Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Retrofit: Aus alt mach’ sicher

Ältere Maschinen sind in ihrer Grundsubstanz oft noch in Ordnung, entsprechen aber nicht mehr den aktuellen Bestimmungen. Ein sogenannter Retrofit hilft nicht nur Kosten sparen, sondern bringt eine bewährte Maschine wieder auf den neuesten Stand der Sicherheitstechnik. Retrofit-Experten stellen Ihnen das Konzept vor und verdeutlichen es Ihnen anhand eines konkreten Beispiels.


Wenn Maschinen veralten

Wenn eine Maschine in die Jahre kommt, denkt man daran, alte Teile auszutauschen. Aber nicht immer entspricht die komplette Maschine danach noch den neuesten Sicherheitsanforderungen. Und auch Energieeffizienz sowie Produktivität sind nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik.

Doch ist der Neukauf einer Maschine nicht in jedem Fall von Vorteil. Denn neben den Anschaffungskosten spielt auch die Lieferzeit eine wesentliche Rolle. Da kann sich die Runderneuerung, kurz Retrofit, durchaus lohnen. Er ist mehr als nur der Austausch von alten Teilen, weil ein tiefgreifender Eingriff beziehungsweise Umbau in die Maschinenstruktur oder -steuerung erfolgen kann.

Aber wie steht es mit der Sicherheit einer Maschine nach dem Retrofit? Was sagt der Begriff aus - vor allem in Bezug auf die Sicherheitsbestimmungen? Ein Beispiel soll den Umfang eines Retrofits in Verbindung mit dem Sicherheitsaspekt verdeutlichen.

Presse druckfrisch

Oft sind ältere Pressen noch mit einer konventionellen Schutztechnik ausgerüstet, die zwar damals auf dem neuesten Stand der Technik war, aber mittlerweile nur noch ein ungenaues Arbeiten zulässt. Auch verhindert eine veraltete Technik ein präziseres und damit sicheres Anfahren der definierten Position. Hier sind Abweichungen im Millimeterbereich keine Seltenheit. Dadurch ist die Drucksteuerung oft ungenau, was unter anderem ein erhöhtes Sicherheitsrisiko birgt.

Bei Pressen umfasst der Retrofit in erster Linie den Austausch der Steuerung. Hinzu kommen meist noch eine moderne Lichtschranke, ein Wegemesssystem, ein (analoger) Drucksensor und ein hydraulisches Proportionalventil. Sämtliche sicherheitsrelevanten Funktionen einer im Sinne des Retrofit überholten Hydraulikpresse überwacht und steuert dann ein konfigurierbares System. Vom Anbieter Pilz aus Ostfildern gibt es dazu beispielsweise das »Pnozmulti«. Es überwacht: Not-Halt, Betriebsartenanwahl und sichere Zweihand-Bedienung, die Lichtschranke, den Pressendruck sowie die Feinpositionierung über ein integriertes Wegemesssystem.

Verschleißanfällige Hardware wird überflüssig

Dadurch entfallen die früher eingesetzten Auswertegeräte, da das System alle Sensoren direkt über die Sicherheitseingänge schaltet. Moderne Geräte decken dabei Sicherheitsanforderungen bis Kat. 4 nach EN 954-1 beziehungsweise PL e nach EN ISO 13849-1 ab. Da alle Steuerungsbefehle über die Elektronik und Sensoren laufen, gibt es hier keine Hardware mehr, die verschleißen kann - ein weiterer Sicherheitsaspekt.

Ein sicheres Arbeiten gemäß Normen ist damit nach dem Umbau beziehungsweise Retrofit möglich. Zum Beispiel kann bei retrofitteten Pressen der Betriebsartenwahl-Schalter nicht mehr ohne weiteres betätigt werden, da nur der komplette Stopp der Presse noch einen Betriebsarten-Wechsel zulässt. Betätigt man unter einer neuen, sicheren Steuerung den Wahlschalter während des Arbeitsvorganges, stoppt die Presse sofort. Bei älteren Maschinen besteht hier die Gefahr des »Weiterfahrens«.

Die (Rechts-)Sicherheit von Retrofit-Maschinen und ihre Überprüfung behandelt der nächste Teil dieses Beitrags.

Autor: Dipl.-Ing. Guido Matthes

Maschinensicherheit: Lesen Sie auch »Best-of: Neues zum Thema Maschinenrichtlinie«>>


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