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Wirtschaftsverbände warnen: »Zertifizierung nach ISO 26000« ist irreführend

Die neue Norm ISO 26000 soll Unternehmen Empfehlungen bieten, die es ihnen möglich macht, die eigene gesellschaftliche Verantwortung zu identifizieren und wahrzunehmen. Wirtschaftverbände warnen jedoch davor: Die Norm sei für Zertifizierungen weder vorgesehen noch geeignet. Wir klären auf, warum.



Kann die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen normiert werden? Dürfen soziale, ethische und moralische Aspekte von Arbeitsbedingungen und Geschäftsprozessen zertifiziert werden? Zu dieser Frage gibt es unterschiedliche Ansichten, nachdem die neue Norm ISO 26000 »Gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen« nach fünf Jahren weltweiter Beratung im November veröffentlicht wurde. Bei der internationalen Schlussabstimmung hatte Deutschland sich der Stimme enthalten. Ansätze zu einer Zertifizierung von Unternehmen nach ISO 26000 werden von der deutschen Wirtschaft abgelehnt.


Die Norm ISO 26000 »Gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen« ist als Leitfaden zu verstehen, der auf Freiwilligkeit besteht. Die Norm setzt einen einheitlichen, aber flexiblen Standard für CSR-Instrumente (Corporate Social Responsibility). Die Norm soll es Unternehmen und Organisationen erleichtern, ihre gesellschaftliche Verantwortung strategisch zu planen und umzusetzen. Konkret nachprüfbare Kriterien fehlen in der ISO 26000. Dies hängt auch damit zusammen, dass die einzelnen Handlungsfelder für unterschiedliche Größen und Typen von Organisationen ganz unterschiedlich zu gewichten sind.

Die ISO 26000 ist daher nicht mit Managementsystemnormen wie ISO 9001 oder ISO 140001 zu vergleichen und für Zertifizierungen weder vorgesehen noch geeignet. Darauf weisen die Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft (BDA, BDI, ZDH, DIHK) in einer gemeinsamen Erklärung hin. Die Norm dürfe nicht als Bezugsrahmen für eine Zertifizierung dienen. Obwohl erste »ISO-26000-Zertifikate« bereits gesehen wurden, wird Zertifizierungsdienstleistern mit dieser Stellungnahme eine klare Absage erteilt. Auch das BMAS spricht von einer unzulässigen Verwendung der Norm als zertifizierbarer Standard. Noch deutlicher wird das Deutsche Institut für Normung (DIN), auf dessen Webseiten von Missbrauch und einem »irreführenden Charakter von Zertifizierungen nach ISO 26000« die Rede ist.

Autor: Dr. Friedhelm Kring
Foto: © Connfetti - Fotolia.com


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