Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108

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Abschnitt 5.2, 5.2 Lastverteilungsplan
Abschnitt 5.2
Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Titel: Be- und Entladen von Fahrzeugen BGHM-I 108
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: BGHM-I 108
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Lastverteilungsplan

Die Richtlinie VDI 2700 Blatt 4 fordert, dass die Ladung so zu verstauen ist, dass der Schwerpunkt der gesamten Ladung möglichst über der Längsmittellinie des Fahrzeugs liegt. Der Schwerpunkt ist dabei so niedrig wie möglich zu halten, das Fahrzeug darf nicht überladen sein und die Lastverteilung muss beachtet werden.

Auch bei Teilladungen ist eine gleichmäßige Gewichts- und Lastverteilung anzustreben.

Ein vorhandener Lastverteilungsplan ist die Basis für eine ordnungsgemäße und sichere Beladung des Fahrzeugs. In der Praxis ist es aber leider so, dass nur für wenige Fahrzeuge ein konkret zutreffender Lastverteilungsplan berechnet und mitgeführt wird. Bei der Verladung muss somit die Lastverteilung oft geschätzt werden. Das führt dazu, dass die Fahrzeuge zum Teil falsch beladen werden.

Unter Umständen werden die Achslasten durch die falsche Beladung über- oder unterschritten und die negativen Auswirkungen auf das Brems- und Lenkverhalten können das Fahrzeug verkehrsunsicher machen. Oft ist es so, dass ein Fahrzeug einfach in umgekehrter Reihenfolge der Entladestellen beladen wird, ohne die Lastverteilung zu berücksichtigen. Diese Lösung ist zwar einfach und schnell, aber eine falsche Beladung führt oft zu Verkehrsunfällen, da sich das Fahrverhalten des Transportfahrzeugs dramatisch ändern kann.

Durch Fahrzeuganbauten, z. B. eine Hubbühne, kann sich die erforderliche Lastverteilung auf der Ladefläche erheblich verändern, da diese Anbauteile aufgrund ihres Eigengewichts schon eine Belastung des unbeladenen Fahrzeugs bewirken. Aus diesem Grund sollte der Lastverteilungsplan für jedes Fahrzeug bekannt sein.

Bedeutung der Kurven im Lastverteilungsplan

Kurve A=Begrenzung durch die maximal zulässige Vorderachslast
Kurve B=Begrenzung durch die zulässige Nutzlast des Fahrzeugs
Kurve C=Begrenzung durch die maximal zulässige Hinterachslast in Abhängigkeit vom hinteren Überhang des Fahrzeugs

Beispiel eines Lastverteilungsplanes für einen Transporter

Abb. 5-31 / 5-32 (Anm.: siehe auch S. 119)
Im beispielhaften Lastverteilungsplan ist zu erkennen, dass die zulässige Nutzlast von 1.500 kg nur dann ausgenutzt werden kann, wenn der Ladungsschwerpunkt in einem Abstand von 1 m bis 2 m zur Stirnwand platziert wird. Beim Transport einer Palette mit einem Gewicht von 1.000 kg ist darauf zu achten, dass sich der Schwerpunkt der Ladung im schraffierten Bereich befindet (Palette 1). Überträgt man von Palette 2 die beiden Werte 1.000 kg und Schwerpunkt in den Lastverteilungsplan, steht man fest, dass der Ladungsschwerpunkt oberhalb der Kurve A liegt und somit die zulässige Vorderachslast überschritten wird.

5.2.1 Beispiele für Lastverteilungspläne

Ein Lastverteilungsplan ist individuell und dabei von mehreren Fahrzeugdaten abhängig. Es müssen zum Beispiel die Achslasten, die Leer- und die zulässige Gesamtmasse, der Achsabstand sowie die Größe und Nutzung der Ladefläche beachtet werden.

Diese Parameter sind bei der Vielzahl von Fahrzeugvarianten der Pkw, Transporter und Lkw sehr unterschiedlich; ein allgemeingültiger Lastverteilungsplan ist selbst in vereinfachter Form nicht möglich.

Die nachfolgenden Grafiken sind vereinfachte Darstellungen des Lastverteilungsplans für die betreffende Fahrzeugklasse. Sie dürfen nicht auf tatsächliche Fahrzeuge übertragen werden

Abb. 5-33
Kleintransporter mit Zentralachsanhänger

Abb. 5-34
Sattelkraftfahrzeug

Abb. 5-35
Lkw mit Anhänger

5.2.2 Gesamtschwerpunkt

Ermittlung des Gesamtschwerpunkts
VDI 2700 Bl. 4

In der Praxis stehen Fahrerinnen und Fahrer und das verladende Unternehmen oft vor der Aufgabe, Ladungen unterschiedlicher Größe und Gewichte (Mischladungen) zu verladen. Dazu muss die Lage des Gesamtschwerpunkts berechnet werden.

Formel zur Berechnung des Gesamtschwerpunkts S res

S res =Lage des Gesamtschwerpunkts (m) zur Stirnwand
m 1,2,3 =Gewicht des jeweiligen Ladeguts (t)
S 1,2,3 =Schwerpunktabstand des jeweiligen Ladeguts zur Stirnwand (m)

Beispiel:

Auf einen Lkw werden drei Ladegüter geladen.

Ladegut 1: m 1 = 1 t S 1 = 0,7 m
Ladegut 2: m 2 = 6 t S 2 = 2,5 m
Ladegut 3: m 3 = 3 t S 3 = 4,6 m

Lastverteilung der Einzellasten

Der Gesamtschwerpunkt der Ladung befindet sich 2,95 m hinter der Stirnwand. Überträgt man diesen Wert und das Ladungsgewicht in den Lastverteilungsplan, stellt man fest, dass die Lastverteilung eingehalten und der Lkw vorschriftsmäßig beladen wurde.

Lage des Gesamtschwerpunkts

Achtung: Durch eine Änderung der Beladereihenfolge ändert sich auch die Lage des Gesamtschwerpunkts.

Abb. 5-36 bis 5-40
Darstellungen der Lage des Schwerpunkts bei einzelnen Ladegütern (links) sowie Lage des Gesamtschwerpunkts der Ladung (oben)

5.2.3 Berechnungsprogramme zum Lastverteilungsplan

Die BG Verkehr bietet eine CD-Rom zur Berechnung des Lastverteilungsplans auf Grundlage der VDI 2700 Blatt 4 an.

Das Programm ermöglicht es verladenden Unternehmen, Fahrpersonal sowie Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughaltern, ein Fahrzeug im Sinne der VDI 2700 richtig zu beladen. Es gilt für Lastkraftwagen, Gelenkdeichsel- und Starrdeichselanhänger, Sattelkraftfahrzeuge (Sattelanhänger), Kurier-, Express- und Paketdienst-Fahrzeuge (KEP) und in begrenztem Umfang auch für Spezialfahrzeuge.

Anwenderinnen und Anwender können einen Beladeplan erstellen, indem sie Ladungen auf einer definierbaren Ladefläche platzieren.

Die auf der Ladefläche zu platzierenden Ladungen sind teilweise vordefiniert, wie zum Beispiel Europaletten. Ladungsabmessungen und Schwerpunktlagen können aber auch frei bestimmt werden.

Das Programm berechnet anhand des Beladeplans den Gesamtschwerpunkt, der dann im Lastverteilungsplan angezeigt wird. Die aktuelle CD-Rom ist zu bestellen unter www.bg-verkehr.de.

Abb. 5-41
Beispiel aus dem Berechnungsprogramm der BG Verkehr