Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Mehr Sicherheit durch Assistenzsysteme

Arbeitsunfälle ereignen sich häufig aufgrund von Verstößen gegen geltende Sicherheitsvorschriften. Helfen könnten Assistenzsysteme. Sie sorgen durch Beeinflussung des Verhaltens für mehr Sicherheit.


Zur Förderung von mehr Sicherheit bei der Arbeit hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Möglichkeiten sogenannter persuasiver Technologien untersucht. Gemeint sind damit Assistenzsysteme, die das Verhalten von Nutzern beeinflussen. Dabei gibt ein System Anwendern Hinweise und Rückmeldungen. Dadurch lenkt es das Verhalten des Nutzers in die richtige Richtung. Das Gute daran: Geben Technologien dem Beschäftigten Rückmeldungen, wirkt sich dies positiv auf das Sicherheitsverhalten aus. Das zeigen erste Laboruntersuchungen. Darüber hinaus hat die optische Gestaltung von Rückmeldungen weiteren Einfluss auf das Verhalten. Die Ergebnisse hat die BAuA in dem Forschungsbericht »Sicher und gesund durch persuasive Technologien?« veröffentlicht.

Sicherheitsregeln und Fehlverhalten

Willkürlich verstößt kein Mitarbeiter gegen bestehende Sicherheitsregeln. Meistens sind es die äußeren Umstände, die zu einem Fehlverhalten führen. Dies kann beispielsweise eine erhöhte Arbeitsintensität sein. Manchmal sind es aber auch für eine Aufgabe ungeeignete Arbeitsmittel. Sind diese nicht dazu geeignet, eine Tätigkeit sicher und effizient zu bearbeiten, sind Sicherheitsrisiken die Folge. Denn: Stehen Aufgabe und Sicherheitsregel im Konflikt zu einander, fällen viele Beschäftigte bewusst die Entscheidung, einige der Regeln zu missachten. Insbesondere bei Arbeiten mit schwerem Gerät oder mit gefährlichen Stoffen kann dies bei einem Unfall zu schwerwiegenden Verletzungen führen. Das BAuA-Projekt befasst sich aus diesem Grund näher mit persuasiven Technologien und wie diese Verstöße gegen Sicherheitsregeln verringern können.

Bei persuasiven Assistenzsystemen geht es vor allem um eine Beeinflussung des Verhaltens durch Rückmeldung. Solche Systeme leisten Überzeugungsarbeit. Sie arbeiten nicht mit Zwang oder Drohung – auch noch mit Belohnung. Es gibt zwei wesentliche Methoden von persuasiven Assistenzsystemen, auf die sich die BAuA bei ihren Untersuchungen konzentriert hat. Es gibt die Strategie des Feedbacks – die Versuchsperson erhält direktes Feedback zu ihrem Verhalten. Der Nachteil dabei: Die Feedbackmethode ist in der Praxis sehr aufwendig. Der Grund: Das Verhalten von Beschäftigten muss erfasst und bewertet werden. Zum Test der Praxistauglichkeit hat die Untersuchung in einem zweiten Versuch Erinnerungshinweise gegebenen. Nutzer erhielten während der Arbeitsschritte Hinweise zu erforderlichen Maßnahmen.

Optische Erinnerungshinweise

Das Ergebnis der Untersuchung: Persuasive Botschaften können Verstöße verringern und sicherheitsgerechtes Verhalten fördern. Die Feedbackmethode bewirkt im Vergleich zu Erinnerungshinweisen eine dauerhafte Wirkung. Probanden, die Rückmeldungen erhielten, verstießen wesentlich seltener gegen aufgestellte Regeln. Ein weiterer Aspekt: die optische Gestaltung von Botschaften. Diese hat einen großen Einfluss auf das Verhalten. Zur Förderung sicheren Verhaltens eignen sich Formate wie Ampel oder animierte virtuelle Agenten besser als bloße Textbotschaften. Kommen persuasive Technologien im Betrieb zum Einsatz, sind vor allem ethische Aspekte zu berücksichtigen. So muss die verhaltensbeeinflussende Kommunikation ethisch vertretbar sein sowie den Grundsätzen Wahrheit und Angemessenheit folgen. Schließlich gilt es, nicht vertretbare Manipulation des Verhaltens auszuschließen. Darüber hinaus sind datenschutzrechtliche Grundsätze bei der Verhaltenserfassung zu beachten. Darunter fallen Freiwilligkeit und Zweckgebundenheit der Datenerhebung. Gleiches gilt für Transparenz über Umfang und Verwendung der Daten.

Quelle/Text: BAuA, Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)
Foto: © Alterfalter – stock.adobe.com

Stand: Juni 2017

Industrie 4.0: Lesen Sie auch »Moderne Arbeitswelt: Auswirkungen auf den Arbeitsschutz« >>

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