DGUV Regel 100-500 - Betreiben von Arbeitsmitteln (DGUV Regel 100-500)

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Kapitel 2.1, Betreiben von Anlagen zur Drahtbe- und -verarbe...
Kapitel 2.1
Betreiben von Arbeitsmitteln (DGUV Regel 100-500)
Titel: Betreiben von Arbeitsmitteln (DGUV Regel 100-500)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 100-500
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Kapitel 2.1 – Betreiben von Anlagen zur Drahtbe- und -verarbeitung

[Inhalte aus bisheriger VBG 7e]

Fachausschuss "Maschinenbau, Hebezeuge, Hütten- und Walzwerksanlagen (MHHW)" der BGZ

Inhaltsverzeichnis

  1. 1

    Anwendungsbereich

  2. 2

    Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei der Arbeit

    1. 2.1

      Überwachung

    2. 2.2

      Einziehzangen an Ziehmaschinen

    3. 2.3

      Ziehmaschinen mit automatischer Sammlungskontrolle

    4. 2.4

      Verseilmaschinen

    5. 2.5

      Beseitigung von Störungen am Draht

    6. 2.6

      Drahtbunde

    7. 2.7

      Verbot des Tragens von Handschuhen für das Arbeiten an Drahtverwindemaschinen

    8. 2.8

      Beschäftigungsbeschränkung

  1. 1

    Anwendungsbereich

    Dieses Kapitel findet Anwendung auf die Be- und Verarbeitung von

    • Metalldraht

      und

    • Ausgangsstoffen, wie Rohre, Bänder und Litzen, die wie Draht be- oder verarbeitet werden, soweit dabei die Produkte Draht oder Drahterzeugnisse sind.

      1.  

        Als Draht kommt vorwiegend gewickelter Rund- und Profildraht in Betracht.

        Hierzu gehört auch ummantelter und überzogener Draht.

        Das Bearbeiten umfasst z.B. das Ziehen, Verwinden, Richten, Rippen, Kerben und Polieren.

        Das Verarbeiten umfasst z.B. das Wickeln, Verseilen, Flechten, Weben, Teilen sowie verschiedene Arten des Umformens, z.B. das Biegen.

  2. 2

    Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei der Arbeit

  3. 2.1

    Überwachung

  4. 2.1.1

    Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass sich vor Beginn einer jeden Schicht oder, wenn dies aus fertigungstechnischen Gründen nicht möglich ist, mindestens vor jedem Einrichten eine mit den Schutzeinrichtungen vertraute Person von deren ordnungsgemäßer Wirkungsweise überzeugt.

    1.  

      Zu den mit den Schutzeinrichtungen vertrauten Personen gehören z.B. die an der Maschine tätigen Personen.

  5. 2.1.2

    Beim Betrieb von Verseilmaschinen und Stacheldrahtherstellungsmaschinen mit Wickelrahmen hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass sich eine mit den Maschinen vertraute Person vor Beginn einer jeden Schicht oder, wenn dies aus fertigungstechnischen Gründen nicht möglich ist, mindestens nach jedem Einrichten, von der ordnungsgemäßen Schließstellung der Spulenbefestigung überzeugt.

  6. 2.2

    Einziehzangen an Ziehmaschinen

  7. 2.2.1

    Nichtabnehmbare Einziehzangen an Zieh- und Fertigscheiben von Ziehmaschinen müssen nach dem Einziehen des Drahtes gegen Abschleudern gesichert werden.

  8. 2.2.2

    Einziehzangen, die von Zieh- und Fertigscheiben abgenommen werden, müssen so abgelegt werden, dass sie nicht vom Draht oder den Scheiben weggeschleudert werden können.

  9. 2.3

    Ziehmaschinen mit automatischer Sammlungskontrolle

    Bei Ziehmaschinen mit automatischer Sammlungskontrolle dürfen Verrichtungen vor ziehenden Scheiben nur vorgenommen und der Raum zwischen Ablaufeinrichtung und Ziehmaschine nur betreten werden, nachdem die ziehende Scheibe durch die Bedienungsperson stillgesetzt worden ist. Ein Wiedereinschalten ist erst zulässig, nachdem sich die Bedienungsperson überzeugt hat, dass sich niemand in diesen Gefahrbereichen befindet.

  10. 2.4

    Verseilmaschinen

  11. 2.4.1

    Für die Durchführung von Rüstarbeiten an Korbverseilmaschinen sind die vorhandenen Einrichtungen bestimmungsgemäß zu benutzen. Können sich Personen zur Durchführung von Rüstarbeiten an Korbverseilmaschinen in Verseilkörbe begeben, sind die vorhandenen Einrichtungen zur Verhinderung von Bewegungen der Verseilkörbe zu benutzen.

    1.  

      Einrichtungen zur Durchführung von Rüstarbeiten sind z.B. Arbeitsbühnen oder Beschickungseinrichtungen.

      Einrichtungen zur Verhinderung von Bewegungen der Verseilkörbe sind z.B.

      • abschließbare Schalter zur Trennung der Antriebsenergie

        und

      • sicher wirkende Bremsen oder Sperren.

  12. 2.4.2

    Der Innenraum schnelllaufender Verseilmaschinen muss von Fremdkörpern und gefährlichen Ablagerungen, die eine Unwucht bilden oder bei hohen Drehzahlen herausgeschleudert werden können, freigehalten werden.

  13. 2.4.3

    Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass bei schnelllaufenden Verseilmaschinen die Lager der Gefahr bringenden Teile in den Zeitabständen abgeschmiert und gewechselt werden, die vom Hersteller der Verseilmaschine oder des Lagers angegeben sind. Sind solche Angaben nicht vorhanden, so hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass die Lager nach von ihm schriftlich festgelegten Angaben abgeschmiert und gewechselt werden.

    1.  

      Schnelllaufende Verseilmaschinen sind Rohr-, Bügel- und rotorlose Verseilmaschinen.

      Auch Korb- und Sternverseilmaschinen können schnelllaufend sein.

  14. 2.5

    Beseitigung von Störungen am Draht

    Die Beseitigung von Störungen am Draht darf nicht bei laufendem Draht vorgenommen werden.

    1.  

      Störungen am Draht können z.B. durch die Bildung von Schlingen oder Knoten sowie beim Verwinden, Wickeln oder Verarbeiten entstehen.

  15. 2.6

    Drahtbunde

    Beim Abnehmen von Drahtbunden von Maschinen und vor jedem Transport sind die Drahtenden festzulegen, sofern die Gefahr besteht, dass die Drahtenden hervorstehen oder sich lösen. Dies gilt nicht für Drahtbunde, deren Enden für die weitere Be- oder Verarbeitung gerade sein müssen.

    1.  

      Dies wird z.B. erreicht, wenn

      • Drahtenden am Anfang der Drahtbunde so zwischen die Drahtumgänge gesteckt werden, dass sie nicht herausspringen können,

      • Drahtenden so umgebogen werden, dass sie nicht aus dem Drahtbund herausstehen

        oder

      • Drahtenden bzw. Drahtbunde mit Bindedraht oder dergleichen umwickelt und auch die Enden des Bindedrahtes verwahrt werden.

  16. 2.7

    Verbot des Tragens von Handschuhen für das Arbeiten an Drahtverwindemaschinen

    Handschuhe dürfen an Arbeitsplätzen an Drahtverwindemaschinen, an denen Versicherte sich drehenden Draht anfassen können, nicht getragen werden.

  17. 2.8

    Beschäftigungsbeschränkung

  18. 2.8.1

    Jugendliche dürfen nicht an Zieh- und Verseilmaschinen beschäftigt werden.

  19. 2.8.2

    Abschnitt 2.8.1 gilt nicht für die Beschäftigung Jugendlicher über 16 Jahre, soweit

    1. 1.

      dies zur Erreichung ihres Ausbildungszieles erforderlich ist

      und

    2. 2.

      ihr Schutz durch einen Aufsichtführenden gewährleistet ist.

      1.  

        Aufsichtführender ist, wer die Durchführung von Arbeiten zu überwachen und für die betriebssichere Ausführung zu sorgen hat. Er muss hierfür ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen besitzen sowie weisungsbefugt sein.

        Hinsichtlich Beschäftigungsbeschränkungen siehe Jugendarbeitsschutzgesetz.

  20. 2.8.3

    Versicherte, die erstmals an Zieh- und Verseilmaschinen beschäftigt werden, müssen bis zum Abschluss der Einarbeitung durch einen Fachkundigen beaufsichtigt werden.

    1.  

      Fachkundiger ist, wer auf Grund seiner fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse auf dem Gebiet der Drahtbe- und -verarbeitung hat, so dass er den arbeitssicheren Zustand von Anlagen zur Drahtbe- und -verarbeitung beurteilen kann.