DGUV Information 213-725 - Manuelles Kolbenlöten mit bleifreien Lotlegierungen i...

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Abschnitt 5.1, 5.1 Gefahrstoffe
Abschnitt 5.1
Manuelles Kolbenlöten mit bleifreien Lotlegierungen in der Elektro- und Elektronikindustrie Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verfahrens- und stoffspezifisches Kriterium (VSK) nach der TRGS 420 (DGUV Information 213-725)
Titel: Manuelles Kolbenlöten mit bleifreien Lotlegierungen in der Elektro- und Elektronikindustrie Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verfahrens- und stoffspezifisches Kriterium (VSK) nach der TRGS 420 (DGUV Information 213-725)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-725
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.1 – 5.1 Gefahrstoffe

Bleifreie Lotlegierungen bestehen hauptsächlich aus Zinn (Sn), Silber (Ag) und Kupfer (Cu). Lote, denen zur Verbesserung der Lötprozesse sowie für spezielle Anwendungen zusätzlich weitere Elemente wie z. B. Antimon (Sb), Indium (In), Bismut (Bi), Nickel (Ni) und Zink (Zn) zugegeben werden, werden im Anwendungsbereich dieser Empfehlung ausgeschlossen.

Die verwendeten Flussmittel bestehen aus Harzen (z. B. Kolophonium) und Aktivierungszusätzen auf organischer oder anorganischer Basis (z. B. Carbonsäuren, Aminhydrochloride). Bei einigen Lötverbindungen werden zusätzliche Flussmittel verwendet, die u. a. Propan-2-ol enthalten können.

Die beim manuellen Kolbenlöten durch die thermische Belastung der eingesetzten Lotlegierungen und der Flussmittel entstehenden Lötrauche bestehen überwiegend aus ultrafeinen Partikeln (UFP), die sich aus unterschiedlichen Stoffen zusammensetzen.

In Tabelle 1 sind die relevanten Gefahrstoffe und deren Beurteilungsmaßstäbe, z. B. Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 [12], zusammengestellt.

Tabelle 1 Relevante Gefahrstoffe beim manuellen Kolbenlöten mit bleifreien Lotlegierungen, Beurteilungsmaßstäbe und Einstufung *

GefahrstoffeBeurteilungsmaßstäbeEinstufung nach CLP-Verordnung
Acetaldehyd91 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 1, =2= (I)
(Momentanwert + KZW)
Y
Entzündbare Flüssigkeiten, Kategorie 1; H224
Karzinogenität, Kategorie 2; H351
Augenreizung, Kategorie 2; H319
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3; H335
Acrylaldehyd0,2 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 2(I) (KZW)
H
Entzündbare Flüssigkeiten, Kategorie 2; H225
Akute Toxizität, Kategorie 1, Einatmen; H330
Akute Toxizität, Kategorie 2, Verschlucken; H300
Akute Toxizität, Kategorie 3, Hautkontakt; H311
Ätzwirkung auf die Haut, Kategorie 1B; H314
Gewässergefährdend, Akut Kategorie 1; H400
Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 1; H410
Butyraldehyd64 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 1(I) (KZW)
Entzündbare Flüssigkeiten, Kategorie 2; H225
Formaldehyd0,37 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 2(I) (KZW)
Sh,
Y,
X
Akute Toxizität, Kategorie 3, Einatmen; H331
Akute Toxizität, Kategorie 3, Verschlucken; H301
Akute Toxizität, Kategorie 3, Hautkontakt; H311
Ätzwirkung auf die Haut, Kategorie 1B; H314
Karzinogenität, Kategorie 1B; H350
Keimzellmutagenität, Kategorie 2; H341
Sensibilisierung der Haut, Kategorie 1; H317
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 1; H370
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3; H335
Glutaral
(Glutardialdehyd)
0,2 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 2(I) (KZW)
Y
Akute Toxizität, Kategorie 2, Einatmen; H330
Akute Toxizität, Kategorie 3, Verschlucken; H301
Ätzwirkung auf die Haut, Kategorie 1B; H314
Schwere Augenschädigung, Kategorie 1; H318
Sensibilisierung der Atemwege, Kategorie 1; H334
Sensibilisierung der Haut, Kategorie 1; H317
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3; H335
Gewässergefährdend, Akut Kategorie 1; H400
Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 2; H411
Kolophonium-Sensibilisierung der Haut, Kategorie 1; H317
Kupfer und seine Verbindungen0,01 mg/m3 (A) (MAK)
Überschreitungsfaktor 2 (KZW)
Entzündbare Feststoffe, Kategorie 1; H228
Gewässergefährdend, Akut Kategorie 1; H400
Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 3; H412
Propan-2-ol500 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 2(II) (KZW)
Y
Entzündbare Flüssigkeiten, Kategorie 2; H225
Augenreizung, Kategorie 2; H319
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3; H336
Propionaldehyd
(Propanal)
48 mg/m3 (LIG)Entzündbare Flüssigkeiten, Kategorie 2; H225
Akute Toxizität, Kategorie 4, Verschlucken; H302
Akute Toxizität, Kategorie 4, Einatmen; H332
Schwere Augenschädigung, Kategorie 1; H318
Spezifische Zielorgan-Toxizität (einmalige Exposition), Kategorie 3, H335
Reizwirkung auf die Haut, Kategorie 2; H315
Silber0,1 mg/m3 (E) (AGW)
Überschreitungsfaktor 8 (II) (KZW)
Gewässergefährdend, Akut Kategorie 1; H400
Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 1; H410
Alveolengängige Staubfraktion1,25 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 8 (II) (KZW)
 
Einatembare Staubfraktion10 mg/m3 (AGW)
Überschreitungsfaktor 2 (II) (KZW)
 
anorganische Zinnverbindungen8 mg/m3 Zinn(II)-Verbindungen (E) (AGW) bzw.
2 mg/m3 Zinn(IV)-Verbindungen (E) (AGW)
 
*

Mindesteinstufung bzw. Herstellerangaben - Quelle: www.dguv.de/ifa/stoffdatenbank

Erläuterungen

AGW:Arbeitsplatzgrenzwert (TRGS 900).
A:alveolengängige Staubfraktion.
CLP:Classification, labelling and packaging, Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen [13].
E:einatembare Staubfraktion.
KZW:Kurzzeitwert.
 Die Beurteilung von Expositionsspitzen erfolgt entsprechend TRGS 900; ihr Ergebnis wird als Überschreitungsfaktor (ÜF) ausgewiesen.
(I) bzw. (II):Kategorie (I) beziehungsweise Kategorie (II).
Momentanwert:Darf zu keinem Zeitpunkt überschritten werden.

Bei einigen Stoffen der Kategorie I wird sowohl ein 15-Minuten-Mittelwert als auch ein Momentanwert festgesetzt. In diesem Fall werden beide Überschreitungsfaktoren in der Spalte aufgeführt. Ein Eintrag von z. B. 2, =4= (I) bedeutet, dass die zweifache Arbeitsplatzgrenzwertkonzentration als Mittelwert über 15 Minuten einzuhalten ist und im gleichen Zeitraum die 4-fache Arbeitsplatzgrenzwertkonzentration zu keinem Zeitpunkt überschritten werden darf.

LIG:Liste Internationaler Grenzwerte (GESTIS) [14].
MAK:Maximale Arbeitsplatz-Konzentration nach MAK- und BAT-Werte-Liste der Deutschen Forschungsgemeinschaft [15].
H:hautresorptiv (TRGS 900).
Sh:hautsensibilisierende Stoffe.
X:krebserzeugender Stoff der Kategorie 1 A/1B.
Y:Risiko der Fruchtschädigung (TRGS 900).
H224:Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar.
H225:Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar.
H228:Entzündbarer Feststoff.
H300:Lebensgefahr bei Verschlucken.
H301:Giftig bei Verschlucken.
H302:Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
H311:Giftig bei Hautkontakt.
H314:Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
H315:Verursacht Hautreizungen.
H317:Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
H318:Verursacht schwere Augenschäden.
H319:Verursacht schwere Augenreizung.
H330:Lebensgefahr bei Einatmen.
H331:Giftig bei Einatmen.
H332:Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
H334:Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen.
H335:Kann die Atemwege reizen.
H336:Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
H341:Kann vermutlich genetische Defekte verursachen.
H350:Kann Krebs erzeugen.
H 351:Kann vermutlich Krebs erzeugen.
H 370:Schädigt die Organe.
H400:Sehr giftig für Wasserorganismen.
H410:Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
H411:Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.
H412:Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.