DGUV Regel 101-023 - Einsatz von Forschungstauchern (bisher: BGR/GUV-R 2112)

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Anhang 4, Ausbildungsplan
Anhang 4
Einsatz von Forschungstauchern (bisher: BGR/GUV-R 2112)

Anhangteil

Titel: Einsatz von Forschungstauchern (bisher: BGR/GUV-R 2112)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 101-023
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 4 – Ausbildungsplan

Teilnahmevoraussetzungen:

  • Ausbildung muss der beruflichen Fort- und Weiterbildung dienen, bzw. im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses erforderlich sein,

  • gültige Tauchtauglichkeitsuntersuchung G 31,

  • Deutsches Rettungsschwimmabzeichen Silber oder ein Nachweis entsprechender Leistungen (ausbildungsbegleitend möglich),

  • Erste-Hilfe-Ausbildung, nicht älter als zwei Jahre (ausbildungsbegleitend möglich).

Gesamte Ausbildungsdauer mind. 240 Stunden

  1. 1

    praktische Ausbildung

    (mindestens 186 Stunden)

  2. 1.1

    Schwimmen und Schnorcheln

    20 Stunden (Schwimmen sowie Tauchen mit ABC und dem aLTG)

  3. 1.1.1

    Schwimm- und Tauchleistungen ohne ABC-Ausrüstung

    • zwei unterschiedliche Schwimmtechniken Brust-/Freistil sollen beherrscht werden,

    • konditionelle Anforderungen, Tauchfähigkeiten und Rettungsmaßnahmen gemäß Deutsches Rettungsschwimmabzeichen "Silber".

  4. 1.1.2

    Schwimm- und Tauchleistungen mit ABC-Ausrüstung

    • korrekter Flossenschlag,

    • Ausblasen des Schnorchels,

    • Schnorcheln ohne Maske,

    • Abtauchen kopfwärts und fußwärts,

    • Techniken zum Druckausgleich (Schlucken, Valsalva),

    • Beim Tauchen: ständige Partnerkontrolle, klare Zeichengebung, umsichtiges, ruhiges Bewegen unter Wasser, beim Auftauchen Sicherung nach Oben,

    • 1.000 m Schwimmen mit Flossen und Maske < 18 Minuten,

    • Maske antauchen, anlegen und ausblasen,

    • mind. 40 m Streckentauchen unter ständiger Beobachtung (allein oder als Gruppe),

    • 1 Minute Zeittauchen unter leichter Bewegung,

    • Knoten in Apnoe: halber Schlag, Kreuzknoten, Palstek, Schotstek, Webleinstek/Mastwurf, Achtknoten,

    • Rettung mit ABC (Antauchen, Rettungan die Oberfläche, 50 m Abschleppen, Rettung an Land, stabile Seitenlage).

  5. 1.2

    Tauchfähigkeiten mit dem aLTG

    • 30 Tauchstunden mit mind. 70 Freiwassertauchgängen, davon:

      • 10 Tauchgänge zwischen 15-24 m und

      • 5 Tauchgänge tiefer als 25 m.

  6. 1.2.1

    Allgemeine Tauchfähigkeiten mit aLTG und Vollmaske

    • Unterwasser-Handzeichen,

    • Tarieren mit Lunge und Tariermittel, sicheres Einhalten eines Bodenabstandes mit und ohne Flossen,

    • Einhalten von Haltestufen, bzw. eines Sicherheitsstopps,

    • Umgang mit dem Trockentauchanzug,

    • Blind tauchen,

    • Maske ausblasen,

    • Maske absetzen, angeln, aufsetzen und ausblasen,

    • Gerät ab- und anlegen,

    • Gerät antauchen (im Freiwasser optional),

    • Wechselatmung im Stand, im Schweben, im Schwimmen,

    • Wechselatmung mit Aufstieg (im Freiwasser optional),

    • Atmung aus dem Zweitregler/Oktopus für wenigstens 3 Minuten ohne Maske,

    • Notaufstieg am Grundtau aus ca. 6-10 m Tiefe mit dem eigenen Zweitregler/Oktopus ohne Maske,

    • Notaufstieg am Grundtau aus ca. 6-10 m Tiefe mit dem Zweitregler/Oktopus des Sicherungstauchers ohne Maske,

    • Umgang mit der Signalleine (geführt und am Blub),

    • Tauchen mit einem Partner mit und ohne Handleine,

    • Eigenrettung an die Oberfläche z.B. Bleiabwurf und/oder kontrollierter Aufstieg mit Tarier-Rettungseinrichtung (mechanische Aufblasvorrichtung/Notflasche).

  7. 1.2.2

    Notfall- und Rettungsübungen

    (mind. 6 Tauchgänge)

    • Rettung mit aLTG (kontrolliert Austauchen, 50 m Schleppen, Ausrüstung ablegen, an Land stabile Seitenlage),

    • Rettung eines bewusstlosen Tauchers im Freiwasser (4-10 m Tiefe) mit voll ausgetauchter Signalleine, Verbringen zum Ufer oder Fahrzeug, Rettung an Land, bzw. Deck, Kontrolle der Vitalfunktionen, stabile Seitenlage,

    • Neurologische Erstuntersuchung,

    • Aktivierung der Rettungskette,

    • Anwendung von normobarem Sauerstoff.

  8. 1.2.3

    Spezielle Tauchfähigkeiten zur Durchführung wissenschaftlicher Aufgaben

    (20 Tauchgänge)

  9. 1.2.3.1

    Grundlagen

    • Gewöhnung an Arbeit, wie: z.B.: Sägen, Hämmern, Meißeln,

    • Suchübungen,

    • Markierung von Objekten und Gebieten: z.B.: Bojen setzen, Transekte auslegen, Zählrahmen und -gitter errichten, Einrichten einer Grundvermessung,

    • Bergeübung: Arbeiten mit Hebesack oder anderen Auftriebskörpern,

    • Umgang mit Leinen: Anfertigen von Knoten mit Handschuhen, Leinenverkürzung,

    • Orientierungstauchen mit Kompass: z.B. Dreieck- und Viereckkurs, je links und rechts abtauchen,

    • Messungen: z.B. Thermometer, Meterstab, Bandmaß, Schieblehre,

    • Dokumentation: Schreibtafel (Zählung, Messergebnisse, Zeichnungen), (digitale) Unterwasseraufnahmen (falls möglich),

    • Probennahme/Ausgrabungstechniken.

  10. 1.3

    Taucherdienst

    (136 Stunden)

  11. 1.3.1

    Zusammenarbeit in der Tauchgruppe

    • Taucheinsatzleitung: Planung, Gefährdungsermittlung, Unterweisung, Kennzeichnung der Tauchstelle, Überwachung, Maßnahmen bei Störungen, Rettungskette,

    • Tätigkeit als Signalmann/-frau, Ausrüsten des Einsatztauchers, Kontrolle der Ausrüstung, Abfragen der Signale, Hilfestellung/Sicherung, Kommunikation und Überwachungwährend des Tauchgangs, Abrüsten, Störungen erkennen und melden, Hilfe in Notfällen,

    • Rettungseinsatz (Sicherungstaucher) unverzügliches Komplettieren der Ausrüstung, zügiges Abtauchen, Beurteilung der Situation, Hilfeleistung, Rettung an die Oberfläche, ggfs. Transport zum Ufer/Land/Fahrzeug, Hilfe bei weiteren Rettungsmaßnahmen an Land.

  12. 1.3.2

    Notfallübungen in der Tauchgruppe

    Durchführung der unter 1.2.2 aufgeführten Maßnahmen in einer Tauchgruppe.

  13. 1.3.3

    Arbeitseinsätze in der Tauchgruppe

    Planung und Durchführung der unter 1.2.3 aufgeführten Methoden in einer Tauchgruppe.

  14. 1.3.4

    Praxis

    Bedienung, Anwendung und Pflege der Geräte, Tauchhygiene.

  15. 1.3.5

    Seemannschaft

    • Führen, Sichern und Verankern eines Bootes (wenn Boot vorhanden),

    • Knoten und Leinen, Seilarten (Eigenschaften).

  16. 2

    Theoretische Ausbildung

    (54 Stunden)

  17. 2.1

    Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

    (10 Stunden)

  18. 2.1.1

    Rechtsgrundlagen

    Straf- und Zivilrecht, Haftung, gesetzliche Unfallversicherung, SGB VII, Unfallversicherungsträger.

  19. 2.1.2

    Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

    Arbeitsschutzgesetz, Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG), Betriebssicherheitsverordnung, Unfallverhütungsvorschriften, Regel "Einsatz von Forschungstauchern", Normen.

  20. 2.2

    Taucheinsatzplanung

    (4 Stunden)

  21. 2.2.1

    Planung

    Tauchgenehmigung, Informationsbeschaffung, Gefährdungsbeurteilung, Festlegen zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen, Notfallplanung, Erstellen des Tauchplanes

  22. 2.2.2

    Durchführung

    • Anforderungen an Taucheinsatzleiter, Signalmann und Taucher,

    • Verantwortlichkeiten,

    • Tauchen unter erschwerten Bedingungen,

    • Anwendung der Austauchtabellen,

    • Fliegen nach dem Tauchen.

  23. 2.3

    Naturwissenschaftliche Grundlagen

    (6 Stunden)

  24. 2.3.1

    SI-Einheiten

  25. 2.3.2

    physkalische Eigenschaften H20

    • Dichte,

    • Druck,

    • Auftrieb (Gesetz von Archimedes),

    • Optik,

    • Akustik,

    • Thermische Eigenschaften,

    • Strömungseigenschaften.

  26. 2.3.3

    Gasgesetze

    • Atemgase und ihre Zusammensetzung: Luft, Nitrox (Heliox, Hydrox, Trimix nur erwähnen),

    • Ideale und Reale Gase,

    • Molekülbewegung, Diffusion, Fick'sches Prinzip,

    • Gesetz von Dalton,

    • Gesetz von Boyle-Mariotte,

    • Gesetz von Henry,

    • Gesetz von Gay Lussac,

    • Joule-Thompson-Effekt,

    • Strömungseigenschaften.

  27. 2.4

    Medizin

    (16 Stunden)

  28. 2.4.1

    Anatomie und Physiologie

    Aufbau und Funktion Atmung und Herz-Kreislauf, Reflexe, Diurese (Immersions- und Kältediurese).

  29. 2.4.2

    Probleme der Kompressionsphase

    Barotrauma (Ursache, Symptome, Behandlung) verschiedene natürliche und künstliche Hohlräume, flexible und halbflexible Hohlräume (Schädelhöhlen mit Schwerpunkt Ohr (Außen-, Mittel-, Innenohr), Lunge, Magen/Darm, Haut, Augen, Zähne).

  30. 2.4.3

    Probleme der Isopressionsphase

    Vergiftungen [N2, O2 (akut/subakut), CO2 (erhöhter Gehalt im Atemgas, Essoufflement), CO]: Grenzwerte, Ursachen, Symptome, Behandlung, Prophylaxe.

  31. 2.4.4

    Probleme der Dekompressionsphase

  32. 2.4.4.1

    Überdruckbarotrauma der Lunge

    Ursachen, Auswirkungen [arterielle Gasembolie (AGE), Pneumothorax (Spannungs- und Ventilpneumothorax), Emphyseme].

  33. 2.4.4.2

    Dekompressionskrankheit (DCS)

    Gesetz von Henry, N2-Aufnahme und -Abgabe in verschiedenen Kompartimenten, Klassifizierung der DCS (I und II) mit Symptomen, Behandlung, Prophylaxe, Risikofaktoren (H2O-Mangel, Kälte, Hitze, Bewegung, Fett, Bergsee, Wiederholungs- und Jojo-Tauchen, Shunts) Hintergrund und Anwendung der Austauchtabelle, Tauchcomputer als sinnvolles Zusatzinstrument

  34. 2.4.5

    Sonstige Probleme

    Ertrinken/Beinaheertrinken, Unterkühlung, Hitzeschäden (Oberflächenmannschaft), Black-Outs (Schwimmbad, Flachwasser), gefährliche Meerestiere/Organismen, Dehydratation, Gehörgangsentzündung, Bedeutung der Ernährung, Wirkung von Tabakrauch, Alkohol und anderen Drogen

  35. 2.4.6

    Erste Hilfe bei Tauchunfällen

    Normobare Sauerstoffgabe und Flüssigkeitszufuhr, Rettungskette, Lagerung, HLW

  36. 2.5

    Gerätekunde

    (12 Stunden)

  37. 2.5.1

    Arbeitsmittel

  38. 2.5.2

    ABC-Ausrüstung

  39. 2.5.3

    Kälteschutz

  40. 2.5.4

    Atemregler

    Definition Tauchgerät, DIN EN 250, Ventilarten (up-, downstream), Aufbau/Funktion Druckminderer und Lungenautomat, Bedienung, Pflege, Wartung und Desinfektion, Kompensation, Vereisung (Innere, Äußere, Co-Faktoren, Vorbeugung), Hilfseinrichtungen (Injektor, Venturidüse, Federeinstellung), Zweitregler, Oktopus

  41. 2.5.5

    Druckbehälter und Ventile

    Aufbau, Materialien, Kennzeichnung (Luft, Nitrox, O2), Prüfung, Prüffristen, Betriebssicherheitsverordnung, Umgang, Sicherheitseinrichtungen nach DIN EN 250, Transport (Gefahrengutverordnung Straße/ADR), Lagerung, Aufbau und Funktion Ventil (inkl. Reserveschaltung)

  42. 2.5.6

    Verdichter (Atemluft-Kompressor)

    Bauartunterschiede (Typen), Aufbau, Funktion, DIN EN 12021, Filter, Sicherheitseinrichtungen, Umgang (Aufstellung, Ölarten), Unterweisung

  43. 2.5.7

    Rettungs- und Tariermittel

    Definition (Schwimmwesten, kombinierte Rettungs- und Tariermittel DIN EN 12628, Tariermittel DIN EN 1809), Aufbau, Bedienung, Pflege

  44. 2.5.8

    Instrumente

    Manometer, Tiefenmessung, Kompass, Tauchcomputer

  45. 2.5.9

    Systeme zur Gabe normobaren Sauerstoffs

    offene und geschlossene Systeme, Unterschiede, Vor- und Nachteile, Beatmungsmöglichkeiten, Anwendung, Protokollführung

  46. 2.5.10

    Taucherdruckkammer

    BGR 235, DIN 13 256, Aufbau, Funktion, Behandlungsschemata

  47. 2.6

    Wissenschaftliche Arbeitsmethoden unter Wasser

    (6 Stunden)

    • Orientierung über und unter Wasser, Positionsbestimmung (Peilungen, Karten, GPS),

    • Markierung,

    • Dokumentation,

    • Probennahme,

    • Hilfsgeräte (UW-Sauger, Scooter, Metallsuchgeräte, elektronische UW-Ortungsgeräte),

    • Verfahren aus den Teildisziplinen.