Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Digitaler Stress: Ein Thema für den Arbeitsschutz

Mit Arbeitsschutz verbinden viele im ersten Moment Maßnahmen zur Unfallverhütung. Doch Risiken lauern ebenso fernab von Gerätschaften. So sorgt die Digitalisierung für eine höhere Arbeitsbelastung – mit Folgen für die Gesundheit.


Beim Thema Arbeitsschutz fallen oftmals Begriffe wie Persönliche Schutzausrüstung oder Arbeitskleidung. Schließlich gilt es, Arbeitsunfälle effektiv zu vermeiden. Aber: Auch durch die Digitalisierung ergeben sich Gefahren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können. Insbesondere der technische Fortschritt ermöglicht es, dass Beschäftigte viele Arbeiten von überall aus und zu jeder Zeit ausführen können. So zeigt eine Umfrage des »randstadkorrespondenten«, dass rund 68 Prozent der Arbeitnehmer auch nach Feierabend berufliche E-Mails checken oder Telefonate mit Geschäftspartnern führen. Für 69 Prozent der Arbeitnehmer stellt diese Verschmelzung von Privat- und Berufsleben eine Belastung dar.

Überlastung geht auf die Gesundheit

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel – sie stellt sich zunehmend flexibler und mobiler dar. Viele Unternehmen unterstützen dies und verfolgen eine Digitalstrategie. Bestandteil dieser sollte aber ebenso der Arbeitsschutz sein, um Gesundheitsrisiken für die Belegschaft so gering wie möglich zu halten. »Flexibles Arbeiten wird häufig mit einer höheren Work-Life-Balance in Verbindung gebracht. Schließlich kann man sich die Zeit weitestgehend frei einteilen«, sagt Klaus Depner, Manager Health & Human Safety bei Randstad Deutschland. »Wer aber rund um die Uhr auf seine Arbeit zugreifen kann, wird es schwer haben, ein Ende zu finden und Ruhezeiten einzuhalten. Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass digitales und mobiles Arbeiten dazu führen, dass Arbeitnehmer auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten ihrer Tätigkeit nachgehen, es findet eine Entgrenzung und Verlängerung der Arbeitszeit statt.« Dabei sei die Verschmelzung von Beruflichem und Privatem auf Dauer für beide Parteien ungesund. Denn: Regelmäßige und ständige Überlastung habe vermehrt krankheitsbedingte Ausfälle zufolge. Dies müsse aufgefangen werden, so Depner.

Arbeitsbelastung und Zeitdruck nehmen zu

Die Digitalisierung bringt nicht nur Vorteile mit sich – das zeigt die Sonderauswertung »Digitalisierung und Arbeitsintensivierung« des DGB-Index Gute Arbeit. Diese wurde Anfang Mai 2017 in Berlin vorgestellt. Demnach empfinden 46 Prozent der Befragten eine Zunahme ihrer Arbeitsbelastung aufgrund der Digitalisierung. Dass die Arbeit mengenmäßig mehr geworden ist, geben 54 Prozent an. Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass mit steigendem Grad der Digitalisierung auch der Zeitdruck zunimmt. Ständige Unterbrechungen und Störungen kommen bei Befragten, die digital arbeiten, wesentlich häufiger vor als bei Befragten, die nicht digital arbeiten. »Die Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung Arbeit nicht automatisch besser macht«, sagt Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied. »Psychische Erkrankungen bewegen sich seit Jahren auf einem erschreckend hohen Niveau. Für uns steht außer Frage, dass schlecht organisierte Arbeit ein entscheidender Stressfaktor ist und die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigt.« Trotz gemeinsamer Erklärungen mit den Arbeitgebern seien sie bei der Prävention noch nicht vorangekommen.

Betriebliche Regelungen festlegen

Zu hohe Arbeitsbelastung und Anforderungen können zu Überforderung führen. Ermüdungs- und Erschöpfungszustände können die Folge sein. Typische Symptome sind dann beispielsweise innere Unruhe, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und das Gefühl, mit allem überfordert zu sein, sagt Depner. Doch Unternehmen können durchaus entgegenwirken. Wichtig sei das Festlegen betrieblicher Regelungen für flexibles und mobiles Arbeiten, um Mitarbeiter vor Stress, Überforderung und psychischer Ermüdung zu schützen. »Auch im Zuge der Digitalisierung ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten vermieden wird«, so Depner weiter. Das Arbeitsschutzgesetz, insbesondere dessen Grundgedanke der Prävention, gelte unverändert und dürfe bei Arbeit 4.0 nicht ausgeklammert werden. Vor allem die Einhaltung von Ruhe- und Pausenzeiten ist im Sinne des Arbeitsschutzes hier von Bedeutung. Aus Sicht von Depner bestehen zwei wichtige Ansatzpunkte für solche Regelungen: Zum einen die Reduzierung der Dauer und Intensität von einwirkenden Faktoren, zum anderen die Verteilung von Arbeits- und Pausenzeiten. »Wer im Rahmen seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber verhindern möchte, dass die Mitarbeiter auch in der Freizeit E-Mails beantworten, kann zum Beispiel auf Systeme zurückgreifen, die eine Weiterleitung von E-Mails in Abwesenheitszeiten verhindern.« Quelle/Text: DGB, Randstad; Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)
Foto: © Rido – stock.adobe.com

Stand: Mai 2017

Industrie 4.0: Lesen Sie auch »Moderne Arbeitswelt: Auswirkungen auf den Arbeitsschutz« >>

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