Fachbeitrag  Erste Hilfe  

Fortbildung von Ersthelfern bei der Central Krankenversicherung

Wie die Aus- und Weiterbildung von Ersthelfern in einem größeren Betrieb praktisch aussehen kann, zeigt ein Besuch bei der Central Krankenversicherung AG in Köln. Da bei der Central viele Teilnehmer die Kurse besuchen, kommen die Erste-Hilfe-Ausbilder der Johanniter ins Haus. In einem Sitzungsraum haben sich zehn Mitarbeiter eingefunden. Sie sind seit längerem Ersthelfer und absolvieren einen Trainingskurs.

In der Kölner Hauptniederlassung der Central arbeiten rund 1000 Mitarbeiter. Rechnerisch würden hier 50 Ersthelfer genügen. Tatsächlich sind aber mehr als doppelt so viele Mitarbeiter in Erster Hilfe ausgebildet. Darüber hinaus gibt es zwei Betriebssanitäter. Gründe für die hohe Anzahl an Ersthelfern sind zum einen, dass jedem interessierten Mitarbeiter die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs ermöglicht wird. Zum anderen ist man dazu übergegangen, grundsätzlich jeden Auszubildenden in Erster Hilfe schulen zu lassen. So ist immer für entsprechend qualifizierten Nachwuchs gesorgt.

Für die Aus- und Fortbildung in Erster Hilfe sind bei der Central die Johanniter verantwortlich. Neben den Johannitern bieten auch die anderen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst oder der Arbeiter Samariter Bund entsprechende Kurse an. Daneben gibt es noch private Erste-Hilfe-Schulen. Bezahlt werden die Kurse von den BGen; die Unternehmen müssen die Mitarbeiter lediglich für die Kurse freistellen. Ein normaler Betriebshelfer-Kurs umfasst acht Doppelstunden. Alle zwei Jahre müssen die Ersthelfer ihre Kenntnisse in einem Trainigsprogramm von vier Doppelstunden auffrischen und aktualisieren.

Udo Breuer, Rettungsassistent und Sicherheitsbeauftragter bei der Central und seit 30 Jahren ehrenamtlich bei den Johannitern aktiv, eröffnet den Kurs und übergibt nach ein paar einleitenden Worten an die Ausbilderin Simone Stefer.

Stefer kennt die Teilnehmer bereits. »Viele Firmen schätzen es, wenn immer der gleiche Ausbilder kommt. Das hat den Vorteil, dass der Ausbilder die jeweiligen Firmen und deren Besonderheiten hinsichtlich Unfallgefahren und Verletzungsrisiken kennt und mit den vorhandenen Erste-Hilfe-Einrichtungen vertraut ist. Und nicht zuletzt ist es gut, wenn man die Teilnehmer kennt und auf sie eingehen kann« sagt sie.

Die BGV A1 legt fest, dass Unternehmen dafür zu sorgen haben, »dass zur Ersten Hilfe und zur Rettung aus Gefahr die erforderlichen Einrichtungen und Sachmittel sowie das erforderliche Personal zur Verfügung stehen«. BGV A1, § 24, Abs. 1). Die erforderliche Anzahl an Ersthelfern wird dabei wie folgt bestimmt:

  • Bei 2 bis zu 20 anwesenden Versicherten ein Ersthelfer,
  • bei mehr als 20 anwesenden Versicherten
  • in Verwaltungs- und Handelsbetrieben 5 %,
  • in sonstigen Betrieben 10 %.
    (BGV A1, § 26, Abs. 1)

Darüber hinaus kann es erforderlich sein, dass Betriebssanitäter zur Verfügung stehen, etwa, wenn in einer Betriebsstätte mehr als 1500 Versicherte anwesend sind, oder in einer Betriebsstätte 1500 oder weniger, aber mehr als 250 Versicherte anwesend sind und Art, Schwere und Zahl der Unfälle den Einsatz von Sanitätspersonal erfordern oder wenn auf einer Baustelle mehr als 100 Versicherte anwesend sind.

Im Hinblick auf die Qualifizierung und Fortbildung von Ersthelfern legt die BGV A1 fest, dass der Unternehmer als Ersthelfer nur Personen einsetzen darf, die bei einer von der Berufsgenossenschaft für die Ausbildung zur Ersten Hilfe ermächtigten Stelle ausgebildet worden sind. Daneben hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass die Ersthelfer in der Regel in Zeitabständen von zwei Jahren fortgebildet werden. (BGV A1, § 26, Abs. 2 u. 3).

Der Kurs beginnt damit, dass Stefer die Bedeutung der Ersthelfer herausstellt. »In der Kölner Innenstadt dauert es nach dem Eingang eines Notrufes durchschnittlich 7 Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Aber bereits nach drei Minuten ohne Sauerstoff beginnt das Gehirn abzusterben. Als Ersthelfer müssen sie also in der Lage sein, etwa 10 Minuten - vom Auffinden des Verletzten über das Absetzen eines Notrufs bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes - zu überbrücken. Nur 10 Minuten - aber die können darüber entscheiden, ob jemand überlebt oder nicht.«

Anschließend wird anhand eines Bildes eine Unfallsituationen analysiert: Was sehen die Teilnehmer beim Eintreffen am Unfallort? Was ist wohl passiert? Mit welchen Verletzungen muss man rechnen? Und vor allem: Was für Gefahren bestehen ggf. noch - auch für den Ersthelfer? »Absichern ist das allerwichtigste. Und achten sie immer zuerst auf sich selbst. Steht der Verletzte noch unter Strom? Fällt gleich der nächste Gegenstand aus dem Regal? Ich weiß, sie wollen dem Verletzten helfen, aber es nützt ihm nichts, wenn sie gleich daneben liegen«, schärft Stefer den Teilnehmern ein.

Wie man sich einem Menschen, den man auf dem Boden liegend vorfindet, nähert, ihn anspricht und berührt um festzustellen, ob er bei Bewusstsein ist, wie man die Atmung kontrolliert und wie man ihn, wenn notwendig, in die stabile Seitenlage bringt, wird praktisch demonstriert und gleich geübt.

Vor der Mittagspause führt Udo Breuer den Kurs durchs Haus und erläutert die Erste-Hilfe-Einrichtungen: Hier befinden sich Tragen, da und dort bekommt man den Schlüssel zum Arztzimmer. Im Arztzimmer findet sich was wo, wer hat einen Bevorrechtigungsschlüssel für die Aufzüge etc.

Nach dem Mittagessen haben die Teilnehmer Gelegenheit, mit Herrn Breuer über aktuelle Fragen in Sachen Erste Hilfe zu diskutieren. Einige wünschen sich Westen, die sie in Notfällen gleich als Ersthelfer erkennbar machen. Ähnliche Westen gibt es bei der Central schon für die Evakuierungshelfer, die im Notfall für eine geordnete Evakuierung des Gebäudes sorgen. Auch die beabsichtigte Anschaffung eines automatischen externen Defibrilators (AED) wird diskutiert.

Das nächste Thema im Kurs ist Herz-Lungen-Wiederbelebung. An vier Puppen üben die Teilnehmer Beatmung und Herzdruckmassage. Musik gibt dabei den richtigen Takt vor. In Gruppenarbeit bereitet man dann die nächsten Themen, Herzinfarkt und Schlaganfall, vor. Anschließend werden die wichtigsten Aspekte der Wundversorgung besprochen und unterschiedliche Verbände geübt: vom Pflaster über Druckverbände bis zum Kopfverband mit Dreiecktüchern »verarzten« sich die Teilnehmer gegenseitig. Den Abschluss des Kurses bildet ein Quiz, bei dem drei Gruppen gegeneinander antreten.

Folien, Vortrag, Praxisübungen, Gruppenarbeit, Spiele - der Kurs war lehr- und abwechslungsreich. Abwechslungsreicher als die Aufgaben eines Ersthelfers bei der Central im Normalfall: »Im Kurs lernt man viel, aber in der Praxis ist es so, dass höchstens hin und wieder mal jemand ein Pflaster braucht - das ist alles«, meint ein Teilnehmer. Aber es gibt auch andere Beispiele. Eine Teilnehmerin berichtet: »Zwei Wochen, nachdem ich meinen ersten Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatte, hatte mein Abteilungsleiter einen Schlaganfall. Aber ich hatte ja gerade gelernt, was zu tun ist. Offensichtlich habe ich alles richtig gemacht: Er hat's überstanden - ohne bleibende Schäden.«

Martin Mertens

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