Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Sicherheitsschuhe – ein Besuch bei der Firma Elten

Heute sind Sicherheitsschuhe High-tech Produkte. Moderne Sicherheitsschuhe erfüllen unterschiedlichste Schutzfunktionen.
  • Stoß und Aufprallschutz
  • Durchtrittschutz
  • Rutschschutz auf verschiedensten Untergründen
  • Schutz vor Chemikalien
  • Schutz vor Hitze bzw. Kälte
  • Schutz vor Funken und heißen Materialien
  • Nässeschutz - immer häufiger durch moderne, atmungsaktive Membranen
  • Schutz vor statischer Aufladung bzw. - etwa, um in explosionsgefährdeten Bereichen keine Zündfunken durch elektrostatische Entladungen zu riskieren oder um sensible elektronische Bauteile zu schützen
  • elektrische Isolation als Schutz vor Stromschlägen

Dazu kommen noch Sonderanforderungen. Etwa antimagnetische bzw. metallfreie Schuhe für das Sicherheitspersonal an Metalldetektoren oder Schuhe mit einer speziellen Funkenschutzmanschette für Schweißer und Metallarbeiter - Schweißperlen oder herunter laufendes, flüssiges Metall können so nicht auf der Schnürung liegen bleiben und sich einbrennen.

Zudem müssen Sicherheitsschuhe auch orthopädischen Belangen entsprechen, bequem sein und speziellen Arbeitsbedingungen Rechnung tragen. Nicht zuletzt sollen sie noch schick aussehen, um die Trageakzeptanz zu erhöhen. So kommt es, dass das Angebot an Sicherheitsschuhen mittlerweise fast unüberschaubar ist.

Sicherheitsschuhe von Elten

Wir wollten wissen, was hinter den verschiedensten Modellen und Ausführungen steht und besuchten die Firma Elten im niederrheinischen Uedem. Elten zählt zu den führenden Herstellern von Sicherheitsschuhen in Europa und ist bis heute ein Familienunternehmen. Die wesentlichen Bereiche der Produktion erfolgen am traditionsreichen Firmenstandort in Uedem.

100 Jahre Elten Schuhe

Die Firma Elten feiert dieses Jahr ihr 100 Jähriges Firmenjubiläum und kann auf eine abwechslungsreiche Firmengeschichte zurückblicken. Gegründet wurde die Firma 1910 in Uedem, das damals im Zentrum der niederrheinischen Schuhproduktion lag. Die benötigten Rohstoffe waren hier gut verfügbar: Auf dem flachen Land wurden vorwiegend Kühe gehalten, deren Häute zu Leder weiterverarbeitet wurden. Zahlreiche Flüsse und Bäche boten auch den Gerbereien ideale Arbeitsbedingungen, sodass sich auch die Schuhindustrie hier ansiedelte. Zunächst fertigte man normale Schuhe. 1921 wurde der erste Sicherheitsschuh hergestellt.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb vollständig zerstört und bis 1950 wieder aufgebaut. Die Firma konzentrierte sich zunehmend auf die Produktion von Sicherheitsschuhen. Heute wird Elten in der vierten Generation als Familienbetrieb geführt und gehört zu den führenden Herstellern von Sicherheitsschuhen in Europa.

Dreh- und Angelpunkt eines Sicherheitsschuhs: die Sohle

Kernstück eines Sicherheitsschuhs ist die Sohle. »Ein neuer Sicherheitsschuh wird von der Sohle aus entwickelt«, erklärt Heiner van Elten, der die Firma in der vierten Generation leitet. Der Entwurf bzw. die Konstruktion eines Sicherheitsschuhs beginnt deshalb hier. Und hier liegt auch der Schwerpunkt der Produktion bei Elten. Die Endfertigung, also das Einarbeiten der Sicherheitsausstattung und das Aufspritzen der Sohle, erfolgt in der Fertigungsstätte in Uedem. Dazu verfügt Elten über den modernsten Automaten zum Anspritzen von TPU/PUR-Sohlen der Welt, der in einem Arbeitsgang drei verschiedene Kunststoffe »anspritzen« kann.

Die Verwendung unterschiedlicher Kunststoffe in den Sohlen ist nicht nur Dekoration. Vielmehr weisen die verwendeten Materialien unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich ihres Rutschverhaltens auf. Im Zusammenhang mit einer entsprechenden Profilgestaltung ergeben sich beispielsweise ergonomische Vorteile für sogenannte »Steh- und Dreh-Arbeitsplätze«. Das sind Arbeitsplätze, bei denen sich die Arbeiter häufig im Stehen drehen müssen, etwa bei Montagearbeiten. Ist zum sicheren Stand und beim Gehen hohe Rutschfestigkeit der Sohle gefragt, ist dies bei einer Drehbewegung auf dem Fuß nicht so gut. Je besser der Schuh hier haftet, desto höher ist die Belastung für die Gelenke beim Drehen. Ein gewisses Maß an »Rutschfähigkeit« ist hier gewünscht.

Schäfte und Design

Liegt in der Gestaltung und Herstellung der Sohlen die Kernkompetenz bei Elten in Deutschland, greift für die Schäfte auf Know-how im Ausland zurück. Beim Design der Schuhe arbeitet man mit Designern in Italien zusammen. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt: Die Designer kennen die besonderen Anforderungen bei Sicherheitsschuhen und stimmen ihre Entwürfe daraufhin ab. In Uedem werden die Entwürfe dann digitalisiert und »gradiert«, d.h. in die verschiedenen Schuhgrößen übertragen. Nach der Gradierung sind ggf. noch Rücksprachen mit den Designern notwendig, da sich die Anmutung der Entwürfe bei unterschiedlichen Größen ändert.

Beim Design der Schäfte spielen Sicherheitsaspekte eine geringere Rolle. Hier geht es eher darum, die Akzeptanz von Sicherheitsschuhen zu erhöhen. Und je schicker Sicherheitsschuhe aussehen, desto besser werden sie angenommen. So gibt es Modelle, die kaum noch von normalen Turnschuhen zu unterscheiden sind und trotzdem die erforderlichen Schutzfunktionen erfüllen. Auch um die Bequemlichkeit kümmert man sich bei Elten und bietet einige Modelle in drei verschiedenen Passformen an, die auf der Grundlage von Forschungen an den Universitäten Chemnitz und Tübingen entwickelt wurden.

»Wenn ich jemandem einen Schuh mit optimaler Passform und einen Schuh, der aussieht wie ein Turnschuh, hinstelle, findet er meist den Turnschuh bequemer - auch wenn der andere Schuh eigentlich besser sitzt«, verrät van Elten zum Thema Trageakzeptanz.

Musterfertigung

Nach den Entwürfen der Designer werden in Uedem die ersten Muster eines neuen Schuhmodells hergestellt. So kann getestet werden, ob der Schuh auch bei der späteren Produktion in Form und Funktion den Ansprüchen der Firma genügt. Ist man mit den Prototypen zufrieden, wird die Produktion der Schäfte ins Ausland abgegeben, wo man bei den aufwändigen Näharbeiten von niedrigen Löhnen profitiert.

Aufwändige Handarbeit

Trotz der Automaten fällt bei der Fertigstellung eines Sicherheitsschuhs auch in Uedem noch viel Handarbeit an. Das beginnt damit, dass die angelieferten Schäfte auf spezielle Leisten aufgezogen werden. Dabei werden gleich die Stahlkappen eingelegt. Anschließend wird mit Hilfe eines Automaten die Brandsohle und ggf. Durchtrittsschutz-Zwischensohlen aufgeklebt. Nachdem die Klebenaht gesäubert wurde, wird

der Leisten in den Automaten montiert, der die Sohle anspritzt. Für jede Schuhgröße und jede Passform wird hierzu eine geeignete Matrize benötigt.

Die meiste Handarbeit fällt aber an, wenn der Schuh aus dem Automaten kommt. Auf den ersten Blick ein fertiger Schuh, geht er noch durch viele Hände: der Schuh wird vom Leisten genommen, Gussgrade vom Anspritzen der Sohlen entfernt, Fußbetten eingelegt, kleine Fehlstellen ausgebessert, Schnürsenkel eingezogen und immer wieder werden Qualitätskontrollen durchgeführt. Schließlich wir der Schuh verpackt.

Vertrieb

Ein eigenes Logistikzentrum in Uedem gewährleistet schließlich, das nahezu jedes Modell innerhalb von 24 Stunden überall in Deutschland verfügbar ist.

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeitssicherheit

Alle Beiträge

Exklusive Produktempfehlungen aus unserem umfangreichen Online-Shop

Lexikon Explosionsschutz Dr. Dyrba

Lexikon Explosionsschutz
von Dr.-Ing. Berthold Dyrba

Wichtige Begriffe des Explosionsschutzes und angrenzender Bereiche

Ca. 2.300 Begriffe zum Explosionsschutz und verwandten Themen, wie z. B. Normung, Gefahrstoffe, Betriebs-, Geräte- und Produktsicherheit.
2. Auflage 2009

Zum Produkt
Arbeitsstättenverordnung

Arbeitsstättenverordnung
von Dr. jur. Kurt Kreizberg

mit Technischen Regeln für Arbeitstätten (ASR) und weiteren Rechtsvorschriften
ca. 600 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit

Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit
von Wolfram Weinmann / Hans-Peter Thomas / Dr. Helmut A. Klein

Vorschriftensammlung mit Kommentierung und EU-Verordnungen
Zweibändige Ausgabe mit CD-ROM
1. Auflage 2005
ca. 1300 Seiten, Loseblattwerk mit CD-ROM
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
CHV-16 Betriebssicherheitsverordnung

CHV 16, Betriebssicherheitsverordnung
von Carl Heymanns Verlag (Hrsg.)

10. Auflage 2017
ca. 284 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt