Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Energieeffizienz: »Es besteht nach wie vor großer Handlungsbedarf«

Das Bewusstsein kleiner und mittelgroßer Unternehmen für den eigenen sparsamen Energieverbrauch ist in den letzten Jahren gewachsen. Trotzdem wird nicht das volle Potenzial ausgeschöpft, sagt Energieexperte Dr. Martin Streibel. Was dabei helfen kann verrät er arbeitssicherheit.de im Interview.


arbeitssicherheit.de: Gehen Unternehmen nach den vielen Energiedebatten der letzten Jahre heute effizienter mit Energie um?

Dr. Martin Streibel: In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für einen effizienten Umgang mit Energie in den vergangenen Jahren gestiegen - nicht zuletzt aufgrund der höheren Energiekosten. Mit Blick auf die Umsetzung konkreter Maßnahmen besteht aber nach wie vor großer Handlungsbedarf, da Einsparpotenziale oft noch immer nicht systematisch gehoben werden.

Ist das Thema Energieeffizienz auch bei den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) angekommen? Wo liegen mögliche Hemmnisse oder Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen?

Auch kleine und mittlere Unternehmen haben sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Thema Energieeffizienz auseinandergesetzt. Bei der Umsetzung ergibt sich gegenüber Großunternehmen aber ein anderes Bild: In den kleineren Betrieben stehen Investitionen in Energieeffizienz nach wie vor in Konkurrenz zu anderen Ausgaben, die das eigentliche Kerngeschäft betreffen.

In einer solchen Situation entscheiden sich viele Unternehmen dann dazu, Investitionen in Energieeffizienz zurückzustellen - obwohl sich gerade diese Ausgaben nach unseren Erfahrungen in kurzer Zeit durch eingesparte Energiekosten amortisieren können. Daneben fehlt es in vielen Unternehmen oftmals auch an personellen Kapazitäten oder entsprechendem fachlichen Know-how zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen.

Welche Rolle spielt für KMU der Einkauf externer Energiedienstleistungen wie Energieberatung, Energiemanagement oder auch Energie-Contracting?

Bislang spielt Energie-Contracting in KMU eher eine untergeordnete Rolle - dasselbe gilt im Übrigen für das Thema Energiemanagement, wo wir ebenfalls noch mehr Potenzial sehen. Beim Thema Energieberatung hat sich in den vergangenen Jahren spürbar mehr getan - nicht zuletzt durch den Sonderfonds Energieeffizienz der KfW, der verstärkt durch die Unternehmen nachgefragt wurde.

Was raten Sie einem mittelständischen Betrieb, der heute in das Thema Energieeffizienz einsteigen will?

Wichtig ist es, sich zunächst einen systematischen Überblick über Energieverbräuche und -kosten im eigenen Unternehmen zu verschaffen - zum Beispiel in Form eines Energiecontrollings. Hierbei sollten Unternehmen prüfen, ob sie die Kriterien für eine durch die KfW geförderte Initialberatung durch einen Energieberater erfüllen. Alternativ kann auch der eigene Energieberater angefragt werden, ob er für eine Beratung zur Verfügung steht.

Hat man sich einen Überblick über die größten Energieverbraucher im eigenen Unternehmen verschafft, geht es daran, die Einsparpotenziale im Detail zu analysieren und Maßnahmen zur Optimierung zu entwickeln. Hierbei können Unternehmen bei Bedarf die Unterstützung eines Energieberaters in Anspruch nehmen. Das ist vor allem dann ratsam, wenn im Unternehmen eigenes Know-how zur Planung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen fehlt.

Interview: Dr. Friedhelm Kring

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