DGUV Regel 115-402 - Branche Call Center (DGUV Regel 115-402)

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Abschnitt 3.9, 3.9 Büroarbeitsstühle und alternative Sitzmöb...
Abschnitt 3.9
Branche Call Center (DGUV Regel 115-402)
Titel: Branche Call Center (DGUV Regel 115-402)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 115-402
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.9 – 3.9 Büroarbeitsstühle und alternative Sitzmöbel

Ihre Beschäftigten verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit im Sitzen. Geeignete Büroarbeitsstühle unterstützen die natürliche Haltung des Menschen im Sitzen. Moderne Stühle ermöglichen und fördern außerdem die Bewegung durch dynamisches Sitzen. Dieses Kapitel informiert, worauf Sie bei der Beschaffung von Stühlen achten müssen.

Abb. 12 Verstellmöglichkeiten an einem Büroarbeitsstuhl

Rechtliche Grundlagen

Weitere Informationen
  • DGUV Information 215-410 "Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung" (bisher BGI 650)

  • VBG (Hrsg.): Die Qual der Wahl - wie beschaffe ich den passenden Stuhl? (= VBG-Praxis-Kompakt, Version 1.2/2015-03), Hamburg.

  • DIN EN 1335 "Büromöbel - Büro-Arbeitsstuhl", Teil 1 "Maße; Bestimmung der Maße", Ausgabedatum: 2002-08

  • DIN EN 1335 "Büromöbel - Büro-Arbeitsstuhl", Teil 2 "Sicherheitsanforderungen", Ausgabedatum: 2010-01

  • DIN EN 1335 "Büromöbel - Büro-Arbeitsstuhl", Teil 3 "Prüfverfahren", Ausgabedatum: 2009-08

Gefährdungen

Für Ihre Beschäftigten bestehen die folgenden Gefährdungen:

  • Kippen oder Umstürzen der Sitzmöbel,

  • Quetsch- und Scherstellen an bewegten Teilen (z. B. Höhenverstellung),

  • scharfe Ecken und Kanten,

  • Sturz bei unbeabsichtigtem Wegrollen des Büroarbeitsstuhls,

  • Zwangs- oder Fehlhaltungen durch ungünstig gestaltete oder falsch eingestellte Büroarbeitsstühle.

Maßnahmen

Reduzieren Sie diese Gefährdungen durch die Auswahl geeigneter Büroarbeitsstühle (vgl. Abbildungen 12 und 13).

Bei der Beschaffung von Büroarbeitsstühlen kann die Einhaltung der Mindestanforderungen an Sicherheit und Ergonomie durch das GS-Zeichen nachgewiesen werden. Als Unternehmerin oder Unternehmer sollten Sie nur Büroarbeitsstühle mit GS-Zeichen beschaffen. Lassen Sie sich das zugehörige Zertifikat aushändigen.

  • Ein Büroarbeitsstuhl besteht aus Ober- und Unterteil. Achten Sie darauf, dass das Oberteil (d. h. Sitz und Rückenlehne) dreh- und höhenverstellbar ist und das Untergestell über gebremste Rollen verfügt (d. h. kein Wegrollen des Stuhls bei Entlastung).

Abb. 13 Auswahlhilfe für ergonomisch gestaltete Büroarbeitsstühle

  • Wählen Sie die Rollen in Abhängigkeit von der Art des Fußbodens, d. h. harte Rollen für weiche Böden und weiche Rollen für harte Böden (vgl. Abbildung 14).

  • Die meisten Büroarbeitsstühle sind auf eine tägliche Nutzungszeit von acht Stunden und ein Körpergewicht von 110 kg ausgelegt. Stellen Sie sicher, dass die Büroarbeitsstühle für den Mehrschichtbetrieb geeignet sind und ggf. auch schwere Personen (>110 kg) die Stühle nutzen können.

  • Achten Sie darauf, dass der Büroarbeitsstuhl über Armauflagen verfügt, da diese für Ihre Beschäftigten ergonomisch günstig sind. Diese sollten eine Höhe von mindestens 200 mm bis maximal 250 mm über der Sitzfläche aufweisen oder einen Verstellbereich haben, der darüber hinausgeht.

  • Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Einstellmöglichkeiten ihres Büroarbeitsstuhls. Diese müssen vor jeder Schicht überprüft und ggf. angepasst werden.

Die richtige Einstellung des Stuhls orientiert sich am Büroarbeitstisch. Für rund 90 Prozent der Menschen ist eine feste Tischhöhe von 740 mm +/- 20 mm akzeptabel. Personen, die kleiner als 165 cm sind, brauchen ggf. eine Fußstütze.

Abb. 14 Links Rolle für harte Bodenbeläge (Zweifarbig, sogenannte Parkettrolle); rechts Rolle für weiche Bodenbeläge (einfarbig, sogenannte Teppichbodenrolle)

Bei Beschäftigten mit einer Körpergröße von mehr als 185 cm ist in der Regel eine Tischerhöhung notwendig. Setzen Sie, wenn möglich, höhenverstellbare Arbeitstische ein.

  • Setzen Sie keine alternativen Sitzmöbel (z. B. Sitzbälle, Pendelhocker, Kniestühle) als alleinige Sitzgelegenheit an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen ein. Diese erfüllen weder die entsprechenden ergonomischen noch die sicherheitstechnischen Anforderungen! Stellen Sie Ihren Beschäftigten alternative Sitzmöbel nur temporär als Trainings- und Übungsgeräte zur Verfügung.

Alternative Sitzmöbel: Keine Dauerlösung!
Alternative Sitzmöbel sollen dem Bewegungsmangel und möglichen Fehlhaltungen vorbeugen. Bei der Benutzung von Sitzbällen und Pendelhockern werden zwar immer wieder unterschiedliche Muskelpartien aktiviert und die statische Beanspruchung der Muskulatur im Sinne von Haltearbeit vermindert. Bei längerem Sitzen kehrt sich diese positive Wirkung der Stärkung der Rückenmuskulatur ins Negative um. Bei Kniestühlen gibt es zwar ebenfalls einige positive Aspekte, doch auch hier überwiegen bei dauerhafter Nutzung die negativen Effekte.

Abb. 15 Dynamisches Sitzen, darunter versteht man den häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Sitzpositionen auf dem Stuhl.