DGUV Information 209-015 - Instandhaltung – sicher und praxisgerecht durchführen...

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Abschnitt 1, 1 Arbeitssicherheit und Instandhaltung
Abschnitt 1
Instandhaltung – sicher und praxisgerecht durchführen (DGUV Information 209-015)
Titel: Instandhaltung – sicher und praxisgerecht durchführen (DGUV Information 209-015)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-015
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1 – 1 Arbeitssicherheit und Instandhaltung

Die Zahl der Unfälle bei Instandhaltungsarbeiten ist extrem hoch. Das liegt insbesondere daran, dass bei Instandhaltungsarbeiten ein hohes Gefährdungspotential vorliegt. Viele Verantwortliche in den Betrieben halten dieses Gefährdungspotential für naturgegeben. Aus diesem Grund werden Gefährdungen nur zum Teil reduziert, obwohl eine Reduzierung in großem Umfang möglich wäre.

Diese Broschüre soll im ersten Schritt dazu beitragen, das Gefährdungspotential für Instandhaltungsarbeiten zu erkennen. Im zweiten Schritt sollen die beschriebenen Hilfen dazu anleiten, die Gefährdungen für das Instandhaltungspersonal zu reduzieren. Die folgenden Anregungen können dazu beitragen, dass die hohe Zahl der Unfälle in einem Unternehmen sinkt.

Die Broschüre behandelt relevante Gefährdungen, die sich auf das Instandhaltungspersonal auswirken und die besonderen Gefährdungen, die sich im Rahmen der Instandhaltungsarbeiten ergeben. Sie richtet sich an alle Beschäftigten, die Instandhaltungsarbeiten durchführen.

Instandhaltung umfasst, gemäß DIN 31.051 und DIN EN 13.306, die Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen sowie Maßnahmen des Managements über den gesamten Lebenszyklus einer Einheit, die dem Erhalt oder dem Wiederherstellen des funktionsfähigen Zustands dienen, sodass die geforderte Funktion erfüllt werden kann.

Die Grundmaßnahmen der Instandhaltung sind:

  • Wartung

  • Inspektion

  • Instandsetzung

  • Verbesserung

Die Wartung fasst alle Maßnahmen zusammen, die dem Erhalt der Funktion dienen und den Abbau des vorhandenen Abnutzungsvorrats verzögern. Die Inspektion beinhaltet alle Maßnahmen zur Festlegung und Beurteilung des Ist-Zustands und jene Maßnahmen, die dazu dienen, die Ursachen der Abnutzung zu bestimmen und die notwendigen Konsequenzen für eine künftige Nutzung einzuleiten. Unter Instandsetzung versteht man Maßnahmen zur Wiederherstellung der Funktion einer fehlerhaften Einheit.

Die Verbesserung ist eine Kombination aus technischen, administrativen und aus Maßnahmen des Managements. Sie umfasst die Steigerung der Zuverlässigkeit oder der Sicherheit einer Einheit, ohne die Grundfunktionen zu verändern (siehe DIN 31.051 und DIN EN 13.306).

Abb. 1-1 Definition der Instandhaltung mit jeweils zwei Beispielen

Die besonders hohe Gefährdung für das Instandhaltungspersonal erfolgt unter anderem durch:

  • mangelnde organisatorische Vorbereitung

  • mangelnde technische Vorbereitung

  • schwierige Umgebungsbedingungen

  • unabsichtliches Auslösen von Steuerelementen

  • Inspektion an laufenden Maschinen

  • Arbeiten mit gefährlichen Arbeitsstoffen

  • durch fehlende Unterweisung oder Arbeitspläne

  • Improvisation

  • Arbeiten unter Zeitdruck

  • Arbeiten bei ausgeschalteten Schutzeinrichtungen

Abb. 1-2 Besondere Gefährdung des Instandhaltungspersonals

Die besondere Gefährdung des Instandhaltungspersonals dokumentiert sich in der hohen Zahl der Unfälle während der Instandhaltungsarbeiten. Nach den neusten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ereignen sich pro Jahr etwa 470 tödliche Arbeitsunfälle. Etwa 25 % dieser Unfälle ereignen sich bei Instandhaltungsarbeiten - das ist mehr als jeder fünfte Unfall. In der gesamten Herstellung sind weniger tödliche Unfälle registriert worden (siehe Abbildung 1-3).

Abb. 1-3 Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen

In vielen Betrieben macht das Instandhaltungspersonal nur 5-10 % der gesamten Produktionsbelegschaft aus. Der Anteil in einigen mittelständischen Betrieben liegt bei 2 % und weniger. Das bedeutet grob geschätzt, dass die Unfallquote für Beschäftigte in der Instandhaltung rund 10 bis 20 Mal so hoch liegt wie für das Fertigungspersonal.

Etwa 44 % der tödlichen Unfälle während der Instandhaltungsarbeiten werden durch Quetschungen an laufenden Maschinen verursacht. Auf die Vermeidung dieser Unfälle wird in Kapitel 3 eingegangen. Weitere etwa 28 % der Unfälle geschehen durch Abstürze von Arbeitsplätzen und beim Zugang zu den Arbeitsplätzen. Diese Art der Unfälle wird in Kapitel 4 behandelt. Welche Möglichkeiten es gibt, Verbrennungen und Vergiftungen auszuschließen, wird in Kapitel 5 beschrieben. Der elektrische Schlag als Unfallursache fällt unter "sonstige Ursachen". Die Problematik der Elektroarbeiten wird in Kapitel 6 behandelt.