Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Neue Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit

Ab September 2019 findet das neue Ausbildungskonzept für die Fachkraft für Arbeitssicherheit Anwendung.
Foto: © nd3000 - stock.adobe.com

Der Arbeitsschutz gewinnt zunehmend an Komplexität. Die Aufgaben erfordern neben reinem Fachwissen weitere Kompetenzen. Aus diesem Grund gestaltet sich das Ausbildungskonzept zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) zukünftig neu.

Aktualisierung der bisherigen Ausbildungsinhalte und moderne didaktische Lernmethoden – so kündigt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die Weiterentwicklung der Ausbildung von Sifas an. Aktuell existieren zwei unterschiedliche Ausbildungssysteme: eines für den öffentlichen Sektor und eines für den gewerblichen Bereich. Zukünftig gibt es nur noch ein System, beide bisherigen Ausbildungssysteme werden zusammengelegt.

Stärkere Förderung von Kompetenzen

Mit dem neuen Ausbildungskonzept greift die DGUV insbesondere die immer komplexer werdenden Aufgaben des betrieblichen Arbeitsschutzes auf. Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) setzt das neue Konzept schon ab September 2019 um und gibt vorweg schonmal eine Einschätzung. »Reines Fachwissen allein reicht nicht mehr«, sagt Torsten Gläser, Referatsleiter Angebotsentwicklung bei der BGHW. Eine Sifa brauche vielmehr auch Kompetenzen in der Beratung und Unterstützung des Arbeitgebers. Dabei komme es unter anderem auf Kommunikationsfähigkeit, Lösungsorientierung und Überzeugungskraft an. Ebenfalls spiele die innere Haltung eine Rolle. »Es muss die Bereitschaft da sein, sich den komplexen Aufgaben des betrieblichen Arbeitsschutzes zu stellen«, meint Gläser. Eine Sifa müsse Spaß daran haben, Probleme anzugehen und sie zu lösen. Diese Punkte greift das neue Ausbildungskonzept auf und fördert erforderliche Kompetenzen stärker.

Weniger Frontalunterricht, mehr Selbstverantwortung

Neben dem stärkeren Fokus aus Kompetenzen bei den Lerninhalten, sieht das neue Ausbildungskonzept eine Anpassung der didaktischen Lernmethoden vor. Einen klassischen Unterricht, bei dem jemand vorne steht und den Teilnehmern strikt nach Lehrplan Inhalte vorträgt, wird es wohl kaum mehr geben. Stattdessen steht bei dem neuen Konzept eigenverantwortliches Lernen im Mittelpunkt. Der Grund: Die eigenen Kompetenzen entwickeln sich dadurch besser weiter. Eine weitere Besonderheit ist, dass schon während der Ausbildung ein Fokus darauf liegt, das Erlernte in der betrieblichen Praxis anzuwenden.

Die BGHW sieht in diesen Spielräumen den Vorteil erfolgreichen und nachhaltigen Lernens. Zudem steigere der Ansatz die Motivation, wenn Teilnehmer sich bereits in der Ausbildungsphase mit Praxisproblemen beschäftigen und sie lösen. Vollkommen selbstüberlassen beim Lernen ist dennoch niemand. Erfahrene Arbeitsschutzexperten und Lernbegleiter unterstützen den Prozess. Ihre Rolle und Aufgaben unterscheiden sich jedoch deutlich von denen eines klassischen Dozenten. Zukünftig geht es um zielgerichtete Unterstützung beim Kompetenzerwerb anstelle ausschließlich Fachwissen und Fertigkeiten zu vermitteln.

Die Dauer der Sifa-Ausbildung bleibt unverändert. Sie dauert - wie bisher - bis zu drei Jahre. Der Ablauf der weiterentwickelten Ausbildung zur Sifa sieht folgende Lernfelder vor:

•    Einführung in die Ausbildung
•    Arbeitssystem und betriebliche Organisation
•    Beurteilung von Arbeitsbedingungen
•    Arbeitssystemgestaltung
•    Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation
•    Branchenspezifischer Teil

Die Teilnehmer erarbeiten sich Inhalte in Präsenzseminaren, durch selbstorganisiertes Lernen und betriebliche Praktika.

Übergangszeit des Ausbildungskonzeptes

Jeder Lehrgangsveranstalter kann eigenständig entscheiden, ab wann er komplett auf das neue Ausbildungskonzept umstellt. Somit ist von einer Übergangszeit auszugehen, bei der Teilnehmer sowohl das bisherige oder das neue Modell wählen können. Die BGHW startet beispielsweise im September 2019 den Pilotkurs, bietet aber die bisherige Ausbildung parallel vorerst weiter an.

Ausbildungsinteressierte haben die Qual der Wahl, sich zwischen beiden Ausbildungskonzepten zu entscheiden. Jeder kann - zumindest in der Übergangszeit - für sich selbst entscheiden, welches Modell besser zu ihm und seinem Lernverhalten passt. Zwar sind beide Konzepte vom Umfang her gleich, aber bei dem aktuellen System sind Teilnehmer eher als Einzellerner unterwegs, wohingegen das neue Konzept auf Austausch untereinander ausgerichtet ist.

Wichtig zu wissen: Wer nach dem bisherigen Konzept seine Ausbildung absolviert, benötigt keine Nachschulung oder Auffrischung. Absolventen beider Kurse sind gleichermaßen ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Quelle/Text: BGHW, DGUV, Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Zukunftsaussichten: Lesen Sie auch »Fachkräftemangel: Wie steht es um Arbeitssicherheitsberufe?« >>

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