Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Maschinen- und Anlagensicherheit

Über 40 % aller Maschinenunfälle beruhen auf manipulierten Schutzeinrichtungen

So unglaublich das im ersten Moment klingt, eine Studie der DGUV (IFA) brachte genau das zutage. Ein Ziel dieser Studie war zu ermitteln, welche Dimensionen die »Manipulier-Problematik« in der Praxis einnimmt. Aus den Ergebnissen sollten dann Handlungsanweisungen entstehen, um Manipulationen zukünftig präventiv begegnen zu können.

Die Ergebnisse brachten vier Hauptansatzpunkte:

1. Aus technischer Sicht

Es liegt stark in der Hand der Betreiber, entsprechende Konzepte durchzusetzen.

2. Aus betrieblicher und organisatorischer Sicht

Unternehmer dürfen Manipulationen nicht dulden und müssen ihre Belegschaft für dieses Thema sensibilisieren. Dazu sollten sie Schulungen und Unterweisungen anbieten bzw. durchführen.

3. Aus ergonomischer Sicht

Wichtig ist die Art der Schutzeinrichtung. Hier war ein weiterer interessanter Punkt, dass es oft im Sonderbetrieb, also wenn die Tätigkeit nicht zum eigentlichen Produktionsprozess gehört, zu Manipulationen kommt.

4. Aus psychologischer Sicht

Dabei geht es um sogenannte implizite Theorien (Alltagstheorien), also subjektive Annahmen, anhand derer sich Menschen in ihrem Alltags- und Arbeitsleben orientieren, ohne sie zu hinterfragen. Diese Verhaltensweisen werden in der Studie genauer betrachtet und untersucht.

Letztendlich ist das Problem zwar nun genau untersucht, aber es ist nicht aus der Welt. Wenn Appelle an die Vernunft nicht mehr helfen, was lässt sich dagegen unternehmen? Was liegt näher, als nicht den Menschen zu erziehen sondern die Maschine? Daraus würden dann kollaborierende Roboter entstehen. Eine interessante Alternative - die schon eingesetzt wird.

Der mechanische Kollege ist sicher

Heutzutage arbeitet man »mit« Robotern, nicht gegen sie. Hört sich logisch an, ist es auch, aber trotzdem bringt diese Zusammenarbeit natürlich neue Gefahren mit sich. Laut einem Bericht der International Federation of Robotics (IFR) kommen in Deutschland auf 10.000 Beschäftigte in der verarbeitenden Industrie etwa 234 Industrieroboter. Damit liegt die deutsche Industrie hinter Japan weltweit auf Platz zwei.

Der Grund hierfür ist einfach: Roboter sind eigentlich wahre Alleskönner. Sie transportieren, montieren, beladen, palettieren, verpacken, sortieren, schweißen und erledigen vieles mehr. Das können sie schon länger, neu ist aber, dass sie das immer öfter Hand in Hand mit dem Menschen machen. Es lässt sich sagen: die Kraft und Ausdauer des Roboters paart sich mit der (geistigen) Flexibilität des menschlichen Kollegen.

Was ist neu?

Bei Einsätzen mit kollaborierenden Robotern gibt es für bestimmte Arbeitsräume also keine trennenden Schutzeinrichtungen mehr, sodass eine Kollision zwischen Roboter und Person nicht mehr sicher ausgeschlossen werden kann. Hier sind im Gegensatz zu trennenden Schutzeinrichtungen andere technische Schutzmaßnahmen einzusetzen, die das Kollisionsrisiko laufend ermitteln und im Rahmen der Robotersteuerung ständig minimieren. Ganz im Sinne von: Nicht der Mensch soll aufpassen, sondern der Roboter. Leider wird es immer ein Restrisiko geben, aber auch Menschen stoßen manchmal aneinander.

Beispiele für kooperierende und die daraus resultierenden Sicherheitsanforderungen:

Interface-Fenster

Es gibt trennende oder sensitive Schutzeinrichtungen, um den automatischen Arbeitsbereich, d.h. optische Schutzeinrichtungen (z.B. Lichtvorhänge) wirken als Schnittstelle zwischen Automatikbetrieb und kollaborierendem Bereich. In diesem Bereich herrschen sicher reduzierte Geschwindigkeit und Verfahrwege im handgeführten Betrieb, d.h. sichere Steuerung nach DIN EN ISO 13849-1 Kat. 3.

Handgeführter Roboter

Zum Nachteachen von Punkten durch intuitives Führen des Roboters eignen sich Kraft-Momenten-Sensoren bei sicher überwachter Geschwindigkeit und den Verfahrwegen. Es gibt trennende oder sensitive Schutzeinrichtungen um den automatischen Arbeitsbereich. Bei Zugang gibt es einen sicheren Stillstand nach DIN ISO 13849-1 Kat.3. Der automatische Ablauf wird vorgesetzt, wenn man den Arbeitsraum verlässt.

Prozessbeobachtung

Ziel ist es, Prozesse zu beobachten und diese aus der Nähe zu beeinflussen (Pendelverhalten, Schweißstromstärke usw.). Hier gibt es trennende oder sensitive Schutzeinrichtungen um den automatischen Arbeitsbereich herum. Bei Zugang gibt es sicher überwachte Geschwindigkeiten und Verfahrwege nach DIN ISO 13849-1 Kat.3. Der automatische Ablauf wird vorgesetzt, wenn man den Arbeitsraum verlässt.

Guido Matthes

Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Auszug des im arbeitssicherheit.journal 3.10 erschienenen umfangreicheren Artikels. Sie interessiert der ganze Artikel?Hier anmelden und weiterlesen >>

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