Fachbeitrag  Arbeitssicherheit, PSA  

Absturzsicherung an der Bundesautobahn: Lärmschutzwall der A4 bei Jena

Die Absturzsicherung ist eine grundlegende Maßnahme im Bereich Arbeitsschutz. Dabei sind die Tätigkeitsfelder, die die Installation eines zuverlässigen Absturzsiche-rungssystems erfordern, äußerst vielfältig: laut BGV (Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften) ebenso wie gemäß DIN 4426 müssen Arbeitsplätze und Verkehrswege in Deutschland ab einer potentiellen Fallhöhe von drei Metern oder mehr grundsätzlich gesichert werden. Diese Regelung betrifft auch Arbeitsorte, die die Erfordernis einer solchen Sicherung auf den ersten Blick gar nicht erkennen lassen: wie beispielsweise der Lärmschutzwall an den neugebauten Streckenabschnitten der BAB A4 bei Jena. Dort wurde die Installation eines Sicherungssystems notwendig, um Personen bei der Wartung, bei Reparaturarbeiten oder während der Pflege der Begrünung vor gefährlichen Stürzen zu schützen - denn die Fallhöhe zwischen den einzelnen Ebenen des Walls beträgt bis zu 4 Meter.

Absturzsicherung für mehr Verkehrssicherheit

Die Installation einer Absturzsicherung an einem Lärmschutzwall in direkter Fahrbahnnähe war für den niederrheinischen Absturzsicherungsexperten ABS Safety eine herausfordernde und spannende Aufgabe. »Schließlich dient das Absturzsicherungssystem in diesem besonderen Umfeld nicht nur dem Schutz der Person auf dem Wall«, erläutert Ludwig Beckers, Geschäftsführer der ABS Safety GmbH. »Für das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr war der Schutz der eigenen Mitarbeiter ebenso wichtig, wie die Sicherung der Fahrbahn.« Denn ein zuverlässiger Schutzmechanismus verhindert sowohl, dass sich die gesicherten Mitarbeiter gefährliche Verletzungen zufügen, als auch, dass Personen auf die Fahrbahn stürzen und auf diese Weise schwere Verkehrsunfälle verursachen - ein zentraler Aspekt, den Ludwig Beckers bei der Konzeption einer geeigneten Absturzsicherung zu beachten hatte. Vor der eigentlichen Montage galt es außerdem, den besonderen Befesti-gungsuntergrund eingehend zu Prüfen.

Sorgfältige Planung statt pauschaler Lösungen

»Eine fachgerechte Montage ist das A und O einer wirksamen Absturzsicherung«, weiß Experte Ludwig Beckers aus der täglichen Praxis. »Stabile Anschlagpunkte gibt es auf dem Markt zu Hauf. Werden diese aber nicht richtig installiert oder weist der jeweilige Befestigungsuntergrund nicht die nötige Tragfähigkeit auf, dann ist eine Ab-sturzsicherung bei einem tatsächlichen Sturz fast wirkungslos.« An dem neuen Lärmschutzwall der A4 gingen der eigentlichen Installation des Sicherungssystems daher umfangreiche Tests des Untergrunds voraus. Das war schon deshalb ratsam, weil der Lärmschutzwall aus natürlichem Kalkstein gefertigt ist und aus Muschelkalk besteht. Beckers erläutert aus: »Der Untergrund aus Muschelkalk hat keine homogene Struktur wie etwa Beton oder Stahl.« Mehr als 20 Tests wurden durchgeführt, um die Tragfähigkeit der Kalksteinoberfläche zu überprüfen - mit positivem Ergebnis. In allen Fällen hielten die zur Probe montierten Anschlagpunkte einer Zugbelastung von 5 Kilonewton (rund 500 Kilogramm) problemlos Stand. »Eine weitere Herausforderung war die Sicherung der Dammkrone«, berichtet Beckers. Da sich auf der Spitze des Walls nur ein Metallzaun zur Befestigung des Systems anbot, mussten die Halterungen des Absturzsicherungssystems mit speziellen Edelstahlklemmen an den Pfosten des Stahlzauns montiert werden. »Flexibel zu sein gehört zur Planung einer zuverlässigen Absturzsicherung allerdings dazu«, erklärt Beckers. »Pauschallösungen eig-nen sich fast nie, um einen verlässlichen Schutz zu gewährleisten, der auf die Besonderheiten des jeweiligen Arbeitsumfelds abgestimmt ist.«

Seilsicherungssystem für höhere Flexibilität

Vier Steilwandabschnitte an der A4 bei Jena wurden auf drei Ebenen mit dem voll überfahrbaren Seilsicherungssystem ABS-Lock SYS IV ausgerüstet. Es ist geprüft und zertifiziert nach DIN EN 795 als Seilsicherungssystem der Klasse C und sichert bis zu vier Personen gleichzeitig. Dank eines maximalen Stützenabstands von 20 Metern ist es zudem hervorragend für die Montage über weite Distanzen geeignet. Ein entscheidender Vorteil dieses Systems ist allerdings die hohe Bewegungsfreiheit, die dem Anwender einen nahezu ungehinderten Arbeitsablauf ermöglicht. »Mobilität ist bei der Arbeit sehr wichtig. Nicht zuletzt deshalb, damit das System auch akzeptiert und verwendet wird«, berichtet Ludwig Beckers. Das ABS-Lock SYS IV verfügt daher über einen speziell entwickelten Bronzegleiter, der nahezu reibungslos über das Seilsystem läuft und auch an den Zwischenhaltern nicht hängenbleibt - und davon wurden nicht eben wenige verbaut. Insgesamt 6.000 Meter Stahlseil, 730 Zwischenhalter und 250 Spezialklemmen für die Befestigung des Seilsystems an dem Stahlzaun auf der Dammkrone waren notwendig, um alle drei Ebenen des Lärmschutzwalls zu sichern. »Die Klemmen für die Befestigung des Systems an dem Stahlzaun haben wir sogar extra für dieses Projekt entwickelt«, berichtet Beckers stolz.

Sicherheit auf allen Ebenen

Mitarbeiter des Thüringer Landesamts für Bau und Verkehr können sich dank des Seilsicherungssystems auf allen drei Ebenen des Lärmschutzwalls frei bewegen, ohne sich ständig neu anzuschlagen. Eine erneute Sicherung wird in der Regel nur dann notwendig, wenn der Anwender auf eine höhere oder niedrigere Ebene wechselt. Das Stahlseil des Sicherungssystems ist jeweils auf einer Höhe von einem Meter befestigt worden, um zu garantieren, dass sich der Bronzegleiter auch dann noch reibungslos über das Seil und die Zwischenstützen bewegt, wenn sich die gesicherte Person in einer Entfernung von bis zu fünf Metern zum Sicherungssystem befindet. Die Zwischenhalter des Seilsicherungssystems wurden auf geraden Strecken in einem Anstand von maximal zehn Metern angebracht. In den Kurven musste der Ab-stand auf bis zu drei Meter reduziert werden, damit das Stahlseil nicht direkt auf dem Untergrund aufliegt und so den Gleiter behindert.

Gute Sichtbarkeit bei schlechtem Wetter

Rund zwölf Wochen inklusive Planung und eingehender Tests benötigte ABS Safety zur vollständigen Installation des Seilsicherungssystems, das pünktlich zur Verkehrseröffnung einsatzbereit war. Das installierte System schützt die Personen auf dem Wall und sichert zugleich den Verkehr, da der gesicherte Anwender nicht Aufgrund eines Ausrutschers oder Fehltritts auf die Fahrbahn stürzen kann. »Zusätzlich haben wir gewährleistet, dass Personen während der Arbeiten auf dem Wall immer gut zu sehen sind« berichtet Ludwig Beckers. Für die Arbeit auf dem Lärmschutzwall stehen den Mitarbeitern des Thüringer Landesamts für Bau und Ver-kehr Anschlaggurte zur Verfügung, die in eine auffällige Warnweste integriert sind. Die spezielle Auffangweste von ABS Safety ist sowohl nach EN 361 als Auffanggurt als auch gemäß EN 340 und EN 471 als Warnweste geprüft und zertifiziert. Auch bei schlechten Witterungsverhältnissen sind Personen bei der Arbeit auf dem Wall daher von der Fahrbahn aus gut zu erkennen.

Michael Podschadel

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