Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Krank zur Arbeit: Ein Risiko für sich und andere

Wer krank zur Arbeit geht, gefährdet nicht nur sich selbst!
Foto: © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

In der kalten Jahreszeit kämpfen viele mit Erkältungen und grippalen Infekten. Oftmals schleppen sich Beschäftigte krank zur Arbeit. Das hat nicht nur Folgen für die Gesundheit, sondern kann sich auch negativ auf die Arbeitssicherheit im Betrieb auswirken.

Schnupfen, Kratzen im Hals, Unwohlsein: Das sind meistens die ersten Symptome für eine Erkältung oder einen grippalen Infekt. Besonders im Herbst und Winter ist dies keine Seltenheit. Gerade bei Atemwegserkrankungen ist für eine rasche Genesung oftmals Bettruhe sinnvoll. Aber auch andere Erkrankungen wie Rückenleiden oder hohe psychische Belastung erfordern manchmal eine krankheitsbedingte Auszeit vom Job – eigentlich.

Mehrheit geht krank zur Arbeit

Doch mehr als zwei Drittel der Beschäftigten hierzulande gehen trotz Krankheit zur Arbeit. Das zeigt die repräsentative Befragung »DGB-Index Gute Arbeit« des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Demnach hat knapp die Hälfte der Arbeitnehmer sogar eine Woche und mehr krank gearbeitet. Ähnliche Ergebnisse liefert eine repräsentative Umfrage der Schwenniger Krankenkasse: 83 Prozent der Beschäftigten kommen oft zur Arbeit, obwohl es ihnen gesundheitlich nicht gut geht. Die Krankenkassen-Studie zeigt regionale Unterschiede. So gibt es die meisten »Krankarbeiter« in Bayern (90%). Weniger sind es hingegen in östlichen Bundesländern, wobei auch dort der Wert mit 76 Prozent immer noch hoch ist.

Wer trotz Krankheit auf Anwesenheit am Arbeitsplatz setzt, den kennzeichnet unter Umständen der sogenannte Präsentismus – also das Gegenteil von Absentismus. Der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge gibt es für Präsentismus keine einheitliche Definition. Darüber hinaus gebe es noch keine Handlungskonzepte zum Umgang damit. Dies liege unter anderem daran, dass Präsentismus im Vergleich zu ärztlichen Krankschreibungen noch nicht regelmäßig erfasst werde. Warum Beschäftigte mit einer Erkältung, mit Schmerzen oder anderen Erkrankungen ihren Arbeitsplatz aufsuchen, könne verschiedene Gründe haben.

Fest steht jedoch, dass es ihn gibt. »Präsentismus ist in unserer Gesellschaft mittlerweile weiter verbreitet als Absentismus, also das absichtliche Blau machen im Job«, sagt Dr. Tanja Katrin Hantke, Gesundheitsexpertin der Schwenninger Krankenkasse. Dies bestätige auch deren Studie. Lediglich 18 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen zwölf Monaten an mindestens einem Tag den Job geschwänzt zu haben. In Anbetracht derjenigen, die trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen, ist diese Zahl sehr gering.

Gefahren für Gesundheit und Arbeitssicherheit

Allem Anschein nach wirkt sich Präsentismus für Arbeitgeber positiv aus. Schließlich haben Beschäftigte, die krank ihren Arbeitsplatz aufsuchen, weniger Fehltage – so zumindest die Annahme. Doch das ist ein Trugschluss. Durch Fehlzeiten bedingte Kosten belaufen sich pro Mitarbeiter jährlich schätzungsweise auf rund 1.200 Euro. Doppelte Kosten – also 2.400 Euro jährlich pro Mitarbeiter – entstehen, wenn jemand krank zur Arbeit geht. Diese Kostenschätzung macht eine Studie der Felix Burda Stiftung, durchgeführt von dem Beratungsunternehmen Booz & Company.

Der Grund für die Mehrkosten: Einerseits kommt es zu krankheitsbedingten Produktivitätsverlust, andererseits führt eine verschleppte Krankheit zu einem längeren Ausfall. Darüber hinaus können kranke Beschäftigte andere Kollegen anstecken, sodass sich Fehlzeiten und somit Kosten multiplizieren. Grundsätzlich gelten Beschäftigte, die eine Erkrankung auskurieren, als langfristig gesünder.

Wer sich krank zur Arbeit schleppt, gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der anderen sowie die Arbeitssicherheit. Krankheitsgefühl und Erschöpfung wirken sich negativ auf die Konzentration aus. Die Folge können Arbeitsunfälle sein. Darüber hinaus fördert dieses Verhalten eine Art Präsenskultur im Krankheitsfall. Kollegen können sich unter Druck gesetzt fühlen, ebenfalls krank zur Arbeit  zu erscheinen. »Hier bedarf es einer klaren Ansage durch die Chef-Etage«, sagt Hantke. »Wer krank ist, hat zu Hause zu bleiben. Auch Homeoffice ist dann tabu.« Pflichtgefühl werde an dieser Stelle falsch interpretiert.

Quelle/Text: BAuA, DGB, Felix Burda Stiftung, Schwenninger; Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Stand: November 2018

Klimatisierung: Lesen Sie auch: »Richtig lüften in Herbst und Winter« >>

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