Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108

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Abschnitt 8.3, 8.3 Berechnung der Ladungssicherungsmaßnahmen...
Abschnitt 8.3
Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Titel: Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: BGHM-I 108
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.3 – 8.3 Berechnung der Ladungssicherungsmaßnahmen gemäß Richtlinie VDI 2700 Blatt 2:2014

8.3.1
Berechnung der Ladungssicherungsmaßnahmen durch Formschluss gemäß Richtlinie VDI 2700 Blatt 2:2014

Beispiel 1:
Transporter mit Kastenaufbau, zGM 2,8 t, ohne Anti-Rutsch-Matten

Rechenbeispiel 1

Sicherung in Fahrtrichtung, Reibbeiwert μ = 0,2

Nutzlast des Fahrzeugs (NL) 1.000 kg
Gewichtskraft der Ladung (F G) 1.000 daN
Reibbeiwert μ = 0,2
kein Einsatz von rutschhemmendem Material)

Nach vorn zu sichernde Kräfte80 % F G = 800 daN
Belastbarkeit der Trennwand- 50 % NL=-500 daN
Reibungskraft- 0,2 F G =- 200 daN
Differenzkraft, die noch zu sichern ist =   100 daN
Bei formschlüssiger Beladung ist die Ladungssicherung nach vorn nicht erfüllt.

Beispiel 2:
Transporter mit Kastenaufbau, zGM 2,8 t, mit Anti-Rutsch-Matten

Rechenbeispiel 2

Sicherung in Fahrtrichtung, Reibbeiwert μ = 0,6

Nutzlast des Fahrzeugs (NL) 1.000 kg
Gewichtskraft der Ladung (F G) 1.000 daN
Reibbeiwert μ = 0,6
(Einsatz von rutschhemmendem Material)

Nach vorn zu sichernde Kräfte80 % F G = 800 daN
Belastbarkeit der Trennwand- 50 % NL=-500 daN
Reibungskraft- 0,6 F G =- 600 daN
Differenzkraft, die noch zu sichern ist =   < 0 daN *
Bei formschlüssiger Beladung ist die Ladungssicherung nach vorn erfüllt; damit ist gleichzeitig auch die Ladungssicherung zur Seite und nach hinten erfüllt, da die Beschleunigungskräfte nach vorn am größten sind.

Abb. 8-34 / 8-35
Wegen der Lastverteilung (vergleiche dazu S. 73) kann die Ladung nicht bis an die Trennwand gerückt werden. Ausfüllende Hilfsmittel (beispielsweise Leerpaletten) müssen als Lückenfüller eingesetzt werden, um Formschluss zur Trennwand herzustellen.

Der Einsatz von RHM bewirkt, dass in Rechenbeispiel 2 die Ladung in Fahrtrichtung ausreichend gesichert ist.

8.3.2
Berechnen der Ladungssicherungsmaßnahmen durch Niederzurren gemäß Richtlinie VDI 2700 Blatt 2:2014

Mit zwei vereinfachten Formeln kann die Vorspannkraft oder die Anzahl der Zurrmittel berechnet werden.

S TF =Vorspannkraft des Zurrmittels
c =Beschleunigungsbeiwert
μ =Reibbeiwert
F G =Gewichtskraft in daN
k =Übertragungsbeiwert, k = 1,8
α =Zurrwinkel
n =Anzahl der Zurrmittel

Formel zur Ermittlung der Gesamtvorspannkraft

Tabelle 25 Sinuswerte des Zurrwinkels α

Zurrwinkel Sinus Wirksame Vorspannkraft des Zurrmittels
901100 %
800,9898 %
700,9494 %
600,8787 %
500,7777 %
400,6464 %
300,5050 %
200,3434 %
100,1717 %
Je flacher der Zurrwinkel α ist, desto weniger Vorspannkraft wirkt auf die Ladung.

Bei einem Zurrwinkel α von 90 wirkt die Vorspannkraft zu 100 %.

Bei einem Zurrwinkel α von 30 wirkt die Vorspannkraft nur noch zu 50 %.

Abb. 8-36
Zurrgurtetikett eines Zurrgurts mit einer S TF von 350 daN

Beispiel:

Berechnung für einen Transporter mit geladener Masse von 1.000 daN, gesichert mit Zurrmitteln S TF = 350 daN

Gewichtskraft der Ladung
Zurrwinkel
c =0,8 bzw. 06 bzw. 0,5
μ = 0,3
F G =1.000 daN
α = 80, sin α = 0,98
k =1,8

Ermittlung der Gesamtvorspannkraft

Rechenbeispiel 1: (Ladelücke in Fahrtrichtung)

Sicherung nach vorne (c = 0,8), ohne Anti-Rutsch-Matten

Rechenbeispiel 2: (Formschluss in Fahrtrichtung)

Sicherung zur Seite (c = 0,6), ohne Anti-Rutsch-Matten

Rechenbeispiel 3: (Formschluss in Fahrtrichtung)

Sicherung nach hinten (c = 0,5), ohne Anti-Rutsch-Matten

Erforderliche Anzahl der Zurrmittel (je S TF 350 daN):

  • In Fahrtrichtung 945 daN = 3 Zurrmittel

  • Zu den Seiten 567 daN = 2 Zurrmittel

  • Nach hinten 378 daN = 2 Zurrmittel

8.3.3
Berechnung der Ladungssicherungsmaßnahmen durch Schlingenzurren gemäß Richtlinie VDI 2700 Blatt 2:2014

Schlingenzurren ist eine besondere Art des Direktzurrens.

Dabei wird unterschieden zwischen Kopfschlingenzurren und Umreifungszurren.

In der Praxis sind diese Formen der Ladungssicherung oft notwendig, weil keine Befestigungspunkte an der Ladung vorhanden sind.
  • Vor dem Berechnen sind bei jedem Zurrmittel die Zurrwinkel α und β zu messen.

Abb. 8-37
Winkelbereiche beim Schlingenzurren

  • Die Kopfschlinge ist nach vorn mit einem Beschleunigungsbeiwert von c = 0,8 und nach hinten mit c = 0,5 zu berechnen.

  • Die Umreifungsschlinge ist mit einem Beschleunigungsbeiwert von c = 0,6 zu berechnen (Fahrzeuge mit zGM von 2,0 t bis 3,5 t).

  • Es muss eine ausreichende Anzahl entsprechend belastbarer Zurrpunkte und Zurrmittel vorhanden sein.

  • Beim Schlingenzurren ist die zulässige Zurrkraft (LC) des Zurrmittels entscheidend.

Abb. 8-38
Zurrgurtetikett eines Zurrgurts mit einer LC von 2.500 daN

Das Anlegen einer Kopfschlinge ist eine einfache und effektive Sicherungsmethode.

Genauso einfach und effektiv kann ihre Berechnung sein.

Die nachfolgende Berechnung ist stark vereinfacht, was aber angesichts der Belastbarkeit der Zurrpunkte und der verwendeten Zurrmittel absolut ausreichend ist.

  • Gesichert werden soll eine Ladung mit einer Masse von 1.000 daN in einem Transporter mit Kastenaufbau.

  • Die Belastbarkeit der Zurrpunkte beträgt jeweils 500 daN.

  • Es wurden keine Anti-Rutsch-Matten verwendet.

  • Die Ladung hat einen Abstand zur Trennwand von ca. 1 m.

Sicherung in Fahrtrichtung:

Erforderliche Ladungssicherung:80 % FG 800 daN
Reibungskraft:30 % FG 300 daN
Erforderliche Rückhaltekraft:50 % FG 500 daN

Sicherung entgegen der Fahrtrichtung:

Erforderliche Ladungssicherung:50 % FG 500 daN
Reibungskraft:30 % FG 300 daN
Erforderliche Rückhaltekraft:20 % FG 200 daN

Die erforderliche Rückhaltekraft der Kopfschlinge in Fahrtrichtung beträgt 500 daN und entgegen der Fahrtrichtung 200 daN.

Angesichts der Belastbarkeit der beiden verwendeten Zurrpunkte von je 500 daN, ist die Ladungssicherung bei Verwendung eines Standard-Zurrgurts als absolut ausreichend anzusehen und bedarf keiner weiteren Berechnung.

Abb. 8-39
Kopfschlinge in und entgegen der Fahrtrichtung

*

Hinweis: Negative Ergebnisse bedeuten, dass die Ladungssicherung erfüllt ist und weitere Kräfte aufgenommen werden könnten. Zur Vereinfachung werden negative Ergebnisse zu "0" gesetzt.