Idee dahinter: Gesundes Hören ohne große Hürden in den Alltag integrieren. Und das geschieht via App. Die mobile Anwendung von Mimi ermöglicht einen Hörtest und eine Anpassung der Smartphone-Lautstärke an das eigene Gehör. Auf diese Weise lasse sich die Aufmerksamkeit für das Gehör stärken. Die App gibt es als Baustein der Initiative bis Ende 2018 kostenfrei.

Quelle/Text: BAuA, Barmer GEK, BG BAU, VBG, 3M; Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Stand: März 2018

Gesundheit am Arbeitsplatz: Lesen Sie auch »Gesundheitsrisiko durch Drucker « >>

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