DGUV Information 213-045 - Tätigkeiten mit PCB-haltigen Produkten (bisher: BGI/G...

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Anhang 3, Toxikologie, Verstoffwechselung und Ausscheidung
Anhang 3
Tätigkeiten mit PCB-haltigen Produkten (bisher: BGI/GUV-I 8665)

Anhangteil

Titel: Tätigkeiten mit PCB-haltigen Produkten (bisher: BGI/GUV-I 8665)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-045
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 3 – Toxikologie, Verstoffwechselung und Ausscheidung

Hinsichtlich ihres Verhaltens im Organismus und ihrer Ausscheidung sind drei PCB-Gruppen zu unterscheiden:

  • Koplanare, so genannte dioxinähnliche PCB (DL-PCB). Diese können an den Arylhydrocarbon-Rezeptor (Ah-Rezeptor) der Zellen binden. Besonders hohe Toxizitäts-Äquivalent-Faktoren (TEF) im Vergleich mit dem am stärksten wirksamen 2,3,7,8-Tetrachlor-Dibenzodioxin (TEF= 1) weisen das PCB 126 (TEF = 0,1) und PCB 169 (TEF = 0,01) auf.

  • Niedrigchlorierte PCB: die Verstoffwechselung erfolgt z. T. über die Bildung von Stoffwechselprodukten, die mit dem Urin ausgeschieden werden.

  • Höherchlorierte PCB: die Verstoffwechselung ist gering und langsam, eine Ausscheidung erfolgt großenteils über die Galle und den Stuhlgang.

Grundsätzlich gilt für alle PCB, dass sie, in Abhängigkeit von der Gruppenzugehörigkeit, durch unterschiedliche Isoenzyme des Cytochrom P 450 in einem ersten Schritt oxidativ verstoffwechselt werden. Hierbei bestehen zwischen den einzelnen Gruppen auch fließende Übergänge ("Mischtypen"). Insgesamt ergibt sich hierdurch ein äußerst komplexes Stoffwechselverhalten mit z. T. unterschiedlichen Enzym-Aktivierungen, die angesichts des meist komplexen Kongeneren-Gehaltes von PCB-haltigen Stoffen am Arbeitsplatz vielfältige, teils gleichsinnig, teils gegensinnig wirkende Effekte auf den Organismus entfalten können. Für die PCB werden auch Beeinflussungen bestimmter Hormone, insbesondere im Bereich der Geschlechtshormone und der Cortisolbildung, in z.T. gegensätzlicher Weise beschrieben.

Die Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer PCB-Exposition auf den Menschen beruhen im Wesentlichen auf folgenden Grundlagen:

  • toxikologische Untersuchungen (Zelltestsysteme mit menschlichen und tierischen Zellen; Tierversuche),

  • Vergiftungsfälle durch kontaminierte Nahrungsmittel (1968, Japan; 1979, Südkorea),

  • Studien zu Innenraumbelastungen,

  • Erkenntnisse aus der Arbeitswelt einschließlich Studien an PCB-exponierten Kohorten in der Vergangenheit,

  • Daten aus einem umfangreichen Betreuungsprogramm im Bereich des Recyclings von Hochleistungstransformatoren und -kondensatoren in Deutschland,

  • umweltmedizinische Studien.

Während toxikologische, experimentelle Untersuchungen häufig reproduzierbare Ergebnisse mit bestimmten Zellen beziehungsweise Tierarten, auch unter Eingrenzung der PCB-Vielfalt, ergeben, ist bei Studien am Menschen sowohl im Umwelt- als auch im Arbeitsbereich stets von einer Mischbelastung durch sehr verschiedenen PCB-Kongeneren und zum Teil auch PCDF sowie auch PCDD zu rechnen.

In Studien zu Innenraumbelastungen ergeben sich zusätzlich zu der nahrungsbedingten Hintergrundbelastung vor allem Expositionen durch die leicht flüchtigen niedrigchlorierten PCB. Wesentliche Gesundheitsstörungen bei Erwachsenen sind unter diesen Bedingungen nicht nachgewiesen worden.

Aus den Vergiftungsfällen mit kontaminierter Nahrung sind jeweils über 1.000 Personen hochgradig exponiert gewesen. Hierbei zeigten sich in der Folge gleichartige Krankheitsbilder wie bei hoch exponierten Arbeitern. Wie bei diesen ist eine Kontamination mit PCDF sowie auch PCDD anzunehmen, die jedoch nicht quantifiziert ist.

Am Arbeitsplatz liegen insbesondere Kohortenstudien mit Expositionen aus dem mittleren Drittel des 20. Jahrhunderts vor. Hierbei wurden auch die Beschäftigten in der Herstellung, Wartung und Reparatur von industriellen Hochleistungstransformatoren und -kondensatoren untersucht. Die PCB-Expositionen erreichten Größenordnungen von bis zu circa 3.000 µg PCB/l Blut bzw. Serum. Allerdings liegen aus diesem Zeitraum keine differenzierten Untersuchungen zu den einzelnen PCB-Kongeneren vor; darüber hinaus fehlen konkretisierende Angaben zu zusätzlichen Belastungen mit PCDF/PCDD. Im Vergleich zu den heute bestehenden Untersuchungsmöglichkeiten waren die damals durchgeführten Untersuchungen in ihrer Aussagekraft eingeschränkt, insbesondere auch im Hinblick auf mögliche geringere, subklinische Effekte. Die Untersuchungen begrenzen sich in einzelnen Studien häufig auf wenige, bestimmte Gesundheitsstörungen, so dass häufig kein Gesamtbild der möglichen Gefährdungen bzw. Risikoerhöhungen erhältlich ist.

In vielen Fällen erlauben die Daten keine sichere Abschätzung, inwieweit Risiken für bestimmte Erkrankungen erhöht sind.

Gemeinsam ist diesen Studien, dass sich sichere Dosis-Wirkungs- bzw. Dosis-Risiko-Beziehungen wegen des weitgehenden Fehlens individueller Belastungsmessungen sowie des häufigen Fehlens von Nachuntersuchungen im Sinne einer Längsschnittstudie nicht ableiten lassen.

Neuere Erkenntnisse ergeben sich aus den Daten eines aktuellen Betreuungsprogramms bei Beschäftigten aus dem Recycling-Bereich von industriellen Hochleistungstransformatoren und -kondensatoren. Die diesbezüglich gewonnenen Daten erlauben bislang jedoch ebenfalls (noch) keine epidemiologisch-statistische abgesicherte Risikobewertung.

Unter diesen Gesichtspunkten werden im Folgenden diejenigen Gesundheitsstörungen benannt, die in einer größeren Zahl einzelner Studien als auffällig beschrieben wurden. Hieraus kann nicht zwangsläufig gefolgert werden, dass eine Risikoerhöhung als wissenschaftlich gesichert anzusehen ist. Auf Grund gleichzeitiger Erkenntnisse aus pathophysiologischen Untersuchungen sowie aus toxikologischen und experimentellen Studien ist jedoch die Annahme eines entsprechenden Kausalzusammenhangs mit einer PCB-Exposition begründet.

Beobachtet werden Auffälligkeiten und Erkrankungen in den folgenden Bereichen:

Haut/Schleimhäute

  • Chlorakne

  • Entzündungen/Irritationen

  • Pigmentierungsstörungen

  • Haarausfall

  • Entzündungen der Augenbindehaut

  • Schwellung der Talgdrüsen im Augenbereich

Leber

  • Erhöhung der Leberwerte (Transaminasen, γ-GT)

  • Funktionsstörungen (z. B. Porphyrien)

Hormonsystem

  • Störungen des Schilddrüsenhormonhaushaltes (Schilddrüsenunterfunktion, Antikörper gegen Schilddrüsengewebe)

  • Störungen des Östrogen-/Gestagen-Haushaltes

  • Störungen des Testosteron-Haushaltes

  • Fruchtbarkeitsstörungen

  • Störungen des Cortisolstoffwechsels

Nervensystem

  • periphere Neuropathien

  • Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Gehirns

Stoffwechsel

  • Zuckerkrankheit

  • Blutfetterhöhung

  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Immunsystem

  • Ungleichgewicht des Immunstatus

  • Aktivierung des Immunsystems