Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108

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Abschnitt 7.3, 7.3 Direktzurren
Abschnitt 7.3
Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Titel: Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: BGHM-I 108
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 7.3 – 7.3 Direktzurren

Das Direktzurren wird in dieser Schrift in folgende Arten unterschieden:

  • Diagonalzurren

  • Schlingenzurren/Umreifungszurren

  • Beim Direktzurren wird die Ladung durch die Zurrmittel erst dann in Position gehalten, wenn sie sich aufgrund der fahrdynamischen Kräfte in Bewegung setzen will.

  • Beim Diagonalzurren werden die Zurrmittel im geraden Zug eingesetzt und dazu in Zurrpunkten an der Ladung und in Zurrpunkte auf der Ladefläche gehängt.

  • Beim Schlingenzurren sind keine Zurrpunkte am Ladegut erforderlich.

  • Bei allen Arten des Direktzurrens dürfen die Zurrmittel nur leicht vorgespannt werden.

7.3.1 Diagonalzurren

  • Beim Diagonalzurren sind vier Zurrmittel erforderlich.

  • Es sichert immer ein Zurrmittel eine der vier Ecken des Ladeguts.

  • Die Zurrmittel werden diagonal, also nicht im rechten Winkel zur Außenkante der Ladefläche, hoch zur Ladung gespannt.

  • Die Zurrmittel müssen sich nicht kreuzen.

  • Durch die Art der Anbringung der Zurrmittel werden die Zurrwinkel α und β festgelegt. Hier bietet sich die Möglichkeit, diese Zurrwinkel durch einen anderen Verlauf der Zurrmittel günstig zu beeinflussen.

Die Sicherungskraft beim Diagonalzurren ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Lashing Capacity (LC) der Zurrmittel im geraden Zug

  • Zulässige Zugkraft der verwendeten Zurrpunkte

  • Zurrwinkel α und β, in dem die Zurrmittel gespannt sind.

Abb. 7-24 bis 7-27
Vier Möglichkeiten des Diagonalzurrens

Weil jedes Zurrmittel die Ladung in zwei Richtungen sichert, sind die Zurrwinkel wichtig.

Der Zurrwinkel stellt einen Kompromiss dar: Wird die Ladung in eine Richtung verstärkt gesichert, muss die Sicherung in die andere Richtung vernachlässigt werden.

Abb. 7-28
Winkelbereiche beim Diagonalzurren

Beim Diagonalzurren werden folgende Winkelbereiche empfohlen:

  • α: von 20 bis 65

  • β: von 10 bis 50

Einfluss der Zurrwinkel α und β

  • Ungünstige Zurrwinkel bewirken, dass eine höhere Lashing Capacity erforderlich wird, um die Ladung zu sichern.

  • Bei sehr ungünstig gewählten Zurrwinkeln ist es sogar möglich, dass zur seitlichen Sicherung eine größere Lashing Capacity erforderlich ist als zur Sicherung nach vorn.

  • Für die Berechnung ist es deshalb erforderlich, dass bei jedem Zurrmittel beide Zurrwinkel gemessen werden.

Praxisbeispiele für das Diagonalzurren

Diagonalzurren wird überwiegend angewendet, um schwere Bauteile oder Maschinen zu sichern.

Abb. 7-29 bis 7-31
Praxisbeispiele: Diagonalzurren schwerer Bauteile oder Maschinen

7.3.2 Schlingenzurren

  • Das Schlingenzurren ist eine Art des Direktzurrens.

  • Die Zurrmittel werden dabei als Schlinge vor, hinter oder seitlich um das Ladegut gelegt und in Zurrpunkten am Fahrzeug fixiert.

  • Diese Art der Ladungssicherung kommt aus der Seefahrt und wird dort auch als Kopflasching oder Buchtlasching bezeichnet.

Kopfschlingenzurren

  • Die Kopfschlinge dient als Hilfsmittel für den Formschluss, falls die Ladung z. B. wegen der Lastverteilung nicht direkt an die Stirnwand verladen wurde.

  • Bei der Kopfschlinge müssen die Zurrmittel oberhalb des Schwerpunkts der Ladung gehalten und in Zurrpunkten am Fahrzeug fixiert werden.

Verschiedene Möglichkeiten einer Kopfschlinge

Die Kopfschlinge dient in der Abbildung unten zur Ladungssicherung in Fahrzeuglängsrichtung. Die seitliche und ggf. rückwärtige Ladungssicherung müssen gesondert erfolgen. Eine Kopfschlinge kann in Fahrtrichtung, entgegen der Fahrtrichtung, sowie in und entgegen der Fahrtrichtung angelegt werden.

Kopfschlingenzurren ist eine Art des Diagonalzurrens. Da die Ladung keine Befestigungspunkte hat, wird sie von der Kopfschlinge gesichert, die über die Kanten geführt wird.

Es ist festzulegen, welche Art der Kopfschlinge verwandt wird.

Für die Auswahl der anzuwendenden LC auf dem Etikett (Abb. unten) ist die Methode (Umreifung oder gerader Zug) ausschlaggebend.

Abb. 7-33
Zurrgurtetikett (Beispiel)

Die Sicherungskraft der Kopfschlinge ist abhängig von:

  • der Lashing Capacity (LC) der Zurrmittel

  • der zulässigen Zugkraft der verwendeten Zurrpunkte

  • den Zurrwinkeln α und β

Prinzipzeichnung der Zurrwinkel α und β

Abb. 7-34
Winkelbereiche beim Kopfschlingenzurren

Abb. 7-32
Verschiedene Arten einer Kopfschlinge

Praxisbeispiele für das Kopfschlingenzurren

Die Kopfschlinge sichert die Ladung nur in Fahrzeuglängsrichtung. Die seitliche Ladungssicherung muss gesondert erfolgen.

Schlingenzurren wird nur selten angewendet, ist allerdings eine sehr effektive Sicherungsart.

Abb. 7-35 / 7-36
Praxisbeispiele für das Kopfschlingenzurren

Umreifungszurren

  • Das Umreifungszurren dient als "Bordwandersatz", falls die Ladung nicht formschlüssig zur Seite verladen werden kann.

  • Das Umreifungszurren kann die Ladung nur seitlich sichern.

  • Beim Umreifungszurren werden die Zurrmittel um die Ladung gelegt und in Zurrpunkten am Fahrzeug fixiert.

Abb. 7-37
Umreifungszurren, Sicht von oben

Das Umreifungszurren dient nur zur seitlichen Ladungssicherung.

Die Sicherung in Fahrtrichtung und entgegen der Fahrtrichtung muss gesondert erfolgen.

Abb. 7-38
Zur seitlichen Sicherung sind mindestens drei solcher Umreifungszurrungen erforderlich: eine zu einer Seite und zwei zur anderen Seite.

Kombination aus Kopfschlingenzurren und Umreifungszurren

Abb. 7-39
Kombiniertes Schlingenzurren, Sicht von oben

Eine Kombination aus Kopfschlingen (grün) und Seitenschlingen (rot) bietet die Möglichkeit, auch eine Ladung, die keine Zurrpunkte für Zurrmittel hat, durch Direktzurren zu sichern.