Fachbeitrag  Arbeitssicherheit, PSA  

Ein Schutzhelm, der sein Alter verrät

Ob Baugewerbe, Industrie oder Wald- und Forstarbeiten - Schutzhelme sind in vielen Branchen unerlässlich. Um die Trageakzeptanz zu erhöhen, müssen Vorgesetzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Fasi) oft Überzeugungsarbeit leisten. Doch damit ist es nicht getan: Nur eine PSA, die ihre volle Schutzwirkung besitzt, kann ihren Zweck erfüllen. Altersbedingte Materialermüdung wirkt dem entgegen und wird auch vom Sicherheitsverantwortlichen nicht immer wahrgenommen. Nach Erfahrungsberichten von BG Bau-Experten kommen Helme oft länger zum Einsatz, als es ihre Lebensdauer zulässt.

Materialermüdung durch UV-Licht

Problematisch ist der Einfluss des Sonnenlichts bei Arbeiten im Freien: Weil die UV-Strahlen dem Kunststoff Weichmacher entziehen, wird das Material mit der Zeit spröde. Für den Anwender aber ist das schwer einzuschätzen: Während aggressive Chemikalien oder mechanische Einwirkungen meist sichtbare Spuren an der Helmoberfläche hinterlassen, sind die Folgen langjähriger UV-Strahlung weniger offensichtlich.

Besonders schnell vollzieht sich der Alterungsprozess an Helmschalen aus thermoplastischen Kunststoffen wie Polyethylen, weshalb diese Helme aud diesem Material etwa alle vier Jahre ausgetauscht werden sollten. Der Empfehlung liegen Studien zur Alterung von Industrieschutzhelmen zugrunde, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie dem Fachausschuss »Persönliche Schutzausrüstungen« der BG Bau veranlasst worden sind.

Nur ein Mittelwert

Diese Frist aber kann nur als Mittelwert für den Regelfall gelten. Zu sehr variieren die Eigenschaften des Helmmaterials und die Intensität der UV-Strahlung, der Helme im Einsatz ausgesetzt sind. »Aufgrund verschiedenster Einsatzbedingungen sind im Einzelfall Abweichungen nach unten oder oben möglich«, bestätigt Dipl.-Ing. Jörg Schneider, Stellvertretender Leiter des Fachausschusses und Obmann des Sachgebiets Kopfschutz bei der BG Bau, in einer Publikation zu diesem Thema. Für Anwender sei es daher schwer zu beurteilen, ob die Gebrauchsdauer eines Helmes herabgesetzt werden muss oder vielleicht sogar verlängert werden kann.

Um das Risiko zu begrenzen, geben Hersteller häufig allgemeine Richtlinien zu Gebrauch, Aufbewahrung und Lebensdauer an, die natürlich nicht berücksichtigen können, wie lange der Schutzhelm im Einzelfall dem Sonnenlicht ausgesetzt war. Das kann auch dazu führen, dass noch einwandfreie Helme aufgrund der Sicherheitsvorschriften ausgemustert werden.

UV-Sensor erkennt den Zeitpunkt

Abhilfe soll eine innovative Technologie des PSA-Entwicklers Peltor schaffen, die auch nach Schneiders Einschätzung »eine wirkliche Erleichterung für den Anwender« darstellt: In die äußere Oberfläche der Helmschale wurde eine Anzeige integriert, mit der laut Hersteller exakt bestimmt werden kann, wann der Helm zu lange dem Sonnenlicht ausgesetzt war und keine ausreichende Sicherheit mehr bietet. Das Produkt wurde mit dem Innovationspreis 2008 des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. ausgezeichnet. Zu der Zeit hieß der Prototyp noch „Peltor Solaris G3000". Seit September 2009 ist das Modell unter dem Namen »Uvicator Sensor« auf dem Markt.

Die Solar-Anzeige ähnelt einer kleinen Uhr: Ein Kreis, der im Neuzustand tiefrot eingefärbt ist, verblasst mit zunehmender Dauer der UV-Bestrahlung segmentweise im Uhrzeigersinn, als wandere ein Zeiger allmählich in Richtung »Zwölf«. Der Schutzhelm muss ausgetauscht werden, wenn auch der letzte Abschnitt ausgeblichen, die Anzeige also komplett weiß geworden ist.

Der Helm wurde in Zusammenarbeit mit Industrie und der Forstwirtschaft entwickelt. Seine patentierte Technologie ist das Ergebnis langjähriger Tests, bei denen verschiedene Materialkombinationen unterschiedlichen UV-Bedingungen ausgesetzt wurden - sowohl bei Anwendungen in der Praxis als auch mit künstlichen Alterungsmethoden.

Kein Regenkanal erforderlich

Bei den Tests, die das Auffangen und Verteilen der durch den Aufprall fallender Gegenstände übertragenen Kräfte beurteilen, hat das Produkt beste Noten erhalten. Die Basis dafür bietet Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), ein Material, das laut Peltor formstabiler und härter ist als High Density Polyethylen (HDPE). Damit sei es auch weniger empfindlich gegen Kratzer an der Helmoberfläche. Risse, Indikatoren für ernsthafte Beschädigungen des Helms, sind bei verkrazten und verschmutzen Helmen oft nicht zu erkennen.

Weil das Material stark genug ist, hat der Hersteller auf den Regenkanal verzichtet, der sich bei HDPE-Helmen üblicherweise findet: Viele Helme, so die Begründung, würden nur mit diesem Extra angeboten, um ein besseres Resultat bei der seitlichen Verformung zu erzielen. Das sei jedoch mit einer erhöhten Verletzungsgefahr verbunden, wenn herab fallende Gegenstände oder Äste an der Vertiefung hängen bleiben.

Tragekomfort soll Akzeptanz erhöhen

Der Uvicator Sensor ist für harte Arbeitsbedingungen ausgelegt, entspricht der höchsten Schutzklasse gemäß EN 397 und verfügt über verschiedene Zusatzzulassungen. Dazu gehört die Kältebeständigkeit bis minus 30 Grad Celsius und der Schutz vor Schmelzmetallspritzern, sowie (je nach Ausführung) die elektrische Isolierung 440 VAC oder/und gemäß EN 50365 (1000 Volt).

Um die PSA-Akzeptanz zu erhöhen, hat sich der Hersteller zugleich um ein Höchstmaß an Tragekomfort bemüht. Der Uvicator Sensor zähle zu den leichtesten Helmen, die auf dem Markt erhältlich sind. Auch bei den Faktoren Belüftung und Sicht sei das Optimum herausgeholt worden. So biete das Produkt bei gleichbleibender Sicherheit einen effektiveren Luftaustausch. Zur Vergrößerung des Sichtfelds wurde der Helm mit einem kürzeren Schirm ausgestattet, was jedoch weder die Blendschutzeigenschaften noch andere Merkmale beeinträchtige. Die Innenausstattung des Modells G3000 kann um 180 Grad gedreht werden, eine Alternative für Einsätze, die Klettern oder Arbeiten auf engstem Raum erfordern. Die CE-Zulassung gilt für beide Varianten. Schließlich ist der High-Tech-Helm in acht verschiedenen Farben erhältlich, zum Beispiel als Modell »High Visibility« in neongrün für Mitarbeiter, die besonders gut zu sehen sein müssen.

Beitrag zur Arbeitssicherheit

Das Patent könnte dazu beitragen zu verhindern, dass Schutzhelme aufgrund ihrer Alterung zu einem Risikofaktor werden. Vor allem in Großbetrieben lassen sich unter Umständen auch wirtschaftliche Vorteile dadurch erzielen, weil Schutzhelme nicht zu vorzeitig ersetzt werden. Bei alledem sind jedoch die grundsätzlichen Anwendungshinweise zu beachten. So weist der Hersteller unter anderem darauf hin, dass auch dieser Helm nach einem kräftigen Schlag oder Stoß ausgetauscht werden muss, weil nicht sichtbare Schäden entstanden sein könnten.

Christine Lendt

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeitssicherheit

Alle Beiträge

Exklusive Produktempfehlungen aus unserem umfangreichen Online-Shop

Lexikon Explosionsschutz Dr. Dyrba

Lexikon Explosionsschutz
von Dr.-Ing. Berthold Dyrba

Wichtige Begriffe des Explosionsschutzes und angrenzender Bereiche

Ca. 2.300 Begriffe zum Explosionsschutz und verwandten Themen, wie z. B. Normung, Gefahrstoffe, Betriebs-, Geräte- und Produktsicherheit.
2. Auflage 2009

Zum Produkt
Arbeitsstättenverordnung

Arbeitsstättenverordnung
von Dr. jur. Kurt Kreizberg

mit Technischen Regeln für Arbeitstätten (ASR) und weiteren Rechtsvorschriften
ca. 600 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit

Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit
von Wolfram Weinmann / Hans-Peter Thomas / Dr. Helmut A. Klein

Vorschriftensammlung mit Kommentierung und EU-Verordnungen
Zweibändige Ausgabe mit CD-ROM
1. Auflage 2005
ca. 1300 Seiten, Loseblattwerk mit CD-ROM
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
CHV-16 Betriebssicherheitsverordnung

CHV 16, Betriebssicherheitsverordnung
von Carl Heymanns Verlag (Hrsg.)

10. Auflage 2017
ca. 284 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt