DGUV Information 204-008 - Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungs...

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Abschnitt 11, Akute Erkrankungen
Abschnitt 11
Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder (DGUV Information 204-008)
Titel: Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder (DGUV Information 204-008)
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: DGUV Information 204-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 11 – Akute Erkrankungen

Wichtige menschliche Organe können nicht nur durch Unfälle geschädigt werden, sondern auch durch (chronische) Erkrankungen, die oft plötzlich und unerwartet ein akutes Krankheitsbild mit unmittelbarer Lebensgefahr entwickeln. Herzinfarkt und Schlaganfall sind hierfür die markantesten Beispiele. Dieses Kapitel macht Sie mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen in solchen Akutfällen vertraut - die meisten davon sind Notfälle, die eine Alarmierung des Rettungsdienstes/Notarztes unverzüglich erfordern.

Herzinfarkt

Symptome

  • Die Betroffenen haben oft starke Schmerzen hinter dem Brustbein mit Engegefühl im Brustkorb. Die Schmerzen strahlen oft in den linken Arm, die Schulterblätter und über den Hals bis zum Kiefer aus. Möglich ist auch, dass die Schmerzen in den Oberbauch ausstrahlen.

  • Die Betroffenen können sehr unruhig, manchmal allerdings auch sehr ruhig sein. Sie machen einen ängstlichen, verunsicherten Eindruck.

  • Das Aussehen (Gesicht) ist blassgrau, meist schweißnass.

  • Die Betroffenen sind geschwächt und klagen über Luftnot, Übelkeit, selten mit Erbrechen.

So helfen Sie richtig

  • Notruf/Alarmieren Sie schnellstmöglich den Rettungsdienst oder lassen Sie ihn durch weitere Helfer oder Helferinnen alarmieren.

  • Beruhigen Sie die betroffene Person.

  • Schirmen Sie die betroffene Person gegenüber ihrer Umgebung ab.

  • Ist die betroffene Person bei Bewusstsein, lagern Sie sie schonend und bequem mit erhöhtem Oberkörper. Dies entlastet das Herz.

  • Öffnen Sie enge Kleidung (Hemdkragen etc.).

  • Anstrengungen und Aufregung müssen unbedingt vermieden werden. Bleiben Sie bei der betroffenen Person und lassen Sie sie bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht allein.

  • Sollte ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintreten, müssen Sie sofort mit der Wiederbelebung beginnen und wenn verfügbar einen AED (Automatisierter externer Defibrillator) einsetzen.

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Schlaganfall

Nicht immer sind die Anzeichen für einen Schlaganfall so ausgeprägt und gut zu erkennen, wie sie im Folgenden beschrieben sind. Sprechen Sie mit der betroffenen Person, damit Sie die Symptome erkennen.

Symptome

  • Oft klagen die Betroffenen über plötzliche, heftigste Kopfschmerzen mit Übelkeit und Brechneigung, manchmal mit steifem Nacken.

  • Lähmungen (Halbseitenlähmung), in leichten Fällen Missempfindungen (Taubheitsgefühl) und/oder Kraftminderung der Extremitäten.

  • Gesichtslähmung mit herabhängendem Mundwinkel und einseitig geschlossenem Augenlid.

  • Sehstörungen, Sprachstörungen mit "verwaschener" Sprache.

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Ein Schlaganfall ist ein sehr ernster Notfall. Leider wird er bisweilen nicht erkannt, weil die Anzeichen nicht immer so ausgeprägt sind wie beschrieben. Wenn die Betroffenen bei Bewusstsein sind, werden sie nicht selten für betrunken gehalten, weil sie schwanken, vom Stuhl fallen und manchmal Sprachstörungen aufweisen. Manchmal berichten die Betroffenen von Flimmern der Augen.

Ursache für einen Schlaganfall sind meist Veränderungen an den Gefäßen. Durch hohen Blutdruck kann plötzlich eine Arterie im Gehirn platzen. Manchmal ist die Ursache auch ein Blutgerinnsel, das in Arterien im Gehirn stecken bleibt und diese verstopft. In jedem Fall sind die Blutversorgung und damit die Sauerstoffversorgung eines partiellen Bereichs des Gehirns unterbrochen, und es kommt zu entsprechenden Funktionsausfällen.

Besonders tückisch sind angeborene Gefäßdefekte. Dabei handelt es sich um Schwachstellen oder auch Aussackungen in der Gefäßwand einer Arterie (in diesem Fall einer Hirnarterie), auch Aneurysma genannt. Dieses bleibt meist unerkannt, kann aber irgendwann, völlig unerwartet (z. B. durch plötzlichen hohen Blutdruck) zerreißen und zu einer Blutung im Gehirn mit den Anzeichen und den Folgen eines Schlaganfalles führen.

In Deutschland gibt es immer mehr Schlaganfallzentren (Stroke Units), die sich auf Diagnostik und Therapie dieses Krankheitsbildes spezialisiert haben. Dies trägt in nicht unerheblichem Maße dazu bei, den Krankheitsverlauf und mögliche Spätfolgen positiv zu beeinflussen. Daher ist der frühzeitige Notruf in diesem Fall von ganz besonderer Bedeutung.
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  • Schluckbeschwerden ggf. mit Erstickungsgefahr.

  • Gedächtnisstörungen mit Orientierungsproblemen.

  • Schlimmstenfalls treten Bewusstlosigkeit sowie Atem- und Kreislaufstörungen auf.

So helfen Sie richtig

  • Notruf/Alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst.

  • Seitenlage bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung.

  • Wiederbelebung bei Herz-Kreislauf-Stillstand (keine Atmung).

  • Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist, lagern Sie sie bequem mit erhöhtem Oberkörper.

  • Polstern Sie die gelähmten Körperteile.

  • Beobachten und betreuen Sie die betroffene Person ständig bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Diabetes mellitus ist die Bezeichnung einer Stoffwechselstörung, deren Ursache ein Mangel an Insulin (einem Hormon der Bauchspeicheldrüse) ist. Für die Erste Hilfe sind genaue Kenntnisse der Stoffwechelstörung nicht erforderlich. Betroffene kennen sich damit bestens aus. Geraten die Stoffwechselvorgänge bei einem von der Zuckerkrankheit Betroffenen aus dem Gleichgewicht, kann er das Bewusstsein verlieren.

Symptome

  • Eine betroffene Person, bei der die "Zuckerkrankheit" (Diabetes mellitus) bekannt ist, verliert das Bewusstsein bzw. wird bewusstlos aufgefunden.

  • Betroffene Person reagiert nicht auf lautes Ansprechen und Anfassen.

So helfen Sie richtig

  • Kontrollieren Sie die Atmung.

  • Bei vorhandener Atmung bringen Sie die betroffene Person in die Seitenlage.

  • Notruf/Alarmieren Sie den Rettungsdienst.

  • Decken Sie die betroffene Person zu (am besten mit der Rettungsdecke).

  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes müssen Sie regelmäßig die Atmung kontrollieren.

Informieren Sie sich vorab bei Betroffenen und Eltern, ob im Notfall mitgeführte Medikamente, z. B. Insulin, verabreicht werden müssen. Hinweise zur Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen bzw. in Schulen finden Sie in den DGUV-Informationen 202-092 bzw. 202-091.

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Typ-1-Diabetes
So wird der meist erblich bedingte Insulinmangel bezeichnet, der oft schon im Kindes- und Jugendalter auftritt (absoluter Insulinmangel).

Typ-2-Diabetes
Hier handelt es sich um den so genannten "Altersdiabetes". Er entwickelt sich langsam über mehrere Jahre, betrifft aber in steigendem Maß inzwischen auch jüngere Menschen (relativer Insulinmangel oder Insulinresistenz).

Akute Baucherkrankungen

Symptome

  • Oft starke Bauchschmerzen. Manchmal schwellen die Schmerzen periodisch an und wieder ab (so genannte Koliken).

  • Begleitet werden die starken Schmerzen/Koliken häufig von einer Anspannung der Bauchdecke.

  • Betroffene sind auffallend blass mit kaltem Schweiß auf der Stirn.

  • Zur Entspannung der Bauchdecke nehmen die Kranken meist auf der Seite liegend eine Schonhaltung mit angezogenen Knien ein.

So helfen Sie richtig

  • Betreuung und Zuwendung sind besonders wichtig.

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  • Notruf/Alarmieren Sie den Rettungsdienst.

  • Sorgen Sie für den Erhalt der Körperwärme - zudecken.

  • Lagern Sie die betroffene Person nach ihren eigenen Wünschen.

    Unterstützen Sie eine eingenommene Schonhaltung z. B. durch eine bequeme Knierolle zur Entspannung der Bauchdecke.

  • Die betroffene Person darf nicht essen, trinken oder rauchen. Auch Medikamente, wie Schmerzmittel, sind verboten.

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Plötzlich auftretende akute Erkrankungen im Bereich des Bauchraums können viele Ursachen haben, z. B. Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase, der Eierstöcke, oft auch des so genannten Blinddarms. Auch Geschwüre im Magen-Darm-Bereich, Steineinklemmungen in den Gallen- und Harnwegen sowie Darmverschlüsse sind möglich.

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine Erkrankung, die nicht nur Erwachsene betrifft, sondern immer häufiger auch Kinder.

Symptome

  • Betroffene haben Luftnot mit schwerer Ein- und Ausatmung und dabei pfeifende Geräusche. Die Betroffenen sitzen aufrecht, ringen nach Luft, haben Angst und sind unruhig; manchmal husten sie zähen Schleim aus.

  • Blau-blasses Aussehen.

  • Zunehmend wird auch das Herz belastet.

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So helfen Sie richtig

  • Sie müssen die kranke Person beruhigen und sie auffordern, ruhig zu atmen, vor allem möglichst tief auszuatmen.

  • Öffnen Sie beengende Kleidung und sorgen Sie für Frischluft.

  • Lagerung mit aufrechtem Oberkörper.

  • Notruf erforderlich.

  • Wenn bei der betroffenen Person vorhanden, sollen die ärztlich verordneten Medikamente, meist Sprays zur Inhalation, angewendet werden. Sie erleichtern die Atmung.

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Die Ursachen für Asthma bronchiale sind vielfältig: Atemwegsinfekte, Allergien, chemische und physikalische Reize, hormonelle Einflüsse oder psychische Faktoren. Die schwere Atemnot wird durch die Verkrampfung der feinen Bronchiolen, bzw. durch Schleimhautschwellung mit Bildung von zähem Schleim in der Lunge, verursacht. Die Inhalation bronchienerweiternder Medikamente bringt den Betroffenen schnell Hilfe

Hinweise zur Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen bzw. in Schulen finden Sie in den DGUV-Informationen 202-092 bzw. 202-091.

Krampfanfälle

Krampfanfälle laufen oft in schwacher Form von der Umgebung unbemerkt ab. Lediglich die schweren, "generalisierten Anfälle" mit Bewusstseinsverlust werden als dramatisches Geschehen wahrgenommen.

Symptome

  • Die betroffene Person bricht plötzlich bewusstlos zusammen, der gesamte Körper verkrampft sich und es treten unkontrollierte Zuckungen auf.

  • Manchmal beißen sich die Krampfenden dabei in die Zunge. Auch kommt es gelegentlich zu einer unkontrollierten Entleerung von Blase und Darm.

  • Die Anfälle dauern selten länger als 1 bis 2 Minuten. Danach sind die Betroffenen zwar wieder bei Bewusstsein, aber noch verwirrt, müde, haben Kopfschmerzen und keine Erinnerung an das Geschehen.

So helfen Sie richtig

  • Greifen Sie nicht in das Krampfgeschehen ein. Versuchen Sie vor allem nicht, die betroffene Person festzuhalten oder sie niederzudrücken.

  • Enfernen Sie Gegenstände im Umfeld, an denen sie sich verletzen könnte. Legen Sie etwas Weiches unter ihren Kopf.

  • Besteht Bewusstlosigkeit, muss die betroffene Person in die Seitenlage.

  • Ggf. entstandene Verletzungen müssen verbunden werden.

  • Wenn die betroffene Person wieder bei Bewusstsein ist, stimmen Sie das weitere Vorgehen mit ihr ab.

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Die Menschen mit einem Krampfleiden (Epilepsie) führen überwiegend ein völlig normales Leben. Medikamente helfen ihnen dabei. Die pädagogischen Fachkräfte sollten über ein Krampfleiden eines Kindes und über die Gabe von Medikamenten informiert sein.