News  Arbeitssicherheit  

Trotz neuer TRBA 250: Infektionsrisiken immer noch Alltag in der Altenpflege

Im März 2014 wurde die TRBA 250 überarbeitet mit dem Ziel auch Beschäftigte in Altenpflegeeinrichtungen stärker vor Verletzungen durch scharfe Gegenstände zu schützen. Sehr wirksam waren die geforderten Maßnahmen bislang nicht, belegt eine aktuelle Umfrage.


Hohes Infektionsrisiko durch Stichverletzungen

Nadelstiche oder Schnittverletzungen können schwerwiegende Folgen haben, wenn sie zu einer Übertragung von gefährlichen Infektionserregern beitragen. Daher soll die TRBA 250 »Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege« Beschäftigte auch in der ambulanten und stationären Altenpflege vor einer infektiösen Verletzung schützen, indem sie Arbeitgeber dazu verpflichtet, angemessene Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise durch den Einsatz von Instrumenten mit Sicherheitsmechanismus. Dafür war die TRBA 250 eigens im März 2014 überarbeitet worden. Erschien dieser Ansatz in der Theorie als sinnvoll, erwies er sich in der Praxis bislang als nicht sehr wirkungsvoll. Das zumindest legen die Ergebnisse einer aktuellen Befragung von 336 Mitarbeitern in der Altenpflege durch die Initiative Safety First! nahe.

Denn laut der Umfrage hat sich über die Hälfte der befragten Pflegekräfte bereits an einem spitzen oder schwarfen medizinischen Instrument verletzt. Weniger als ein Drittel gab an, dass bei ihrer Tätigkeit Instrumente mit Sicherheitsmechanismus zur Nutzung kommen. Zugleich sind sich die meisten Umfrageteilnehmer (84,62 Prozent) darüber im Klaren, dass derartige Präventionsmaßnahmen das Verletzungsrisiko enorm verringern können. Nahezu alle Befragten (94,1 Prozent) sind sich der Infektionsmöglichkeit mit Hepatitis B und C oder HIV bewusst.

Die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen ist schwierig

Den Grund für den mangelnden Einsatz von Instrumenten mit Sicherheitsmechanismus erklärt die Umfrage mit der Schwierigkeit bei der praktischen Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. So gaben 66,9 Prozent der befragten Pflegekräfte an, die Auswahl der Instrumente gar nicht beeinflussen zu können, da sie von Hausärzten der Patienten vorgegeben wären - und diese hätten das Sicherheitsbedürfnis der Pflegekräfte nicht im Blick. Oft verzichten diese auf die Verschreibung von sicheren Instrumenten. Insofern haben Pflegeheimbetreiber in der Praxis laut der Untersuchung nur eingeschränkte Möglichkeiten, Verletzungsrisiken für ihre Mitarbeiter effektiv zu reduzieren.

Nachholbedarf in der Altenpflege

Für Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes, ist das Ergebnis der Umfrage ein klares Anzeichen für einen großen Nachholbedarf in der Altenpflege »Während sich die Sicherheitsstandards für Arbeitskräfte in allen anderen Bereichen der medizinischen Versorgung während der letzten Jahre laufend verbessert haben, besteht in der Altenpflege weiterhin erheblicher Nachholbedarf.« Neben schärferen Kontrollen durch die zuständigen Gewerbeaufsichtsämter oder den Medizinischen Dienst der Krankenkassen sei es notwendig, die Verordnungspraxis mit den arbeitsrechtlichen Anforderungen an Heimbetreiber abzustimmen.

Quelle/Text: Safety First!, Redaktion arbeitssicherheit.de
Foto: © Kurt Kleemann - Fotolia.com


Neu gefasst. Lesen Sie auch »Änderungen in der TRBA 250« >>

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeitssicherheit

Alle Beiträge

Exklusive Produktempfehlungen aus unserem umfangreichen Online-Shop

Lexikon Explosionsschutz Dr. Dyrba

Lexikon Explosionsschutz
von Dr.-Ing. Berthold Dyrba

Wichtige Begriffe des Explosionsschutzes und angrenzender Bereiche

Ca. 2.300 Begriffe zum Explosionsschutz und verwandten Themen, wie z. B. Normung, Gefahrstoffe, Betriebs-, Geräte- und Produktsicherheit.
2. Auflage 2009

Zum Produkt
Arbeitsstättenverordnung

Arbeitsstättenverordnung
von Dr. jur. Kurt Kreizberg

mit Technischen Regeln für Arbeitstätten (ASR) und weiteren Rechtsvorschriften
ca. 600 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit

Gefahrstoffrecht und Chemikaliensicherheit
von Wolfram Weinmann / Hans-Peter Thomas / Dr. Helmut A. Klein

Vorschriftensammlung mit Kommentierung und EU-Verordnungen
Zweibändige Ausgabe mit CD-ROM
1. Auflage 2005
ca. 1300 Seiten, Loseblattwerk mit CD-ROM
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt
CHV-16 Betriebssicherheitsverordnung

CHV 16, Betriebssicherheitsverordnung
von Carl Heymanns Verlag (Hrsg.)

10. Auflage 2017
ca. 284 Seiten
Carl Heymanns Verlag

Zum Produkt