DGUV Information 213-030 - Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bis...

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Abschnitt 2.2, Gefahrstoffe im Außeneinsatz
Abschnitt 2.2
Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Titel: Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – Gefahrstoffe im Außeneinsatz

2.2.1
Bitumen, Bitumenmassen, Bitumenanstriche und Kaltbitumen

Bitumen sind schwarz bis dunkelbraun gefärbte, bei Raumtemperatur feste bis flüssige Stoffgemische. Sie bestehen hauptsächlich aus hochsiedenden Kohlenwasserstoffen. Bitumen werden für die vielfältigsten Anwendungsfälle, z.B. als Anstrichstoffe und Vergussmassen im Bautenschutz, aber hauptsächlich als Straßenbaumaterial eingesetzt. Auf Grund der unterschiedlichsten Anwendungsfälle existiert eine sehr große Produktpalette. Feste Bitumenprodukte benötigen je nach Bitumensorte eine Verarbeitungstemperatur von etwa 150 bis 230 C.

Bitumenanstriche, Bitumenmassen und sogenannte Kaltbitumenmischungen bestehen aus Bitumen und anderen Komponenten, z.B. Wasser oder organischen Lösemitteln, wobei der Lösemittelanteil zwischen 20 % und 70 % variieren kann.

Unterschied zwischen Bitumen und Teer

Bitumen und Teer unterscheiden sich wesentlich durch ihre Herkunft. Teer wird aus Steinkohle, Bitumen aus Erdöl gewonnen. Ausgangsmaterial und Herstellung bewirken stark unterschiedliche Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Für die Beurteilung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz wird das krebserzeugende Benzo(a)pyren als Leitkomponente der PAK‘s herangezogen. Im Bitumen liegen die Gehalte an Benzo(a)pyren um etwa den Faktor 1000 niedriger als in Teer. Deshalb werden heute nur noch Bitumenprodukte verwendet, auch wenn diese umgangssprachlich häufig noch als "Teer" bezeichnet werden.

Abb. 8 Straßenausbesserungsarbeiten mit Bitumen

Bei Tätigkeiten mit heißem Bitumen besteht vor allem Verbrennungsgefahr. Werden Dämpfe und Aerosole beim Verarbeiten eingeatmet, können diese bei entsprechender Konzentration zu Reizungen der Atemwege und der Augen führen.

Beim Einsatz von Kaltbitumen geht die Gefährdung in erster Linie vom Lösemittelanteil aus. Kaltbitumenmischungen sind überwiegend entzündlich.

Es sollten nach Möglichkeit Produkte mit möglichst geringem Lösemittelanteil verwendet werden. Das Lösemittel sollte dabei wiederum einen möglichst geringen Aromatenanteil aufweisen.

Für kaltverarbeitbare Produkte für die Bauwerksabdichtung wurde ein Produkt-/Giscode erarbeitet, der die Produktauswahl erleichtert. Anhang 8 enthält eine Übersicht der zugehörigen Produkt-/Giscodes.

Unabhängig vom gewählten Produkt reduziert eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes die Konzentration an Dämpfen in der Atemluft. Da Lösemitteldämpfe schwerer sind als Luft, muss bei Arbeiten in Gruben und Schächten für ausreichende Lüftung gesorgt werden!

Bei der Verarbeitung von lösemittelhaltigen Bitumenmassen sind Zündquellen fernzuhalten!

Je nach dem zu verarbeitendem Produkt und den örtlichen Verhältnissen ist persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Dies kann Augenschutz, Handschutz, Hautschutz, Atemschutz, Körperschutz und Fußschutz sein. Zum Beispiel muss beim Verarbeiten von lösemittelhaltigen Bitumenanstrichen unter Erdgleiche bei ungenügender Lüftung ein Atemschutzgerät mit einem Filter der Filterklasse A1P2 (braun/weiß) getragen werden. Bei Sauerstoffmangel (< 19 %) kann ein umgebungsluftunabhängiger Atemschutz erforderlich sein. Beim Umfüllen sind immer eine Schutzbrille und Handschuhe aus Nitrilkautschuk zu tragen.

Welche Schutzmaßnahme erforderlich ist, erfährt man z.B. aus dem Sicherheitsdatenblatt, das der Lieferant bzw. der Hersteller zur Verfügung stellen muss oder aus dem Gefahrstoff-Informationssystem WINGIS.

Tipp:

  • Lösemittel- und aromatenarme Bitumenemulsionen verwenden!

  • Bitumenprodukte mit möglichst niedriger Verarbeitungstemperatur einsetzen, dabei vorgeschriebene Temperatur einhalten!

  • Für gute Lüftung sorgen!

  • Hautkontakt vermeiden und Hautschutz betreiben!

2.2.2
Kaltfräsen von Verkehrsflächen

Beim Fräsen von Verkehrsflächen (aus Asphalt oder Beton) können Asbestfasern, quarzhaltige mineralische Feinstäube und andere Feinstäube freigesetzt werden.

Solange Fräsen mit nachgewiesener wirksamer Staubminimierung (z.B. durch Staubabsaugung) nicht oder in nicht ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, ist das Tragen von Atemschutz zwingend erforderlich (siehe TRGS 517 "Umgang mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen" sowie TRGS 559 "Mineralischer Staub").

2.2.3
Straßenmarkierungsfarben

Auf dem Markt befinden sich eine Vielzahl von Produkten mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Bindemittelsystemen. Unterschieden werden kann zwischen lösemittelhaltigen und lösemittelarmen bzw. -freien Ein- oder Mehrkomponentensystemen. Je nach Produkt und Bindemittelsystem resultieren verschiedene Gefährdungen bei der Verarbeitung.

Bei stark lösemittelhaltigen Straßenmarkierungsfarben gehen die Gefährdungen hauptsächlich vom Lösemittel, z.B. Aceton, Ethylacetat oder Toluol aus. Diese Stoffe sind leichtentzündlich und bilden Dämpfe, die im Gemisch mit Luft explosionsfähig sind. Außerdem können diese Stoffe akute Rauschzustände verursachen und bei längerer Einwirkung das Nervensystem sowie Leber und Nieren schädigen.

Zweikomponentenprodukte bestehen aus einer stechend riechenden Flüssigkeit (z.B. Methylmethacrylat, 2-Ethylhexylacrylat, n-Butylacrylat) und dem Härter (z.B. Dibenzoylperoxid). Die Gesundheitsgefahren gehen überwiegend von den Acrylaten aus, die zu Allergien der Haut und der Atemwege führen können. Darüber hinaus sind diese Produkte leichtentzündlich.

Bei den lösemittelarmen Straßenmarkierungsfarben geht die Gesundheitsgefährdung vom Bindemittel aus. Einkomponentensysteme auf wässriger Basis haben sich nicht nur hinsichtlich ihres geringen Gefährdungspotentials, sondern auch in der praktischen Anwendung bewährt. Der frühere Nachteil des vergleichsweise langsamen Trocknens besteht nicht mehr. Durch eine Nachbehandlung im gleichen Arbeitsgang liegen die Trocknungszeiten unter denen der lösemittelhaltigen Produkte. Die Abhängigkeit von der Witterung ist daher ähnlich wie bei den lösemittelhaltigen Produkten. Produkte auf wässriger Basis sind nicht entzündlich.

Der Zulieferer ist daraufhin anzusprechen, welche Gesundheitsgefährdung beim Verarbeiten des ausgewählten Produkts besteht. Sicherheitsdatenblätter liefern Informationen dazu. Dem Produkt mit der geringsten Gefährdung ist aus sicherheitstechnischer Sicht der Vorzug zu geben. So sollten z.B. möglichst lösemittelfreie Produkte verwendet werden, da die Produktqualität inzwischen mit der lösemittelhaltiger Produkte vergleichbar ist.

Aus dem Sicherheitsdatenblatt kann das geeignete Material für die Schutzhandschuhe entnommen werden. Bei den genannten Lösemitteln wird in der Regel ein Nitrilhandschuh empfohlen.

Tipp:

  • Lösemittelfreie Markierungsfarben verwenden!

  • Hautkontakt vermeiden!

  • Hautschutz betreiben!

2.2.4
Streustoffe

Als Streustoffe werden Splitt, Granulat oder Sand ("abstumpfende Streustoffe") sowie Salze (Natrium-, Calcium-, Magnesiumchlorid) und deren Lösungen ("auftauende Streustoffe") eingesetzt. Gefährdungen sind dabei insbesondere durch Salzstäube und Solenebel bekannt geworden.

Die belästigende bis reizende Wirkung der Salze und ihrer konzentrierten Lösungen, die sich in Brennen der Haut, Schleimhäute und Augen äußern kann, beruht dabei hauptsächlich auf ihrer austrocknenden Wirkung. "Wasserfreies" Calciumchlorid kann darüber hinaus basische Anteile enthalten, welche die reizende Wirkung verstärken (konzentrierte Lösungen weisen einen pH-Wert von ca. 11,5 auf). Dies kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Calciumchloridsole im Bauhof durch Lösen wasserfreien Calciumchlorids bereitet wird, wobei unter Umständen erhebliche Salzstaubmengen freigesetzt werden.

Tipp:

  • Fertige Solelösungen beziehen und einsetzen!

Abb. 9 Streuguthalle mit Salzförderband

Eine Gefährdung der Haut bzw. der Augen durch die Solelösungen kann auch beim Betanken der Fahrzeuge auftreten. Daher ist die wichtigste Schutzmaßnahme beim Umgang mit Salzen bzw. deren Lösungen das Tragen von Schutzhandschuhen, z.B. aus Nitril- oder Butylkautschuk und das Betreiben von intensivem Hautschutz (siehe Kapitel 1.6.4). Lederhandschuhe sind nicht geeignet, da diese durch das Salz verhärten.

Bei starker Staubentwicklung - insbesondere beim Einsatz von "wasserfreiem" Calciumchlorid, aber auch beim Betanken mit Solelösung - ist gegebenenfalls eine Korbbrille zu tragen.

2.2.5
Zemente und zementhaltige Zubereitungen

Zement und zementhaltige Zubereitungen finden in der Bauunterhaltung vielfältigen Einsatz. Hierzu gehören Mörtel, Kleber- und Spachtelmassen. Zement und zementhaltige Zubereitungen sind Auslöser für eine der häufigsten Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft, die Maurerkrätze, auch als Zementekzem bekannt. Dieses kann als irritatives oder allergisches Ekzem auftreten.

Abb. 10 Lager für Zement und zementhaltige Zubereitungen

Die irritativen Zementekzeme werden durch die chemischen Eigenschaften (Alkalität) des Zementes, die Austrocknung und die dauernde mechanische Beanspruchung der Haut (Reibung durch die Staubpartikel) verursacht.

Neben dem irritativen Ekzem gibt es auch allergische Ekzeme, wobei der eigentliche Auslöser des Ekzems lösliche Chrom(VI)-Verbindungen im Zement sind. Aufgrund der hohen Erkrankungszahlen durch die löslichen Chrom(VI)-Verbindungen und der verhältnismäßig einfachen Möglichkeit, diese aus dem Zement zu eliminieren, ist seit 2005 das Herstellen und Inverkehrbringen von Zementen und zementhaltigen Zubereitungen mit mehr als 2 mg/kg löslicher Chrom(VI)-Verbindungen (bezogen auf den Zement und die Trockenmasse) verboten.

Bei Verwendung dieser Zemente sollte bei den Verarbeitern keine Allergie gegen lösliche Chrom(VI)-Verbindungen auftreten.

Allerdings sind auch chromatfreie Zemente und zementhaltige Verbindungen nicht ungefährlich. Beim Zusatz von Wasser zum Zement bildet sich eine stark alkalische Lösung. Diese führt bei Hautkontakt zu Reizungen und in einigen Fällen auch zu Verätzungen. Daher müssen immer Schutzhandschuhe (Nitrilkautschuk) getragen werden. Problematisch sind auch Spritzer in die Augen, die zu Hornhautschäden führen.

Hautschutz und Hautpflege schützen gegen Austrocknung und mechanische Beanspruchung.

Tipp:

  • Chromatarme Zemente verwenden!

  • Hautkontakt vermeiden!

  • Hautschutz und Hautpflege betreiben!

2.2.6
Gefahrstoffe bei Abbruch- und Isolierarbeiten

2.2.6.1
Asbest

In der Vergangenheit wurde Asbest wegen seiner hervorragenden chemischen und physikalischen Eigenschaften in einer Vielzahl von Produkten, insbesondere im Bau, eingesetzt. Man unterscheidet zwischen fest gebundenen und schwach gebundenen Asbestprodukten.

Fest gebundene Asbestprodukte zeichnen sich aus durch einen hohen Anteil an Bindemitteln und einen Asbestanteil von 10 bis 15 %. Fest gebundene Asbestprodukte wurden im Baubereich wie folgt eingesetzt:

  • Dacheindeckungen,

  • Fassadenverkleidungen,

  • Wasser, Abwasserrohre,

  • Lüftungsrohre,

  • Fensterbänke,

  • Fußbodenbeläge (Floor-Flex-Platten),

  • Asbesthaltige Magnesiaestriche.

Schwach gebundene Asbestprodukte zeichnen sich aus durch einen geringen Anteil an Bindemitteln und einen Asbestanteil von > 60 %. Da in diesen Produkten Asbest nicht ausreichend gebunden ist, ist durch äußere Einflüsse, z.B. Erschütterungen oder Alterung der Produkte, eine Freisetzung möglich. Schwach gebundene Asbestprodukte wurden eingesetzt in:

  • Spritzasbest und asbesthaltiger Spritzputz, z.B. als Hitzeschutz bei Bauwerken in Stahlskelettbauweise,

  • Asbesthaltige Leichtbauplatten,

  • Asbesthaltige Fußbodenbeläge (PVC-Beläge mit asbesthaltiger Trägerschicht = Cushioned Vinyl (CV)-Bodenbeläge),

  • Asbestpappen, Asbestmatten,

  • Brandschutzklappen und Füllungen von Brandschutztüren,

  • Flachdichtungen in Heizungsanlagen, Dichtungsschnüre,

  • Nachtstromspeichergeräte.

Eher unbekannt ist die Anwendung von Asbest als Füllstoff in:

  • Farben,

  • Klebern,

  • Mörtel/Putz,

  • Fugenmassen,

  • Spachtelmassen,

  • Isolierungen,

  • Flexplatten.

Wegen seiner erheblichen Gesundheitsgefährdung darf Asbest heute nicht mehr verwendet werden. Asbest ist beim Menschen eindeutig als krebserzeugend eingestuft. Tätigkeiten mit Asbest sind nur noch zulässig, wenn es sich um Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) handelt. Gerade bei diesen Arbeiten kann es bei einer sorglosen Tätigkeit zu erheblichen Asbestfaserfreisetzungen kommen, so dass Mitarbeiter und Dritte gefährdet werden können.

Müssen ASI-Arbeiten durchgeführt werden, so sind die Vorgaben der TRGS 519 "Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" strikt zu befolgen. Diese Technische Regel enthält Schutzmaßnahmen nach einem Stufenkonzept, wobei folgende Gefährdungsstufen zu unterscheiden sind:

  1. 1.

    Arbeiten mit geringer Exposition,

  2. 2.

    Arbeiten geringen Umfangs,

  3. 3.

    Umfangreiche Arbeiten mit und ohne Begrenzung der Konzentration.

ASI-Arbeiten sind der zuständigen Behörde anzuzeigen, wobei auch die Sachkunde nachzuweisen ist. ASI-Arbeiten dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, deren personelle und sicherheitstechnische Ausstattung für diese Tätigkeiten geeignet ist.

Bauhofmitarbeiter dürfen allenfalls Arbeiten mit geringer Exposition durchführen. Bei Arbeiten mit geringer Exposition (1) handelt es sich um Arbeitsverfahren, die aufgrund repräsentativer Messergebnisse geprüft und bewertet worden sind. Bei Anwendung dieser geprüften (standardisierten) Verfahren geringer Exposition ist sichergestellt, dass bei strikter Einhaltung der Arbeitsanweisungen die Exposition der Arbeitnehmer unter 15.000 F/m3 liegt und bei Arbeiten in Innenräumen die Räume nach Abschluss der Arbeiten nicht kontaminiert sind.

Die Arbeitsausführung darf nur durch fachkundige und besonders eingewiesene Personen erfolgen. Im Betrieb muss ein sachkundiger Verantwortlicher (absolvierter Kurzlehrgang nach Anlage 5 der TRGS 519) vorhanden sein. Zur Unterweisung müssen Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung vorliegen. Eine ständige Beaufsichtigung der Arbeiten vor Ort ist nicht erforderlich. Der Sachkundige kann auch für räumlich voneinander getrennte Arbeitsbereiche zuständig sein und diese beaufsichtigen. Dies bedeutet nicht, dass keine qualifizierte Aufsicht vor Ort sein muss. Eine in das Verfahren eingewiesene Aufsicht muss immer vorhanden sein.

Geprüfte Verfahren werden in Form einer Arbeitsvorschrift in der BGI 664 im Internet veröffentlicht. (www.dguv.de Webcode: d3418)

Einige Beispiele sind:

  • für den Ausbau von Vinyl-Asbestbodenplatten (BT 11),

  • für den Ausbau von CV-Bodenbelägen (BT 15),

  • zum Trennen von AZ-Rohren (BT 3),

  • zum Anbohren von AZ-Wasserrohrleitungen (BT 1),

  • zum Bohren von Gerüstverankerungen (BT 12),

  • für die Reinigung und Beschichtung von Asbestzementfassadenplatten (BT 19),

  • für den Ausbau von asbesthaltigem Fugenkitt (Morinol) (BT 20),

  • für das Bohren von Löchern in Fußböden mit asbesthaltigem Estrich unter Verwendung einer speziellen Absaugvorrichtung (BT 23),

  • für das Entfernen von fest gebundenen asbesthaltigen Bodenplatten in Netzstationen/-anlagen (BT 24).

Die geprüften Verfahren gelten jeweils nur für den beschriebenen Anwendungsfall und bei konsequenter Einhaltung der jeweiligen Arbeits- bzw. Verfahrensbeschreibung. So ist z.B. das geprüfte Verfahren zum "Ausbau von Vinyl-Asbestplatten" (auch "Flexplatten" genannt) nur anwendbar, wenn die Platten auf Bitumenkleber geklebt sind.

Bei Anwendung geprüfter Verfahren geringer Exposition können Erleichterungen in Anspruch genommen werden. So ist eine einmalige Mitteilung des Bauhofes spätestens sieben Tage vor Aufnahme der Arbeiten gemäß Anhang I Nr. 2.4.2 GefStoffV/ TRGS 519 Nr. 3.2 an die zuständige Behörde und den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zu richten. Außerdem kann von Forderungen nach

  • dem Tragen von Atemschutzgeräten bzw. Chemikalienschutzanzügen,

  • der Bereitstellung einer Dusche,

  • arbeitsmedizinischen Pflichtuntersuchungen,

  • der Errichtung einer Abschottung des Arbeitsbereichs und

  • der Durchführung von Freigabemessungen

abgesehen werden.

Vom Arbeitgeber ist Atemschutz bereitzustellen, um bei Störfällen umgehend und angemessen reagieren zu können. Außerdem soll den Arbeitnehmern die Möglichkeit gegeben werden, sich individuell zu schützen.

Tipp:

  • ASI-Arbeiten von Fachfirmen mit Sachkundenachweis durchführen lassen!

2.2.6.2
Künstliche Mineralfasern

Im Bereich der Wärmedämmung werden Mineralwolle-Dämmstoffe als Ersatz für Asbestprodukte eingesetzt. Mineralwolle-Dämmstoffe enthalten zu mind. 90 % künstliche Mineralfasern (KMF). Beim Verarbeiten von Mineralwolle-Dämmstoffen im Zuge von Demontage-, Abbruch-, Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten können Fasern freigesetzt werden, die in die Lunge gelangen können. Ebenso können durch die Fasern mechanische Hautreizungen auftreten, die einen unangenehmen Juckreiz hervorrufen.

Bei den sog. "alten" Mineralwolle-Dämmstoffen, die vor 1996 eingebaut wurden, muss von einem Krebsverdacht ausgegangen werden. Der Verdacht kann nur durch den Einzelnachweis des Herstellers widerlegt werden.

"Neue" Mineralwolle-Dämmstoffe müssen den "Freizeichnungskriterien" der Gefahrstoffverordnung entsprechen und gelten somit als "frei von Krebsverdacht". Der Hersteller von Mineralwolle-Dämmstoffen muss dazu Angaben im Sicherheitsdatenblatt machen. Seit 01. Juni 2000 dürfen nur noch "neue" Mineralwolle-Dämmstoffe verarbeitet werden, die nach Gefahrstoffverordnung als unbedenklich gelten. Diese Produkte sind aus Gründen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes mit dem "RAL-Gütezeichen" gekennzeichnet.

Müssen von Beschäftigten auf Bauhöfen "alte" Mineralwolle-Dämmstoffe ausgebaut werden, sind die Schutzmaßnahmen nach der TRGS 521 "Faserstäube" zu ergreifen.

Auf eine detaillierte Beschreibung der Schutzmaßnahmen wird wegen des Umfangs an dieser Stelle verzichtet. Weitere Informationen hierzu sind in der Information "Umgang mit Mineralwolle-Dämmstoffen (Glaswolle, Steinwolle)" (GUV-I 8593) enthalten.

Beim Umgang mit "neuen" Mineralwolle-Dämmstoffen sind folgende Mindestmaßnahmen zu ergreifen:

  • Vorkonfektionierte Produkte verwenden.

  • Verpackte Produkte erst am Einbau-Ort auspacken. Material nicht werfen.

  • Keine schnell laufenden Maschinen (Sägen) ohne Absaugung verwenden.

  • Auf fester Unterlage mit einem Messer schneiden, nicht reißen.

  • Nicht mit Druckluft abblasen. Staubsaugen statt kehren.

  • Körperbedeckende Arbeitskleidung tragen (vor allem Nacken schützen).

  • Schutzhandschuhe aus chromatfreiem Leder oder nitrilgetränkter Baumwolle verwenden.

  • Bei starker Staubentwicklung Atemschutz mit P1-Filter oder FFP1-Maske tragen.

  • Bei Überkopfarbeiten und starker Staubentwicklung Korbbrille tragen.

  • Hautschutz betreiben.

  • Abfälle in geschlossenen Behältnissen (Tonnen, Plastiksäcken) einsammeln.

  • Für gute Durchlüftung sorgen. Staubaufwirbeln vermeiden.

2.2.6.3
Mineralischer Staub

Beim mechanischen Bearbeiten von Asphalt, Beton und mineralischen Putzen wird üblicherweise quarzhaltiger Feinstaub freigesetzt. Je nach Tätigkeit entstehen hohe quarzhaltige Feinstaubkonzentrationen. Tätigkeiten mit quarzhaltigem Feinstaub sind als krebserzeugend eingestuft. Aus diesem Grund gilt das Minimierungsgebot in besonderer Weise und es sind besondere Schutzmaßnahmen zu treffen. Hinweise zu Maschinen und Geräten mit geringer Staubentwicklung sind auf der Homepage von GISBAU (www.gisbau.de) unter "Weniger Staub am Bau" enthalten.

Hohe Staubkonzentrationen entstehen z.B.:

  • beim Abschlagen von Putz in Innenräumen,

  • bei Tätigkeiten mit Mauernutfräsen und Putzfräsen in Innenräumen,

  • bei Verdichtungsarbeiten handgeführter Maschinen in Abhängigkeit der Feuchte des zu verdichtenden Materials,

  • beim Abfräsen von Asphalt ohne wirksame Absaugung,

  • beim Anrühren von mineralischen pulverförmigen Produkten.

Unzulässig sind folgende Tätigkeiten:

  • Pflasterarbeiten mit trockenem Schneiden ohne wirksame Absaugung!

  • Pflasterarbeiten mit nassem Schneiden im Umlauf ohne ausreichenden Austausch des Wassers.

Wie kann man sich schützen?

Staub ist durch richtiges Verhalten und Beachtung folgender Regeln weitgehend vermeidbar:

  1. 1.

    Staubarme Materialien verwenden!

    Anstelle anmischbarer pulvriger Massen Granulate oder fertig angemischte Mörtel/Spachtelmassen auswählen (siehe "Staubarme Produkte" in Anhang 10).

  2. 2.

    Staubarme Verfahren anwenden!

    Möglichst Nass- oder Feuchtbearbeitungsverfahren anwenden.

  3. 3.

    Staub unmittelbar an der Entstehungsstelle absaugen!

    Bei Trennschleifern, Schlitz- und Putzfräsen oder Schleifgeräten nur geprüfte Systeme verwenden (siehe "Staubarme Bearbeitungssysteme" in Anhang 10).

  4. 4.

    Maschinen und Geräte zur Stauberfassung regelmäßig prüfen und warten!

    Filter und Absaugleistung kontrollieren.

  5. 5.

    Staub mit Wasser niederschlagen!

    Zum Beispiel bei Abbrucharbeiten.

  6. 6.

    Arbeitsplätze, Arbeitsräume regelmäßig reinigen!

    Staubsauger oder Kehrsaugmaschinen benutzen, nicht trocken kehren oder abblasen.

  7. 7.

    Staubaufwirbelung oder Staubausbreitung verhindern!

    Staubablagerungen oder Schutt sofort beseitigen.

Lassen sich aus arbeitstechnischen Gründen die oben aufgeführten Maßnahmen nicht realisieren, sind persönliche Schutzausrüstungen zu benutzen:

  • Bei staubintensiven Tätigkeiten Schutzkleidung (z.B. Overall) tragen und getrennt von der Arbeitskleidung aufbewahren.

  • Atemschutz verwenden (Partikelfilter P2 oder partikelfiltrierende Halbmasken FFP2).

Tipp:

  • Staubarme Materialien verwenden!

  • Staubfreisetzung minimieren!