Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Wie sich Informationsflut auf Beschäftigte auswirkt

Im digitalen Zeitalter leiden Beschäftigte unter einer hohen Informationsflut.
Foto: © SIFO CRACHO - stock.adobe.com

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich – sei es Automatisierung in der Produktion oder mobiles Arbeiten im Homeoffice. Allerdings ist mit ihr die Flut an Informationen deutlich gestiegen. Und das wirkt sich auf die Beschäftigten aus. 

Ob Industrie 4.0, Arbeiten 4.0 oder Internet of Things (IoT): Die Schlagworte der modernen Arbeitswelt reichen weit. Es steht außer Frage, dass die Digitalisierung zu einem tiefgreifenden Wandel geführt hat. Prozesse und Arbeitsabläufe haben sich verändert, die Automatisierung hat in diversen Bereichen Einzug gehalten. Doch bei allen Vorteilen bedeutet Digitalisierung auch, eine Vielzahl an Nachrichten, E-Mails und Informationen, die täglich zu bewältigen sind.  

Belastungsquellen analysieren 

Sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren und sich in einer Aufgabe zu vertiefen – das wird allgemein als sogenanntes Flow-Erlebnis bezeichnet. Doch dieses ist bei Ablenkungen und Störungen nur schwer zu erreichen. Schlecht gestaltete digitale Arbeitsumgebungen und -abläufe können das Erleben von Flow erschweren. Das zeigt der Report »Neue Technologien und Digitalisierung in der Arbeitswelt« der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). 

Demnach wirken sich ständige Unterbrechungen durch eine Vielzahl an eingehenden Nachrichten auf die Konzentrationsfähigkeit bei der Arbeit aus. Der iga-Report befasst sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Psyche von Beschäftigten. Die Experten wissen, dass das Empfinden von Informationsflut individuell und sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. 

Eine Empfehlung hinsichtlich Belastungsquellen: Betriebe sollten Datenflüsse und Datenströme im Unternehmen unter die Lupe nehmen. Denn oftmals erhalten Arbeitnehmer Informationen doppelt, zu früh oder zu spät. Dies sei häufig das Resultat aus ungeplanten Abläufen, die sich eher an der Technologie als an der Aufgabe orientieren. Nutzen Unternehmen verschiedene Kommunikationssysteme – also E-Mail plus Social-Media-Tools, plus zusätzliche Software – parallel, kann sich daraus ebenfalls eine Informationsüberflutung ergeben. Der Report sieht das Ziel der Arbeitsgestaltung darin, dass Unternehmen Prozesse besser planen und ihre Datenquellen verringern. 

Arbeitszufriedenheit beeinflussen 

Für Beschäftigte ergeben sich aus der Digitalisierung Chancen, wie die bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf. Gleichzeitig lässt dies oftmals kaum mehr eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben zu. Die Gestaltung der Arbeitszeit hat wesentlichen Einfluss auf die Zufriedenheit und Lebensqualität der Beschäftigten. Resultiert aus der Flexibilität jedoch eine ständige Erreichbarkeit oder müssen Beschäftigte gar permanent verfügbar sein, entsteht daraus eher das Gefühl der Fremdbestimmung. 

Ständige Erreichbarkeit kann zudem zu Stress und psychischer Belastung führen. Der Report schlägt als Ausweg vor, dass Beschäftigte in Absprache mit Kollegen und Vorgesetzten in der Abteilung Kernarbeitszeiten selbst festlegen. Somit können alle Beteiligten auch Nicht-Erreichbarkeitszeiten im Team abstimmen. 

Chancen der Digitalisierung nutzen

Eine Chance des digitalen Wandels: die Möglichkeiten kontinuierlicher Wissensaneignung. So schaffen Webinare und Online-Schulungen Fort- und Weiterbildungen, die unabhängig von Zeit und Raum erfolgen können. Das bedeutet: Die Qualifizierung von Beschäftigten gestaltet sich deutlich flexibler als früher. 

Der iga.Report wägt neben Chancen vor allem auch die Risiken der digitalen Arbeitswelt ab. Damit jedoch die Chancen überwiegen, empfehlen die Autoren vor der Einführung neuer Technologien folgende Fragen zu beantworten: Wie lassen sich Arbeitsprozesse gut gestalten? Wie soll die Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Maschine aussehen? Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen dem Report zufolge, dass Betriebe diese Fragestellungen oftmals erst hinterher versuchen zu beantworten – also erst umsetzen, was technisch möglich sei, dann hinterher prüfen, welche Rolle der Mensch in dem Arbeitssystem einnehmen könne. Von daher ist die richtige Herangehensweise bei der Einführung digitaler Anwendungen und Maschinen von Bedeutung. 

Quelle/Text: DGUV, iga / Redaktion arbeitssicherheit.de (SL) 

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