Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Kein Einzelfall: Gewalt am Arbeitsplatz

Gewalt am Arbeitsplatz nimmt zu.
Foto: © Light Impression - stock.adobe.com

Gewalt am Arbeitsplatz kommt vor – häufiger als gedacht. Statistiken zeigen einen Anstieg von Gewaltunfällen. Vor allem Beschäftigte mit Patienten- oder Kundenkontakt sind Übergriffen ausgesetzt.

Ein Mann greift im Jobcenter Hattingen einen Sachbearbeiter mit einem Messer an. Hintergrund für den Angriff seien gekürzte Leistungen gewesen. Mit Verletzungen an Oberkörper und Bauch kann sich der Sachbearbeiter nach Angaben der Polizei hinter einer Tür in Sicherheit bringen, wie das Online-Magazin Welt.de berichtet. Der Übergriff ereignete sich im Dezember vergangenen Jahres. In Jobcentern kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Übergriffen und Angriffen. Viele Arbeitsplätze sind daher mit Alarmknöpfen ausgestattet.

Von tätlichen Angriffen sind nicht nur Jobcenter-Mitarbeiter betroffen. Als besonders gefährdet von Übergriffen Dritter gelten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zufolge alle Beschäftigten, die während ihrer Tätigkeit Kontakt mit Patienten oder Kunden haben. Allerdings gelten manche Arbeitsbereiche hinsichtlich Bedrohungen und Gewalt als besonders risikoreich. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn Personen mit Bargeld umgehen, Kontrollaufgaben ausüben, mit schwierigen Personengruppen umgehen oder an öffentlich zugänglichen Einzelarbeitsplätzen arbeiten.

Steigende Zahl an Übergriffen

Im Jahr 2016 ereigneten sich gut 31 Prozent aller Übergriffe auf Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ein Fünftel geschah im öffentlichen Bereich, auf Straßen oder in Transportmitteln. Rund 13 Prozent waren in Läden und Geschäften mit Übergriffen konfrontiert. Das zeigt der Arbeitsunfallbericht 2016 der DGUV. Der Anteil der Gewaltunfälle durch Personen an allen meldepflichtigen Arbeitsunfällen liegt bei 1,4 Prozent. Im Berichtsjahr erlitten 10.432 Beschäftigte einen Unfall während einer betrieblichen Tätigkeit durch Einwirkung von physischer oder psychischer Gewalt. Im Vergleich zum Jahr 2012 haben die gemeldeten Gewaltunfälle um 22 Prozent zugenommen. Ob sich hinter dieser Zahl eine Zunahme des Gewaltrisikos verberge, sei laut DGUV schwer zu sagen. Beispielsweise habe in den vergangenen Jahren auch die Beschäftigungsquote in einem der relevanten Bereiche wie Pflege zugenommen.

Eine hohe Zahl an Angriffen in Bereichen mit Patientenkontakt – insbesondere auf Mediziner und ihre Praxisteams – zeigt der aktuelle Ärztemonitor des Verbands der niedergelassenen Ärzte Deutschlands (NAV-Virchow-Bund). Für den Monitor werden insgesamt 11.000 niedergelassene Ärzte zur Arbeitssituation befragt. Erste Auswertungen von über 7.000 Befragten lassen erkennen, dass es in deutschen Arztpraxen pro Arbeitstag 75 Mal zu körperlicher Gewalt kommt. Verbale Gewalt kommt noch häufiger vor. Es besteht zudem ein Zusammenhang mit der Praxisgröße. Mit steigender Praxisgröße nimmt die verbale Gewalt zu. Körperliche Gewalt nimmt hingegen zu, je kleiner die Praxis ist. Mit verbalen und körperlichen Übergriffen sind auch Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr betroffen.

Präventive Maßnahmen im Arbeitsschutz

Werden Beschäftigte Opfer eines Übergriffs, können neben körperlichen Verletzungen auch psychische Beeinträchtigungen damit einhergehen. Gesundheitsschäden sowie krankheitsbedingte Fehlzeiten sind oftmals die Folge. Gewalt am Arbeitsplatz gehört daher zu wichtigen Themen des Arbeitsschutzes. Die DGUV empfiehlt zur Prävention von Gewalt unterschiedliche Maßnahmen. Im Arbeitsumfeld können unter anderem bauliche und technische Maßnahmen für mehr Sicherheit sorgen – zum Beispiel Notausgänge, Schutzwände, Zugangskontrollen oder Notrufsysteme. Die Vermeidung von Einzelarbeitsplätzen kann in risikoreichen Arbeitsfeldern ratsam sein. Im Kundenkontakt sind geringe Bargeldbestände sowie bargeldlose Alternative eine weitere, präventive Maßnahme. Wichtig ist ebenso, die Beschäftigten hinsichtlich Sicherheitsvorschriften zu informieren und zu unterweisen. Sie sollten wissen, wie sie Stresssituationen und bedrohliche Situationen mit Dritten vermeiden. Dafür bieten sich Deeskalationsseminare an.

Quelle/Text: DGUV, Welt.de, NAV-Virchow-Bund; Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Stand: Mai 2018

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