Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Osteopathie – mehr als ein Placebo-Effekt?

Häufig ist der Rücken schuld, wenn Arbeitnehmer bei der Arbeit fehlen. Nicht selten haben die Betroffenen schon eine Odyssee von Arztbesuchen hinter sich, und nichts scheint wirklich zu helfen. Von der Schulmedizin oftmals enttäuscht, wenden sich viele Menschen alternativen Heilmethoden zu. Die Methode der Osteopathie ist aktuell sehr im Trend - aber auch umstritten.


Muskuloskelettale Erkrankungen sind weit verbreitet. Fast jeder zweite Befragte (47%) leidet häufig unter Rückenschmerzen. Davon sind ein Drittel (33,6%) der Befragten unter 20 Jahren. Bei den 20 bis 29-Jährigen steigt der Anteil auf 40,7%. In der Altersgruppe der 40 bis 49-Jährigen leidet bereits jeder Zweite (50,4%) unter häufigen Beschwerden im Rückenbereich (Ergebisse einer Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK).

Gerade bei dauerhaften Beschwerden, wie Rückenschmerzen, suchen viele Menschen mittlerweile nach alternativen Heilmethoden. Nicht zuletzt, weil der Gang zum Schulmediziner nicht den gewünschten Erfolg erzielt hat. Oftmals fehlt es den Ärzten an Zeit und Einfühlungsvermögen, was die individuellen Belange des Patienten betrifft. Schnell mal eingerenkt und mit allgemeinen Tipps wie »treiben Sie mehr Sport« bedacht, fühlen sich die Betroffenen häufig abgespeist. Die Methode der Osteopathie ist daher zunehmend als Geheimwaffe in aller Munde. Doch ist sie nur ein Modetrend oder wirklich ein probates Mittel, um Beschwerden erfolgreich zu bekämpfen?

Heilen mit den Händen

Bei einer osteopathischen Behandlung wendet der Therapeut lediglich seine Hände an. Es handelt sich um eine manuelle Therapieform, bei der keine zusätzlichen Geräte oder Medikamente nötig sind. Der Therapeut versucht mit seinen Händen, Blockaden zu erspüren, welche die Beweglichkeit einschränken und Spannungen verursachen. Mit gezielten Griffen vermag er, diese Blockaden zu lösen und somit die Schmerzen zu lindern. Gleichzeitig mobilisiert er die Selbstheilungskräfte des Menschen. Da es sich hier um eine sehr sanfte Heilmethode handelt, besteht auch kaum Verletzungsgefahr.

Osteopathie hat medizinische Grenzen

Der Verband der Osteopathen e.V. gibt an, dass Osteopathie keine Notfallmedizin sei, die in lebensbedrohlichen Situationen eingreifen kann. Schwere und akute Erkrankungen und Infektionen müssten zunächst konventionell behandelt werden. Die Osteopathie könne aber dort wirken, wo die Selbstheilungskräfte des Körpers in der Lage sind, die gesundheitliche Balance wiederherzustellen.

Bis zu 60 Minuten kann eine solche Behandlung dauern. Ob die Therapie auch anschlägt, hängt letztlich vom Einzelfall und von den Fähigkeiten des jeweiligen Osteopathen ab.

Den richtigen Behandler finden

Problematisch ist, dass es für die Ausbildung zum Osteopathen keine gesetzlichen Regelungen gibt. Der Osteopath sollte aber eine fundierte Aus- und Weiterbildung vorweisen können und sein Wissen nicht in einem Crash-Kurs erlangt haben.

Allerdings ist die Bezeichnung »Osteopath« nicht geschützt, daher gibt für den Patienten kaum Möglichkeiten festzustellen, ob er bei seinem Therapeuten auch in den richtigen Händen ist.

Krankenkassen übernehmen Behandlungskosten

Viele Krankenkassen erkennen mittlerweile Osteopathie als Heilmethode an. Vorausgesetzt, die Therapie ist medizinisch geeignet, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ein Fortschreiten der Krankheit zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. An die Kostenübernahme knüpfen die Kassen allerdings unterschiedliche Bedingungen. Entweder muss der Patient die Behandlung aufgrund einer ärztlichen Verordnung nachweisen können, oder der Osteopath muss Mediziner oder Heilpraktiker sein. Ein Physiotherapeut, der ohne entsprechende Ausbildung diese Methoden anwendet, verstößt indes gegen das Heilpraktikergesetz.

Quelle/Text: Spiegel online, Redaktion arbeitssicherheit.de
Foto: @ Jan Stephan Hubrich

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