DGUV Information 213-030 - Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bis...

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Abschnitt 1.6, Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrsto...
Abschnitt 1.6
Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Titel: Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.6 – Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

1.6.1
Ersatzstoffe und Ersatzverfahren

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Unternehmer prüfen, ob nicht ein ungefährlicheres Ersatzprodukt, eine emissionsärmere Verwendungsform oder ein emissionsärmeres Verwendungsverfahren gewählt werden kann. Das Ergebnis der Prüfung ist zu dokumentieren. Die Entscheidung über die Verwendung eines Ersatzstoffes oder eines Ersatzverfahrens hängt von der gesundheitlichen Bewertung, der technischen Eignung und von betrieblichen Faktoren ab. Näheres regelt die TRGS 600 "Substitution". Die Entscheidung, welches Produkt im Einzelfall einzusetzen ist, bleibt grundsätzlich beim Unternehmer, der die Verantwortung für die durchgeführten Tätigkeiten hat.

An erster Stelle der Schutzmaßnahmen steht der Einsatz von Ersatzstoffen und Ersatzverfahren, die ein geringeres gesundheitliches Risiko aufweisen.

Bei der Suche nach Ersatzstoffen und Ersatzverfahren können weitere Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) der 600-Reihe hilfreich sein (siehe Anhang 1 Literatur).

Für Bauchemikalien wurde vom Gefahrstoffinformationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (GISBAU) eine Bewertung der Produkte unter dem Gesichtspunkt des gesundheitlichen Risikos vorgenommen. Dem Anwender wurde die Beurteilung jedes Einzelproduktes abgenommen, in dem Produkte mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung, ähnlichem Einsatzzweck und vergleichbarer Gefährdung in Produktgruppen zusammengefasst wurden. Diesen wurden Produkt-Codes zugewiesen, die eine Buchstaben-Zahlen-Kombination (Kennziffer) darstellen, die die Herstellerinformationen für den betrieblichen Anwender verständlicher machen und die Ersatzstoffsuche erleichtern sollen. Je höher die Kennziffer eines Codes ist, um so gefährlicher ist das Produkt (siehe Kapitel 2.3.1 Farben Lacke, Verdünner und Anhang 8 Übersicht der Produkt- und Giscodes).

1.6.2
Technische Schutzmaßnahmen

Technische Maßnahmen sind dann erforderlich, wenn Ersatzstoffe und Ersatzverfahren nicht zur Verfügung stehen oder nach Einführung von Ersatzstoffen und Ersatzverfahren weiterhin mit einem Freiwerden von Gefahrstoffen zu rechnen ist.

Zu den technischen Maßnahmen zählen z.B. der Einsatz geschlossener Anlagen, Punktabsaugungen mit Erfassungstrichter, Untertischabsaugungen oder Lüftung durch raumlufttechnische Anlagen.

Die Wirksamkeit der technischen Maßnahmen muss regelmäßig, mindestens jedoch alle drei Jahre, überprüft werden.

Hinweise auf erforderliche Lüftungs- und Absaugungsmaßnahmen werden im fachspezifischen Teil gegeben.

1.6.3
Organisatorische Maßnahmen

Grundsätzlich sind beim Umgang mit Gefahrstoffen folgende organisatorische Maßnahmen durchzuführen:

  • Am Arbeitsplatz ist darauf zu achten, dass nur die für den Fortgang der Arbeiten benötigten Gefahrstoffe bereitgestellt sind.

  • Gebinde sind stets verschlossen aufzubewahren.

  • Nicht mehr benötigte Gefahrstoffe sind sachgerecht zu entsorgen.

  • Verschüttete Gefahrstoffe sind mit geeigneten Absorptionsmitteln zu beseitigen. Hinweise hierzu gibt das Sicherheitsdatenblatt bzw. die Betriebsanweisung.

  • Einschränkung der Anzahl der Beschäftigten, die den Gefahrstoffen ausgesetzt sind.

  • Vermeidung der Exposition Unbeteiligter, z.B. durch Trennung gefahrstoffbelasteter Bereiche von anderen Bereichen.

  • Minimierung der Expositionszeiten, z.B. durch das Verlegen von Arbeiten, die mit einer hohen Gefahrstoffexposition verbunden sind, an das Schichtende.

  • Getrennte Aufbewahrung von Straßen- und Schutzkleidung sowie verschmutzter Arbeitskleidung, wenn hieraus eine Gefährdung durch Kontamination der Straßenkleidung entstehen kann.

Weitere Hinweise auf geeignete organisatorische Maßnahmen werden im fachspezifischen Teil gegeben.

Hygienische Maßnahmen

Grundsätzlich sind beim Umgang mit Gefahrstoffen folgende hygienische Maßnahmen einzuhalten:

  • In Arbeitsbereichen, in denen mit Gefahrstoffen umgegangen wird, darf nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden.

  • In den Räumen, in denen mit Gefahrstoffen umgegangen wird, oder in zumutbarer Entfernung, muss eine Waschgelegenheit (z.B. Waschbecken, Seifenspender und Papierhandtücher) vorhanden sein.

  • Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ist geeignete Arbeitskleidung (z.B. Arbeitsanzug oder Kittel) zu tragen. Für die Arbeits- und Straßenkleidung muss eine Aufbewahrungsmöglichkeit vorhanden sein.

  • Mit Gefahrstoffen verunreinigte Arbeitskleidung ist vor dem Betreten von Sozialräumen abzulegen.

1.6.4
Persönliche Schutzmaßnahmen

Persönliche Schutzausrüstung

Wenn trotz technischer und organisatorischer Maßnahmen eine Gefährdung der Mitarbeiter durch Gefahrstoffe nicht ausgeschlossen werden kann, müssen zusätzlich persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt und getragen werden. Das Tragen von belastender persönlicher Schutzausrüstung muss für den einzelnen Mitarbeiter minimiert werden. Unter belastender persönlicher Schutzausrüstung versteht man z.B. Atemschutzmasken oder flüssigkeitsundurchlässige Schutzhandschuhe.

Handschutz

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, bei denen mit Hautkontakt zu rechnen ist, müssen Schutzhandschuhe getragen werden. Die Auswahl des geeigneten Handschuhmaterials ist von den verwendeten Gefahrstoffen abhängig und muss daher auf den Einzelfall abgestimmt werden. Hinweise sind im fachspezifischen Teil zu finden.

Beschädigte oder anderweitig unbrauchbar gewordene Handschuhe dürfen nicht weiter verwendet werden und sind zu ersetzen.

Eine Hilfestellung zur Auswahl und Verwendung von Chemikalienschutzhandschuhen stellt die Information "Chemikalienschutzhandschuhe" (BGI/GUV-I 868) dar. Konkrete Hinweise finden sich auch in der GISBAU-Handschuhdatenbank, die Bestandteil von WINGIS ist, aber auch im Internet unter www.wingis-online.de zu finden ist.

Augenschutz

Besteht die Gefahr, dass bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit einer Gefährdung der Augen zu rechnen ist, so ist geeigneter Augenschutz zu tragen.

Bewährt haben sich Gestellbrillen mit Seitenschutz, Korbbrillen und Gesichtsschutzschirme. Im fachspezifischen Teil werden Tätigkeiten aufgeführt, bei denen Augenschutz getragen werden muss.

Atemschutz

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass Arbeitsplatzgrenzwerte überschritten werden können, ist geeigneter Atemschutz zur Verfügung zu stellen und zu tragen. Die Lager- und Standzeiten von Atemschutzfiltern sind hierbei zu beachten. Atemschutzgeräte sind in einem hygienisch einwandfreien Zustand zu halten.

Für Träger von Atemschutzgeräten sind unter bestimmten Bedingungen (Tragen von belastendem Atemschutz) arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben. Ob die erforderlichen Voraussetzungen hierfür gegeben sind, sollte in Absprache mit dem Betriebsarzt geklärt werden. Nicht erforderlich sind arbeits- medizinische Vorsorgeuntersuchungen bei gebläseunterstützten Atemschutzgeräten, weil diese nur einen sehr geringen Atemwiderstand aufweisen.

Hinweise zur Auswahl geeigneter Atemschutzgeräte und -filter sind in den Regeln "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR/GUV-R 190) enthalten.

Hautschutz

Bei der Arbeit auf dem Bauhof wird die Haut der Hände auf verschiedene Art und Weise belastet, z.B. durch:

  • Arbeiten im Freien unter besonderen Witterungsbedingungen,

  • Arbeiten mit abrasiv wirkenden Stoffen (z.B. Sand, Mineralwolle),

  • Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen (Wärme- und Feuchtigkeitsstau),

  • Tätigkeiten mit Lösemitteln bzw. lösemittelhaltigen Produkten,

  • Arbeiten mit Säuren und Laugen bzw. mit säure- oder laugenhaltigen Produkten.

Daher sind während der Arbeit geeignete Schutzmaßnahmen anzuwenden.

Es ist sinnvoll, für jeden Arbeitsbereich einen Handschuh- und Hautschutzplan zu erstellen, der für die verschiedenen Arbeiten die geeigneten Schutzhandschuhe sowie die Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel enthält. Es ist ratsam, den Hautschutzplan unter Mitwirkung des Betriebsarztes zu erstellen.

Hautschutzmittel

Hautschutzmittel sind Mittel, die vor einer hautbelastenden Tätigkeit auf die Haut aufgetragen werden und deren Schutzwirkung für die bestimmungsgemäße Anwendung nachgewiesen ist.

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist zu prüfen, ob der Einsatz von Hautschutzmitteln möglich ist. Die Anwendung von Hautschutzmitteln ist auf das Arbeitsverfahren abzustimmen, da diese Mittel bei bestimmten Arbeitsstoffen (z.B. polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Lösemitteln) zu einer verstärkten Aufnahme von Stoffen über die Haut führen können oder bei Anwendung fetthaltiger Hautschutzmittel unter Schutzhandschuhe, deren Schutzwirkung reduzieren können. Anhand der Kennzeichnung von Gefahrstoffen gibt die Tabelle in Anhang 9 Aufschluss, bei welchen Gefahrstoffen/Tätigkeiten der Einsatz von Hautschutzmitteln überhaupt möglich ist.

Hautschutzpräparate sollen die Barrierefunktion der Haut erhalten. Die meisten Hautschutzmittel wirken auf physikalische Weise, dem so genannten Löslichkeitsprinzip. Sie sollen eine schwer durchdringbare Schicht für den Hautschadstoff aufbauen. Die Hautschutzmittelhersteller müssen daher einen Wirksamkeitsnachweis für die vorgesehene Anwendung des Hautmittels erbringen.

Für verschiedene Anwendungsfälle werden Hautschutzmittel mit speziellen Wirkstoffen hergestellt. So sollen gerbstoffhaltige Hautschutzmittel den Hautproblemen beim Tragen luftundurchlässiger Schutzkleidung (z.B. Schutzhandschuhe) vorbeugen.

Zu den Hautschutzmitteln mit speziellen Wirkstoffen zählen auch die Lichtschutzmittel. Sie sind mit UV-reflektierenden Pigmenten wie z.B. Titandioxid oder Zinkoxid versetzt und verlängern die natürliche Eigenschutzzeit der Haut gegenüber UV-Strahlen. Lichtschutzmittel werden u.a. bei Aktivitäten im Freien unter Sonnenbestrahlung eingesetzt.

Bei der Auswahl von Hautschutzmitteln sind auch mögliche Gefährdungen, die vom Hautschutzmittel selbst ausgehen können, zu berücksichtigen, z.B. allergische Reaktion auf die Inhaltsstoffe von Hautschutzmitteln. Es sind vorzugsweise duftstoff- und konservierungsstofffreie Hautschutzmittel einzusetzen.

Bei der Suche nach Herstelleradressen sind die Informationen des Fachausschusses "Persönliche Schutzausrüstungen, Sachgebiet Hautschutz" hilfreich: www.dguv.de Webcode: d35733

Tipp:

  • Nur Hautschutzpräparate benutzen, für die ein Wirksamkeitsnachweis vorliegt!

Hautreinigungsmittel

Während der Arbeit sind die Hände mit schonenden, der Art der Verschmutzung angepassten Hautreinigungsmitteln zu reinigen. Daher ist die Verwendung spezieller Hautreinigungsmittel ratsam. Reinigungsmittel (z.B. Handwaschpasten), die neben waschaktiven Substanzen Reibe- oder gar Lösemittel enthalten, sollten nur dann verwendet werden, wenn dies unumgänglich ist. Angeboten werden gegenwärtig Handwaschpasten, die als Reibemittel Sand, Holzmehl, Kunststoffgranulate oder biologisch abbaubares Material (gemahlene Walnussschalen, Olivenkerne, Maiskolben etc.) enthalten. Sandhaltige Mittel sollten wegen des starken Abriebs (Beschädigung der obersten Hautschicht) nicht verwendet werden. Lösemittelhaltige Handreinigungsmittel sollten auf Grund der auf die Dauer hohen Hautbelastung nur dort verwendet werden, wo dies unumgänglich ist.

Tipp:

  • Lösemittel (Benzin, Nitroverdünnung etc.) auf keinen Fall zur Handreinigung verwenden!

Hautpflegemittel

Nach der Arbeit ist ein geeignetes Hautpflegemittel aufzutragen. Die Hautpflege dient der Regeneration der Haut. Die Auswahl der Hautpflegemittel ist von der beruflichen Belastung abhängig. Wichtigstes Kriterium ist der Fettanteil des Mittels. Wessen Haut durch die berufliche Tätigkeit stark ausgetrocknet und fettarm ist, benötigt ein Hautpflegemittel mit einem höheren Fettanteil als derjenige, dessen Haut nur gering belastet wird und nicht so stark ausgetrocknet ist.

Tipp:

  • Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege in einem Hautschutzplan festhalten!

  • Bei der Erstellung des Hautschutzplanes Betriebsarzt einbinden!

  • Bei Unverträglichkeiten gegenüber Hautschutzmitteln ist unbedingt der Betriebsarzt aufzusuchen!

Hygiene

Hautmittel sollten aus hygienischen Gründen den Beschäftigten in Spendern angeboten werden. Die Verwendung von Dosen, Tiegeln etc. führt allzu leicht dazu, dass der Inhalt verschmutzt und verkeimt. Aus diesem Grund dürfen auch Seifenstücke nicht von mehreren Personen verwendet werden. Zum Abtrocknen der Hände sollten vorzugsweise Einmalhandtücher zur Verfügung gestellt werden.