Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Betrieblicher Umweltschutz

Die Aufgabe ist extrem komplex. Wer im Unternehmen für den Umweltschutz Sorge zu tragen hat, muss die gesamten organisatorischen wie technischen Prozesse und den umweltrechtlichen Rahmen im Betrieb überblicken. Er muss mehrere Gesetze, eine Vielzahl einzelner Paragrafen, deren Änderungen, die dazugehörigen Verordnungen und etliche Leitlinien verfolgen. Wer im Unternehmen für Arbeitssicherheit sorgt, erledigt Aufgaben im Umweltschutz gleich mit - etwa den Umgang mit Gefahrstoffen, die Überprüfung ortsveränderlicher elektrischer Geräte oder die betriebliche Notfallvorsorge.

Prinzipiell fordern die jeweiligen Umweltgesetze bestimmte Beauftragte - für den Abfall, den Immissionsschutz, für Störfälle, Gewässerschutz, Gefahrgüter oder den Strahlenschutz. Es ist aber gesetzlich nicht vorgeschrieben, einen speziellen Umweltschutzbeauftragten zu ernennen.

Best Practise beim Automobilzulieferer

Armin Eckert, Leiter HSE und Riskmanagement beim Automobilzulieferer TMD Friction EsCo in Essen, beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Optimierung des betrieblichen Umweltschutzes. Nach seiner Erfahrung ist der Einstieg zunächst einmal gar nicht so schwierig. »Werden die ersten Maßnahmen im Unternehmen zum Schutz der Mitarbeiter und der Umwelt eingeführt, bringen diese meist schon einen deutlichen Verbesserungseffekt.« Weitaus schwieriger ist es, die Hebelwirkung durch kleinere oder größere Einzelmaßnahmen danach noch zu steigern. Eckert: »Die ersten 80 % Sparpotenzial sind schnell zu erzielen. Schwierig wird es hingegen, auf 95 % zu kommen.«

Eigene Abteilung bei den Stadtwerken Karlsruhe

Daran arbeitet auch Markus Schleyer. Er ist mit dem Umweltschutz bei den Stadtwerken Karlsruhe beauftragt. Schleyer nennt mehrere Erfolge seiner Tätigkeit: »Wir konnten beispielsweise den Papierverbrauch im Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich senken.« Einfaches Beispiel: Musste früher noch jede Kundenrechnung in einem Ordner händisch abgeheftet werden, so speichert diese nun eine spezielle Software elektronisch ab.

Das spart nicht nur den Rohstoff Papier, sondern dem Mitarbeiter auch Wege. »Bei Rückfragen musste die Rechnung früher in einer anderen Abteilung in einem Ordner eingesehen werden. Das bedeutete: Der Mitarbeiter ging dorthin, blätterte den Schriftverkehr durch und kehrte dann wieder an seinen Arbeitsplatz zurück. Falls weitere Fragen zum Auftrag folgten, musste der Kollege vielleicht wieder aufstehen, blättern und an seinen Arbeitsplatz zurückmarschieren. Heute erscheint die Rechnung ganz einfach auf seinem Rechner«, sagt Schleyer.

Umweltmanagement mit System

Der Einstieg in den betrieblichen Umweltschutz kann über kleinere Veränderungen laufen, um Energie zu sparen oder den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Doch Firmen, die ein effizientes System erreichen wollen, streben ein Zertifikat an. Womit betrieblicher Umweltschutz im Unternehmen standardisiert und sukzessive aufgebaut werden kann:

Die Umweltnorm DIN EN ISO 14001

Dabei handelt es sich um eine weltweit anerkannte Umweltmanagementnorm der Industrie, die bestimmte Anforderungen an das System festlegt. Um das Zertifikat zu erhalten, sind bestimmte Verfahren einzuführen und umzusetzen - etwa zur Aufbau- und Ablauforganisation, der Bewertung von Umweltaspekten, der Notfallvorsorge oder zu internen Audits.

EMAS (Eco Management and Audit Scheme)

Allein die internen Verfahren einzuführen, sollte jedoch nicht Sinn und Zweck des Umweltmanagementsystems sein - es geht eigentlich darum, weit mehr zu erreichen. Unternehmen, die eine Validierung nach der Europäischen EMAS-Verordnung erhalten verpflichten sich zur Einhaltung der einschlägigen Rechtsvorschriften und bekennen sich zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung.

EMASeasy

Eine schlanke, für kleine und mittlere Betriebe konzipierte und praxiserprobte Methodik heißt EMASeasy.

Ökoprofit

Ökoprofit versteht sich als ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik. Bei Ökoprofit kooperieren Kommunen mit den Unternehmen in ihrer Region. Ähnlich wie bei EMASeasy gehören verschiedene Workshops, in denen sich die Geschäftsleute austauschen, zum Konzept. Ziel ist es, Netzwerke zu bilden.

Tipp: Suchen Sie sich Kooperationspartner!

Mit Kollegen - auch aus anderen Branchen - Erfahrungen auszutauschen, ist für einen Beauftragten im Umweltschutz extrem wichtig. Denn oft finden andere Betriebe Lösungen, die sich übertragen lassen. Vielfach fehlen im eigenen Haus auch Ansprechpartner. Dazu dienen dann zum Beispiel die von Unternehmensberatern organisierten Konvois.

Aber auch der bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management e.V. ist dafür eine Adresse. Der Verein arbeitet bereits seit 25 Jahren für vorsorgenden Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften. B.A.U.M. engagiert sich als ein Informations-, Beratungs- und ein Kontaktnetzwerk für Unternehmen. Es ist mit aktuell über 500 Mitgliedern die größte Umweltinitiative der Unternehmen in Europa.

Autor: Klaus Manz

Dies ist eine Kurzfassung: Den vollständigen Artikel finden Sie im arbeitsicherheit.journal 1.2010. Hier in der Bibliothek anmelden und weiterlesen >>

Betriebsverfassungsgesetz: Mehr zum Thema »Arbeits- und betrieblicher Umweltschutz« finden Sie hier >>

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