DGUV Information 213-026 - Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einf...

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Abschnitt 11.3, Häufig vorkommende Gefahrstoffe, deren Gesun...
Abschnitt 11.3
Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einführung für Studierende (bisher: BGI/GUV-I 8553)
Titel: Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einführung für Studierende (bisher: BGI/GUV-I 8553)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-026
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 11.3 – Häufig vorkommende Gefahrstoffe, deren Gesundheitsgefahren und Maßnahmen zur Ersten Hilfe

Für einige wichtige Gefahrstoffe sind im Folgenden Wirkungen und Symptome sowie Maßnahmen zur Ersten Hilfe aufgeführt. Literatur:

  • Information "Erste Hilfe bei Einwirkung gefährlicher chemischer Stoffe" (GUV-I 8504)

  • R. Kühn, K. Birett: "Merkblätter gefährliche Arbeitsstoffe", Ecomed-Verlag, Landsberg

Die in der Tabelle aufgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen sollen die allgemeinen Maßnahmen ergänzen bzw. erläutern, aber auf keinen Fall die ärztliche Hilfe ersetzen.

Darüber hinaus sind folgende generelle Maßnahmen und Hinweise zur Ersten Hilfe zu beachten:

  1. Der Ersthelfer muss unbedingt darauf achten, sich selbst zu schützen.

  2. Den Verletzten aus der Gefahrenzone entfernen.

  3. Kontaminierte Kleidung ablegen.

  4. Den Verletzten ruhig lagern und vor Wärmeverlust schützen.

  5. Erbrechen kann durch Reizung des Kehlkopfzäpfchens mit dem Finger angeregt werden.

  6. Falls Medizinalkohle verabreicht wird: 3 Esslöffel in 1 Glas Wasser aufschwemmen.

  7. Bei Bewusstlosen darf keinesfalls Erbrechen angeregt oder Flüssigkeit eingeflößt werden. Auf stabile Seitenlage achten.

  8. Sauerstoff darf nur durch den Arzt oder Ersthelfer mit Zusatzausbildung mit dafür vorgesehenen Sauerstoffgeräten gegeben werden.

GefahrstoffWirkung/SymptomeErste Hilfe
AmmoniakReizt die Haut und Schleimhäute, ätzend, giftig beim Einatmen.Augen und Haut mit viel Wasser spülen,
 benetzte Kleidung entfernen.
 Nach Einatmen Frischluft.
ArsenKapillarlähmung.
Kreislaufkollaps, nach Staubinhalation Brustschmerz. Nach Verschlucken Magenkrämpfe, blutige Durchfälle, Koliken.
Sofort zum Arzt,
 Magenspülung.
ArsenwasserstoffMethämoglobinbildung. Atemnot, Unwohlsein, Brennen betroffener Körperteile. Mehrstündige Latenzzeit.Haut und Augen mit viel Wasser spülen.
 Nach Einatmen Frischluft oder Sauerstoff.
BariumverbindungenLähmung der Muskeln, Brechdurchfall. Nur lösliche Bariumverbindungen sind gesundheitsschädlich, nicht dagegen z.B. Bariumsulfat.Haut und Augen mit viel Wasser spülen.
 Nach Verschlucken Erbrechen anregen und 2 bis 5%ige Natriumsulfatlösung verabreichen.
BenzolGeringe Schleimhautreizung, narkotische Wirkung, kann Krebs erzeugen. Kopfschmerz, Schwindel, Erbrechen, Erregungszustände.Augen mit viel Wasser spülen.
 Haut mit Wasser und Seife waschen.
 Nach Einatmen Frischluft.
 Nach Verschlucken Medizinalkohle.
BromÄtzend für Haut und Schleimhäute. Brennen, Blasenbildung, Husten, Kurzatmigkeit, Erstickungsanfälle. Mit Latenzzeit Lungenödem möglich.Augen und Haut mit viel Wasser spülen (ggf. betroffene Hautstellen mit 3%iger Natriumthiosulfatlösung waschen).
 Nach Einatmen Frischluft.
ChlorStarkes Reizgas, verätzt Haut und Schleimhäute. Hustenreiz, Erstickungsanfalle. Mit Latenzzeit Lungenödem möglich.Atemschutz des Helfers!
 Augen mit viel Wasser spülen,
 Haut mit Wasser und Seife waschen.
 Nach Einatmen Frischluft.
Chlorwasserstoff
(Salzsäuregas)
Starkes Reizgas, verätzt Haut und Schleimhäute. Bei Einatmen (ggf. mit Latenzzeit) Atemnot. Lungenödem möglich.Augen und Haut mit viel Wasser spülen,
 kontaminierte Kleidung entfernen.
 Nach Einatmen Frischluft.
Salzsäuresiehe Säuren allgemein  
ChromateReizung von Haut und Schleimhäuten, ggf. Verätzung, Geschwürbildung (Eiweißausfällung durch Cr VI). Einige Chromate können Krebs erzeugen.Augen mit viel Wasser spülen.
 Haut mit Wasser und Seife waschen.
 Nach Verschlucken Erbrechen auslösen.
Cyanwasserstoff
(Blausäure)
Blockierung der Zellatmung. Halskratzen, Schwindel, Atemnot. Gerötetes Gesicht, Bittermandelgeruch der Ausatemluft. Krämpfe, Ohnmacht, Atem- und Herzstillstand. Schnelle Aufnahme über Haut (Schwitzen) möglich.Atemschutz des Helfers, sofort handeln!
 Augen und Haut mit viel Wasser spülen.
 Kontaminierte Kleidung entfernen.
 Nach Einatmung Frischluft, Beatmung nach Möglichkeit mit Schlauchgerät.
 Nach Verschlucken Wasser trinken lassen, Erbrechen anregen, Medizinalkohle geben.
 Bei Bewusstlosigkeit 5 ml 4-DMAP (4-Dimethylaminophenol) in die Mitte des Oberschenkels injizieren ("Blausäurebesteck").
 Sofortige ärztliche Hilfe!
Fluorwasserstoff
(Flusssäure)
Sehr giftig und stark ätzend. Verursacht schwere, tief gehende Verätzungen. Starke Schmerzen oft erst nach Stunden. Mit Latenzzeit Lungenödem möglich.Schnelles Handeln!
 Augen und Haut mit viel Wasser spülen.
 Kontaminierte Kleidung entfernen (ggf. Vollbad mit 1%iger Calciumgluconatlösung).
 Calciumgluconatgel auf betroffene Haut auftragen.
 Nach Einatmen Frischluft, absolute Ruhe, Wärmeverlust ausgleichen.
 Nach Verschlucken kein Erbrechen anregen, Calciumgluconatlösung zum Trinken geben.
 Sofort liegend ins Krankenhaus!
Halogenkohlenwasserstoffe (Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff, Trichlorethylen usw.)Sofortwirkung: Euphorie, Verwirrtsein, Narkose, Atemlähmung, Kammerflimmern. Schädigung von Leber, Niere und Gehirn möglich. Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial.Augen mit viel Wasser spülen.
 Haut mit Wasser und Seife waschen.
Kontaminierte Kleidung entfernen.
 Nach Einatmen: Frischluft bzw. Sauerstoff.
 Nach Verschlucken Medizinalkohle geben.
JodReizung von Haut und Schleimhäuten, Husten, Schnupfen. Hautkontakt führt zu Depigmentierungen. Nach Verschlucken starke Beschwerden im Magen/Darm-Bereich, Kollaps.Augen mit viel Wasser spülen.
 Haut mit Wasser und Seife waschen.
 Nach Einatmen Frischluft.
 Nach Verschlucken: Milch trinken lassen.
KohlenmonoxidBlockiert Sauerstofftransport im Blut. Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Ohrensausen, Augenflimmern, Erregungszustände. Hohe Konzentrationen tödlich.Schnelles Handeln!
 Nach Einatmen: Frischluft bzw. Sauerstoff-Beatmung.
 Vor Wärmeverlust schützen.
Laugen
(allgemein)
Je nach Konzentration Reizung oder Verätzung. Rötung, Ekzembildung, Hautdefekte. Besonders gefährlich für die Augen. Nach Verschlucken Gefahr des Magendurchbruchs.Augen 10-15 Minuten bei geöffnetem Auge ausspülen.
 Danach sofort zum Augenarzt (Krankenwagen).
 Haut mit viel Wasser abspülen.
 Nach Verschlucken viel Wasser trinken lassen.
 Erbrechen nicht anregen!
MethanolNarkose, Azidose, Erblindung. Schwindel, Schwäche, Sehstörungen, Erbrechen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Latenzzeit beachten. Hautresorption möglich!Haut u. Augen mit viel Wasser spülen.
 Nach Einatmen: Frischluft bzw. Sauerstoff, vor Wärmeverlust schützen.
 Nach Verschlucken Erbrechen anregen, Medizinalkohle verabreichen, Arzt!
NitriteVergiftungsgefahr durch Methämoglobinbildung. Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufkollaps.Nach Verschlucken Wasser trinken lassen, Erbrechen provozieren.
Nitrose GaseReizgas. Hustenreiz, Atemnot, nach mehrstündiger Latenzzeit Lungenödem möglich (Erstickungsanfälle).Atemschutz des Helfers!
 Nach Einatmen Frischluft bzw. Sauerstoff, ruhig lagern.
 Wärmeverlust vermeiden.
 Ärztliche Überwachung.
OxalsäureGewebe verarmt an Calcium durch Bildung von Calciumoxalat. Stark ätzend, Hautresorption möglich. Nach Einatmen Hustenreiz und Atemnot. Nach Verschlucken Übelkeit und blutiges Erbrechen.Haut u. Augen mit viel Wasser spülen,
 Kontaminierte Kleidung entfernen.
 Nach Einatmen: Frischluft bzw. Sauerstoff.
 Nach Verschlucken: viel Wasser, ggf. Calciumgluconatlösung trinken lassen.
PhosgenReizgas. Husten- und Tränenreiz, Druckgefühl in der Brust, nach mehrstündiger Latenzzeit Lungenödem möglich (Erstickungsgefahr).Atemschutz des Helfers!
 Nach Einatmen Frischluft.
 Ruhig lagern,
 Wärmeverlust vermeiden.
 Ärztliche Überwachung!
SchwefelwasserstoffReizt stark die Schleimhäute, Nervengift. Reizhusten, Benommenheit, Atemnot. Bei höheren Konzentrationen Lähmung des Geruchsinns. Lungenödem möglich.Atemschutz des Helfers!
 Bei Haut- und Augenkontakt mit viel Wasser spülen.
 Unbedingt Augenarzt aufsuchen (Hornhautschädigung).
 Nach Einatmen: Frischluft, besser Sauerstoff.
 Ärztliche Überwachung.
Säuren
(allgemein)
Je nach Konzentration Reizung oder Verätzung. Nach Verschlucken Gefahr des Magen- und Speiseröhrendurchbruchs. Bei Resorption großer Mengen Ansäuerung des Blutes (Azidose).Auge: bei geöffnetem Auge 10-15 Minuten spülen.
 Danach sofort zum Augenarzt (Krankenwagen).
 Haut gut mit Wasser abspülen.
 Nach Verschlucken viel Wasser trinken lassen, keine Neutralisationsversuche!
 Kein Erbrechen provozieren!
SalpetersäureVgl. Säuren allgemein, Bildung nitroser Gase möglich (siehe nitrose Gase). 
SilbernitratÄtzend insbesondere für Augen- und Atemwege. Schwarzfärbung, ggf. Geschwürbildung der Haut. Brennen der Schleimhäute, Durchfall.Augen u. Haut mit viel Wasser spülen.
 Nach Verschlucken 10%ige Kochsalzlösung trinken,
 Erbrechen provozieren, mit viel Wasser Mund und Rachen ausspülen.
ToluolReizt Augen und Schleimhäute, wirkt narkotisch. Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung.Augen mit viel Wasser spülen.
 Haut mit viel Wasser und Seife reinigen.
 Nach Einatmen: Frischluft.
 Nach Verschlucken: Gabe von Medizinalkohle.
ThalliumSchleichender Verlauf der Vergiftung. Erbrechen, Überempfindlichkeit der Sinnes- und Gefühlsnerven, Haarausfall.Nach Verschlucken: Erbrechen anregen, Gabe von Medizinalkohle, Arzt!