Fachbeitrag  Arbeitssicherheit  

Arbeitssicherheit spielerisch verbessern

Beim Thema Arbeitssicherheit setzt die Dänische Bahn auf den gesunden Menschenverstand. Stetig arbeitet sie an der Verbesserung der Arbeitssicherheit - auch mit unkonventionellen Mitteln. Etwa mit einem Kartenspiel. Auf diese Weise kommen sogar sensible Themen auf den Tisch.


Das Ziel der Dänischen Bahn (DSB) in Bezug auf Sicherheit ist es, Zugunfälle zu vermeiden und potentielle zukünftige Auswirkungen gering zu halten. Deshalb ist es der DSB wichtig, trotz hochentwickelter Systeme und einer immer besser werdenden Überwachung, stetig an der menschlichen Seite der Arbeitssicherheit zu arbeiten. Kurz: eine Kultur der Arbeitssicherheit zu schaffen.

Stärken der Sicherheitskultur

»Während unsere Sicherheitssysteme immer besser werden, verursachen Menschen immer mehr Unfälle. Deshalb müssen wir stetig daran arbeiten, die Kultur hinter der Arbeitssicherheit zu beeinflussen. Wir stellen fest, dass der gesunde Menschenverstand der Mitarbeit oft gereicht hätte, um einen schwerwiegenden Unfall zu vermeiden«, sagt Carsten Sønderbo-Jacobsen, der Sicherheitsdirektor bei der Dänischen Bahn.

Jeder trägt massgeblich zur Sicherheitskultur der DSB bei  - Quelle: René Strandbygaard und DSB

Foto: Jeder trägt massgeblich zur Sicherheitskultur der DSB bei

Gemeinsam Lösungen identifizieren

Um die eigenen Mitarbeiter dazu zu motivieren, aktiv an der Entwicklung einer Sicherheitskultur zu arbeiten, geht die DSB einen unkonventionellen Weg. Sie setzt ein Business-Spiel mit maßgeschneiderten Spielkarten ein. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die Herausforderung liegt darin, Zugfahrer und Gleisarbeiter, die normalerweise schwere Züge und Geräte handhaben, gemeinsam an einen Tisch zu bringen, damit sie wortwörtlich ihre Karten auf den Tisch legen. Doch der Praxistest bei der Dänischen Bahn zeigt: Der spielerische Ansatz kommt gut bei den Angestellten an. Innerhalb kürzester Zeit schwinden anfängliche Bedenken und jeder Mitarbeiter beteiligt sich aktiv an den Diskussionen.

Spielerisch schwierige Themen ansprechen

Das Spiel geht so: Jeder Teilnehmer zieht fünf Dilemma-Karten, die jeweils ein sensibles Thema der Arbeitssicherheit beschreiben. Die Spieler erklären daraufhin ihre Zustimmung zu der gegebenen Aussage oder widersprechen ihr. Ein Beispiel: Auf Karte eins steht »Es ist in Ordnung, während der Zugfahrt zu telefonieren«, auf Karte zwei »Wir schreiben keinen Bericht, wenn ein Kollege Sicherheitsrichtlinien missachtet«. Während das erste Statement leicht nachvollziehbar und meist einstimmig mit »Nein« beantwortet wird, regt die zweite Bemerkung hingegen zu Diskussionen an.

Auf diese Weise entstand auch bei den Workshops der Dänischen Bahn ein intensiver Dialog. Durch das Spiel waren die Teilnehmer nämlich angehalten, eine klare Position zu beziehen. Spielerisch kamen dabei sehr komplexe Themen zur Sprache und entwickelten sich zum Gegenstand von Diskussionen. Jeder Werkstattleiter organisierte mit seinem Team einen eigenen Sicherheitstag. Am Ende des Workshops wurden Aktionskarten ausgefüllt, wie die identifizierten Probleme in Zukunft angegangen werden sollen.

Sicherheitskultur messbar machen

»Mit den Karten können unsere Mitarbeiter in Worten fassen, was passiert, wenn die Arbeitssicherheit gefährdet ist. Damit entsteht bei all jenen Personen ein erhöhtes Pflichtbewusstsein, die nicht nur für ihre eigene Sicherheit, sondern auch für die Sicherheit der Kollegen und Passagiere verantwortlich sind«, sagt der Sicherheitsleiter der DSB.

Ob das Spiel zu einer verbesserten Arbeits- und Passagiersicherheit bei der Dänischen Bahn führt bleibt abzuwarten. Messen möchte die DSB das im kommenden Jahr: »Im Januar 2013 wollen wir die Übung wiederholen. Anhand der Antworten wollen wir feststellen, ob die Diskussionen zu einer Verbesserung des Sicherheitsdenkens und der -kultur geführt haben«, so Pernille Rechenbach, Managerin für Sicherheitsbewusstsein bei DSB. Worüber sich aber alle nach den Workshops einig sind: Jeder ist für die Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortlich.

Text: Dr. Karin Stumpf, Acrasio GmbH
Fotos: Workz, René Strandbygaard, DSB

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