News  Arbeitssicherheit  

Wirtschaftlicher Ansporn verbessert Risikoprävention am Arbeitsplatz

Finanzielle Anreize bieten zahlreiche EU-Mitgliedstaaten Unternehmen, die in die Sicherheit ihrer Arbeitnehmer investieren.


Neu veröffentlichte Ergebnisse aus der Forschungsarbeit der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) belegen: Systeme für wirtschaftliche Anreize, durch die Unternehmen Anreize erhalten, in die Risikoprävention zu investieren, sind eine kostenwirksame Option für den Staat, die Zahl der arbeitsbedingten Unfälle und Krankheiten zu verringern. Der Bericht der EU-OSHA über wirtschaftliche Anreize wurde jüngst auf der Konferenz der Internationalen Vereinigung für Arbeitsmedizin (IOHA) zum Thema Gesundheit, Arbeit und soziale Verantwortung vorgestellt.

Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten bieten Unternehmen, die in die Sicherheit ihrer Arbeitnehmer investieren, bereits verschiedene Arten finanzieller Anreize. Diese Anreize können von niedrigeren Versicherungsprämien, staatlichen Subventionen und Beihilfen bis hin zu steuerlichen Förderungen und Vorzugskonditionen für Bankdarlehen reichen, in deren Genuss die am besten abschneidenden Unternehmen kommen.

Drei der im Rahmen des Projekts beleuchteten 14 Fallstudien lieferten genügend Daten zur Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse. Alle drei Fallstudien hatten eine positive Rendite von 1,01 bis 4,81 EUR pro investierten Euro zur Folge. Die quantitativen Kriterien umfassten Unfallquoten, Krankenstand und die allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Anreizsystem senkt Unfallquote um 28 Prozent

Beispielsweise führte ein im Jahr 2002 im deutschen Fleischerhandwerk eingeführtes Anreizsystem innerhalb der folgenden sechs Jahre zu einem Rückgang der meldepflichtigen Arbeitsunfälle von 28 % im Vergleich zu einem Rückgang von 16 % im gesamten Sektor. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass in Unternehmen, die Anreize erhielten, 1000 Unfälle weniger pro Jahr verzeichnet wurden.

Nach Aussage des Direktors der EU-OSHA Jukka Takala hat das Projekt der wirtschaftlichen Anreize bereits verschiedene EU-Mitgliedstaaten dazu ermutigt, voneinander zu lernen und gute praktische Lösungen bei der Gestaltung von Anreizsystemen auszutauschen. Alles in allem gehe aus dem Bericht hervor, dass wirtschaftliche Anreize in allen Mitgliedstaaten wirksam sein könnten, und zwar unabhängig von den großen Unterschieden bei den Sozialversicherungs- und Unfallversicherungssystemen in den verschiedenen Staaten.

Infolge des Projekts hat das italienische Arbeiterunfall-Versicherungsinstitut INAIL ein neues Anreizsystem entwickelt, in das die Erfahrungen und guten praktischen Lösungen anderer Staaten eingeflossen sind und das somit auf dem besten international verfügbaren Wissen basiert. Mit einem Budget von über 60 Mio. EUR richtet sich das INAIL-System speziell an kleine und mittlere Unternehmen, und laut Schätzungen der Experten könnte dieses Anreizsystem einen gesellschaftlichen Nutzen von 180 Mio. EUR bringen.

Verordnungen allein reichen nicht

Der neue Bericht der EU-OSHA spiegelt das wachsende Interesse an wirtschaftlichen Anreizen als Mittel zur Motivation von Unternehmen wider, in die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu investieren. Zunehmend macht sich die Erkenntnis breit, dass die Durchsetzung von Verordnungen allein nicht ausreicht, wenn die EU das in ihrer Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz festgelegte Ziel, die Gesamtheit der Arbeitsunfälle um 25 % zu verringern, erreichen will.

Der Bericht der EU-OSHA enthält eine Auswertung der bisherigen Forschungsarbeiten über wirtschaftliche Anreize, einen Überblick über die auf Anreizsysteme bezogene Regierungspolitik in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten und eine Sammlung von Fallstudien, aus denen hervorgeht, wie Anreize in den verschiedenen europäischen Ländern sowie in den vielfältigen Sektoren eingesetzt wurden. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit der verschiedenen Anreizsysteme bewertet, und es werden eine Reihe von Erfolgsfaktoren genannt.

Der Bericht sowie ein Factsheet in 22 Sprachen sind im neuen Webportal zu wirtschaftlichen Anreizen verfügbar: http://osha.europa.eu/de/topics/economic-incentives.

Quelle: Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz,
http://osha.europa.eu/de

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeitssicherheit

Alle Beiträge

Exklusive Produktempfehlungen aus unserem umfangreichen Online-Shop

Lexikon Explosionsschutz Dr. Dyrba

Lexikon Explosionsschutz
von Dr.-Ing. Berthold Dyrba

Wichtige Begriffe des Explosionsschutzes und angrenzender Bereiche

Ca. 2.300 Begriffe zum Explosionsschutz und verwandten Themen, wie z. B. Normung, Gefahrstoffe, Betriebs-, Geräte- und Produktsicherheit.
2. Auflage 2009

Zum Produkt
Arbeitsstättenverordnung

Arbeitsstättenverordnung
von Dr. jur. Kurt Kreizberg

mit Technischen Regeln für Arbeitstätten (ASR) und weiteren Rechtsvorschriften
ca. 600 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit

Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit
von Wolfram Weinmann / Hans-Peter Thomas / Dr. Helmut A. Klein

Vorschriftensammlung mit Kommentierung und EU-Verordnungen
Zweibändige Ausgabe mit CD-ROM
1. Auflage 2005
ca. 1300 Seiten, Loseblattwerk mit CD-ROM
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
CHV-16 Betriebssicherheitsverordnung

CHV 16, Betriebssicherheitsverordnung
von Carl Heymanns Verlag (Hrsg.)

10. Auflage 2017
ca. 284 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt