Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Grippeschutzimpfung ja oder nein?

Hatschi! Zu Beginn der kalten Jahreszeit, schnupft, hustet und niest ganz Deutschland. Mit den sinkenden Temperaturen steigt die Zahl der Erkälteten. Dr. Peter Egler, Facharzt für Arbeitsmedizin, verrät, warum man sich impfen lassen sollte, wer die Kosten trägt und welche Nebenwirkungen auftreten können.


arbeitssicherheit.de: Herr Dr. Egler, was genau ist die Grippe und warum sollten Arbeitnehmer sich gerade jetzt dagegen impfen lassen?

Dr. Peter Egler: Die »echte« Grippe, auch saisonale Influenza genannt, ist nicht zu verwechseln mit der banalen Erkältung, die gelegentlich auch grippaler Infekt genannt wird. Vielmehr ist sie eine saisonale Virusinfektion, die sich jährlich wellenförmig um den Erdball verbreitet. Die Welle erreicht Deutschland meistens um die Weihnachtzeit. Nach der Impfung braucht der Körper ein bis zwei Wochen, um den Schutz aufzubauen. Ziel ist es natürlich, vor Beginn der Welle diesen Schutz zu erreichen, so dass deutlich vor Weihnachten, also im Oktober beziehungsweise November geimpft werden sollte.

Wovor genau schützt die Impfung?

Nur vor der saisonalen Influenza, die auch in jedem Jahr eine andere Impfstoffzusammensetzung erforderlich macht, da es jeweils Unterarten des Virus gibt.

Gibt es Personenkreise, die sich impfen lassen sollten?

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist die Influenza-Impfung für alle Personen über 60 Jahre, für alle Schwangeren, für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie etwa chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten oder HIV) und auch für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen empfohlen. Außerdem sollten Personen mit erhöhter Gefährdung (zum Beispiel medizinisches Personal) und Personen, die eine mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen darstellen, geimpft werden. Für alle anderen nicht genannten Personen besteht keine Impfempfehlung, weil eine Erkrankung an Influenza in diesen Bevölkerungsgruppen in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft. Das bedeutet nicht, dass sie sich nicht grundsätzlich auch impfen lassen könnten. Sie sollten dies mit ihrem Haus- oder Betriebsarzt besprechen.

Und wer sollte sich nicht impfen lassen?

Nicht geimpft werden sollen Personen, die an einer akuten fieberhaften Erkrankung (Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius) oder schwereren akuten Infektion leiden oder bei denen eine Allergie gegen Hühnereiweiß oder einen anderen Bestandteil des Impfstoffs vorliegt. Für Letztere gibt es möglicherweise Alternativimpfstoffe. Dies muss genau vom Arzt geprüft werden. Für Erstere kann die Impfung nach Abklingen der akuten Erkrankung nachgeholt werden.

Wer bezahlt die Impfung?

Die Krankenkasse, gelegentlich auch der Arbeitgeber im Rahmen einer betrieblichen Impfaktion auf freiwilliger Basis.

An wen wenden sich Interessierte, wenn Sie eine Impfung haben möchten?

Am besten an ihren Haus- oder Betriebsarzt.

Man hört immer wieder, dass Menschen auf die Impfung empfindlich reagieren beziehungsweise nach der Impfung erst richtig erkranken. Warum ist das so?

Der Impfstoff wird in der Regel gut vertragen und Nebenwirkungen sind selten. Es kann in Einzelfällen vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen. Gelegentlich treten vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf (Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen). In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab. Dies liegt daran, dass der Körper und das Immunsystem natürlich (und ja gewollt!) sich mit dem Impfstoff auseinandersetzen müssen.

Dr. Peter Egler ist Facharzt für Arbeitsmedizin und Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V.


Interview: Silke Jarzina
Foto: VDBW, © shoot4u - Fotolia.com
Veröffentlichung: 07.2011, zuletzt überarbeitet 09.2014


Schutz vor Infektion: Lesen Sie auch »Hygiene: Händewaschen am Arbeitsplatz wichtiger als gedacht« >>


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