DGUV Information 209-091 - Führen von Kranen Innerbetrieblicher Transport mit Kr...

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Abschnitt 3.2, 3.2 Besondere Gefährdungen im Zusammenhang mi...
Abschnitt 3.2
Führen von Kranen Innerbetrieblicher Transport mit Kranen in Hüttenwerken, Walzwerken und Gießereien (DGUV Information 209-091)
Titel: Führen von Kranen Innerbetrieblicher Transport mit Kranen in Hüttenwerken, Walzwerken und Gießereien (DGUV Information 209-091)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-091
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – 3.2 Besondere Gefährdungen im Zusammenhang mit den einzelnen Krantypen

Hütten- und Walzwerkskrane werden für den Transport der in den Hütten- und Walzwerken zu bewegenden Materialien, z. B. Schrott, Zuschläge, feuerflüssige Massen, Blöcke, Brammen, Coils, Bleche, Halbzeuge, verwendet. Sie sind mit besonderen Tragmitteln oder Lastaufnahmemitteln ausgerüstet und nur für diese speziellen Aufgaben bestimmt.

3.2.1
Schrottplatzkrane

Am Schrottplatz werden z. B. Brücken- und Portalkrane eingesetzt. Je nach Beschaffenheit des Schrotts (kompakt, dünnwandig, sperrig) können Mehrschalengreifer oder Lasthebemagneten zum Beladen der Schrottmulden oder Schrottkörbe verwendet werden.

Magnete von Schrottplatzkranen können systembedingt Ladung verlieren. Das wird auch nicht durch eine zusätzliche Stützbatterie verhindert.

Bei unsachgemäßer Beladung von Mulden, besonders mit Bandschrott (Signodebänder) oder Besäumschrott, besteht eine erhebliche Gefährdung durch Verklemmen des Materials und unkontrolliertes Abreißen und Ausschlagen.

Abb. 1 Schrottplatzkran

Schrottplätze können nicht immer abgesperrt werden, daher müssen Kranführer und Kranführerinnen stets einen ausreichenden Überblick über den jeweiligen Arbeitsbereich des Krans haben, um keine Personen oder Anlagenteile zu gefährden. Das kann durch Hilfsmittel, wie Spiegel, Kameras, etc., gewährleistet werden.

Kranführerinnen und Kranführer müssen besonders auf Hohlkörper achten. Geschlossene Hohlkörper, wie Behälter, Fässer oder Gasflaschen, dürfen auf keinen Fall in Schmelzöfen oder Konverter gelangen. In den Hohlkörpern verbliebene Luft, Gase oder Flüssigkeiten führen bei der starken Erwärmung im Schmelzofen zu einem extremen Druckanstieg. Ein Zerknall des Behälters mit Auswurf feuerflüssiger Massen ist die zwangsläufige Folge. Sprengkörper im Schrott führen zu vergleichbaren Wirkungen. Siehe hierzu auch DGUV Vorschrift 66 "Sprengkörper und Hohlkörper im Schrott" sowie DGUV Regel 109-601 "Branche Erzeugung von Roheisen und Stahl", 3.1.1 "Gefährdungen durch unkontrollierten Austritt von FFM".

Abb. 2 Schrottchargierkran

3.2.2
Schrottchargierkrane

Schrottchargierkrane nehmen die gefüllten Mulden oder Körbe auf und chargieren das Schrottmaterial (Schrottpakete, Restblöcke, Besäumschrott, loser Schrott) in Öfen oder Konverter. Mulden werden nach dem Anhängen in Position gebracht und dann einseitig gehoben oder gesenkt, damit das Material in den Konverter gleitet.

Kranführer und Kranführerinnen müssen besonders auf Hohlkörper und Feuchtigkeit/Flüssigkeiten achten. Siehe hierzu auch DGUV Vorschrift 66 "Sprengkörper und Hohlkörper im Schrott" und DGUV Regel 109-601 "Branche Erzeugung von Roheisen und Stahl", 3.1.1 "Gefährdungen durch unkontrollierten Austritt von FFM".

3.2.3
Blockchargierkrane

Mit einem Blockchargierkran werden Blöcke aus dem Ofen gezogen, im Blocklager gestapelt oder auf Rollgängen abgelegt.

Der Kran ist mit einer Zange ausgerüstet, deren Größe von den Ausmaßen der zu transportierenden Blöcke abhängt.

Blockchargierkrane halten die Last durch Kraftschluss. Bei ungenügender Haltekraft oder Verlust der Haltekraft (Anschlagen an Umgebung, usw.) kann die Last abstürzen.

3.2.4
Krane für den Transport von feuerflüssigen Massen

Grundsätzlich haben Transporte mit feuerflüssigen Materialien Vorfahrt.

Der Transport feuerflüssiger Massen über Personen und Arbeitsplätze hinweg ist strikt verboten.

Beschäftigte dürfen sich während des Einfüllens feuerflüssiger Massen nicht im Gefahrenbereich aufhalten.

Abb. 3 Pfannentransportkran/Gießkran

Mit Kranen für den Transport von feuerflüssigen Massen wird in Stahlwerken und Stranggießanlagen der erschmolzene Stahl in einzelne Blöcke oder Gespanne oder in die einzelnen Formen vergossen. In Aluminiumwerken wird Flüssigmetall der Schmelze über Tiegel mit Kippvorrichtung zugeführt.

Krane für den Transport von feuerflüssigen Massen verfügen über ein Haupthubwerk, das zum Transport der Pfanne dient, und über ein Hilfshubwerk, das zum Entleeren der Pfanne verwendet wird.

Beim Chargieren werden die Bewegungen des zu befüllenden Gefäßes meist getrennt gesteuert. Um ein sicheres Chargieren zu gewährleisten, ist ein sorgfältig abgestimmtes Zusammenspiel zwischen der Person, die den Kran führt und der für den Konverter/Ofen verantwortlichen Person ("Konvertermann"/"Ofenmann") erforderlich. Das setzt sehr viel Erfahrung voraus.

Zudem kann es hierbei oft zu Sichtbehinderungen kommen. Als technisches Hilfsmittel hat sich z. B. eine Pfannenuntergewichtsüberwachung bewährt.

Abb. 4 Roheisenchargierkran

Abb. 5 Brammentransportkran mit Zange

Abb. 6 Brammentransportkran mit Magnet

3.2.5
Brammentransportkrane

3.2.5.1 Brammentransportkrane mit Zange

Brammentransportkrane mit Zange halten die Last durch Kraftschluss. Bei ungenügender Haltekraft oder Verlust der Haltekraft (Anschlagen an Umgebung, usw.) kann die Last abstürzen.

Folgende Zangentypen werden verwendet:

  • mechanische Ausführung (selbstschließend)

  • elektromotorische Ausführung mit Steuerwerk, Spindel, Hubantrieb o. Ä.

  • hydraulische Ausführung mit Zylindern

3.2.5.2 Brammentransportkrane mit Magnet

Magnete sind immer für ein eingeschränktes Lastenspektrum ausgelegt. Kranführerinnen und Kranführer müssen es kennen. Bei unsachgemäßem Transport verliert der Magnet seine Sicherheit und es kommt zum Lastabsturz. Bei zu heißen Brammen ist kein Magnettransport mehr möglich.

Die Magnetanlage muss für einen sicheren Transport ohne zusätzliche mechanische Sicherung gemäß EN ISO 13849:2016-06 "Sicherheit von Maschinen - Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen - Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze" zweikanalig ausgeführt sein; außerdem muss eine Stützbatterie vorgesehen sein. Ausgenommen hiervon sind abgesicherte Bereiche und Schrottplätze.

3.2.5.3 Brammenwendekrane

Der mit Magneten ausgerüstete Brammenwendekran transportiert Brammen und kann die Brammen über die Längsseite wenden.

3.2.6
Coiltransportkrane

Beim Transport von abgebundenen Coils mit C-Haken, Zange oder Magnet besteht die Gefahr, dass sich die Bindebänder lösen. Auch der Gefahrenbereich seitlich um die Last vergrößert sich damit erheblich. Kranführer und Kranführerinnen müssen daher mit der Last einen ausreichenden Abstand zu Personen einhalten.

Der Transport von Coils über Personen und Arbeitsplätze hinweg ist strikt verboten.

Um beim Coiltransport eine sicherere Lastaufnahme zu gewährleisten, haben sich Kamerasysteme und Belegtabfrage bewährt.

3.2.7
Tiefofenkrane

Tiefofenkrane setzen die Blöcke und Brammen in die Tieföfen ein, holen sie dort wieder heraus und führen sie der Warmwalzstraße oder der Schmiede zu. Sie sind ähnlich wie Stripperkrane ausgeführt, jedoch ohne Stempel.

Kranführerinnen und Kranführer von Tiefofenkranen können durch glühende Öfen in der Sicht stark eingeschränkt sein. Die Sicht kann durch Verwendung von entsprechendem Sichtschutz oder Kameras verbessert werden.

In der Krankabine ist im Regelfall eine Klimaanlage erforderlich.

Wenn aufsteigende Gase die Person, die den Kran führt, gefährden können, müssen in einer Gefährdungsbeurteilung entsprechende Schutzmaßnahmen vor Inbetriebnahme festgelegt und vorgesehen werden. Geeignete Maßnahmen sind z. B. Gaswarnanlage, Klimaanlage mit CO-Filter, Rettungsgeräte (Selbstretter).

Abb. 7 Brammenwendekran

Abb. 8 Coiltransportkran mit Zange

Abb. 9 Tiefofenkran

Abb. 10 Regalbedienkran mit starrer Lastführung, nicht teleskopierbar

Abb. 11 Regalbedienkran mit starrer Lastführung, teleskopierbar

Abb. 12
Magnettraversenkran für den Blechtransport

3.2.8
Rinnenkrane

Rinnenkrane werden für den Transport von leeren oder gefüllten Verteilerrinnen und Gießrinnen verwendet. Bei größeren Verteilerrinnen und beim Einsatz von zwei Hubwerken kann als Hilfe für Kranführer und Kranführerinnen eine Gleichlaufsteuerung eingesetzt werden.

3.2.9
Regalbedienkrane

Regalbedienkrane (ehemals Stapelkrane) sind Krane mit geführtem Tragmittel, die dafür gebaut und bestimmt sind, Lasten sowohl in Regale einzubringen oder aus ihnen zu entnehmen als auch frei im Raum zu bewegen.

Die Führung des Tragmittels kann durch die Krankonstruktion oder durch die Regale erfolgen.

Freie Kranarbeit liegt dann vor, wenn mit dem Kran an beliebiger Stelle außerhalb des Regalbereichs Lasten aufgenommen werden können.

3.2.10
Magnettransportkrane für Blech-, Block- oder Rundmaterial

Da es bei der Auslegung des Magneten auf Materialbeschaffenheit, Form, Größe und Gewicht der Last ankommt, sind Magnettraversen zur Aufnahme des Stahls meist individuelle Einzelanfertigungen.

In Edelstahlwerken kommen auch Vakuumheber für den Blechtransport von nichtmagnetisierbaren Werkstoffen zum Einsatz.