DGUV Information 211-031 - Einsatz von bordeigenen Kommunikations- und Informati...

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Anhang 2, Grundsätze einer ergonomischen Dialoggestaltung
Anhang 2
Einsatz von bordeigenen Kommunikations- und Informationssystemen mit Bildschirmen an Fahrerarbeitsplätzen (bisher: BGI/GUV-I 8696)

Anhangteil

Titel: Einsatz von bordeigenen Kommunikations- und Informationssystemen mit Bildschirmen an Fahrerarbeitsplätzen (bisher: BGI/GUV-I 8696)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 211-031
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 2 – Grundsätze einer ergonomischen Dialoggestaltung

Die internationale Norm DIN EN ISO 9241-110 führt sieben nachfolgend beschriebene Grundsätze der nutzergerechten Dialoggestaltung für informationstechnische Anwendungssysteme auf.

Diese Grundsätze sollen dazu dienen, geeignete Software auszuwählen bzw. zu gestalten. Sie sind auch auf Bildschirmgeräte an Fahrerarbeitsplätzen anwendbar.

A2.1
Aufgabenangemessenheit

Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.

Beispiele:

  • Freie Eingabefelder werden mit sinnvollen Standardwerten belegt, die der Anwender einfach übernehmen kann (z.B. aktuelles Datum bei Datumseingabefeld).

  • Eingabefelder, bei denen eine sinnvolle Vorbelegung nicht möglich ist, bieten frühere Eingaben mit automatischer Eingabeergänzung an (z.B. freie Suchfelder).

  • Spezielle Eingabefelder, die nur Werte aus einer bestimmten Wertemenge aufnehmen dürfen, werden mit Auswahllisten für diese Werte versehen (z.B. Lieferant).

  • Eingabefelder, die Werte eines spezifischen Formates aufnehmen sollen, werden mit einer automatischen Formatprüfung versehen (z.B. Email).

  • Es werden nur solche Dialogelemente angezeigt, die für die Arbeitsaufgabe tatsächlich benötigt werden.

A2.2
Selbstbeschreibungsfähigkeit

Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird.

Beispiele:

  • Falls eine Eingabe seitens des Anwenders erwartet wird, zeigt das System dies eindeutig an.

  • Intern ablaufende Datenverarbeitungsschritte sowie Zustandswechsel des Systems werden dem Anwender durch eine aktive Anzeige (z.B. rotierendes alphanumerisches Zeichen, wachsende Zeichenkette, Ampel) angezeigt.

  • Es existiert ein Online-Hilfesystem, das bei Bedarf jeden Arbeitsschritt erläutert. Im optimalen Fall kann der Anwender zwischen Übersichts- und Detailinformationen auswählen.

A2.3
Steuerbarkeit

Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.

Beispiele:

  • Vom System wird keine Arbeitsgeschwindigkeit vorgegeben, der Anwender wird weder im Arbeitsablauf gehemmt, noch zu schnellerem Arbeiten genötigt.

  • Der Anwender kann je nach Erfahrungsstand zwischen verschiedenen Nutzungsarten wählen (z.B. Menüführung, Transaktionscodes).

  • Dialoge können unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden (z.B. nach Pausen) oder ganz abgebrochen werden.

  • Ausgelöste Aktionen können bis zu einem gewissen Grad von Anwender selbst rückgängig gemacht werden.

A2.4
Erwartungskonformität

Ein Dialog ist erwartungskonform (d.h. verlässlich), wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z.B. seinen Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet, seiner Ausbildung und seiner Erfahrung sowie allgemein anerkannten Konventionen.

Beispiele:

  • Funktionstasten werden in allen Dialogen gleichartig verwendet.

  • Alle Dialoge sind nach einem einheitlichen Schema aufgebaut und verhalten sich dem Anwender gegenüber weitestgehend einheitlich.

  • Die Antwortzeiten des Systems auf Anwendereingaben und Funktionsauslösungen sind gleichbleibend. Bei stark unterschiedlichen Klassen von Funktionen ist dies zumindest innerhalb einer Funktionsklasse der Fall.

A2.5
Fehlertoleranz

Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand seitens des Benutzers erreicht werden kann.

Beispiele:

  • Bei Fehleingaben oder Fehlbedienung geht das System nicht in einen undefinierten Zustand und stürzt auch nicht ab sondern behandelt Fehler kontrolliert.

  • Der Anwender erhält aussagekräftige Rückmeldungen über Fehler. Einfache akustische Signale mit Annahmeverweigerung der Fehleingabe bzw. -bedienung sowie Fehlermeldungen, die für alle Arten von Fehlern lediglich "Fehler" rückmelden, sind nickt ausreichend in diesem Sinne.

  • Fehleingaben werden wenn möglich automatisch korrigiert, ansonsten wird dem Anwender ein Vorschlag zur Korrektur angeboten.

  • Der Anwender kann Aktionen oder Eingaben, die im aktuellen Kontext des Arbeitsablaufs unrichtig sind, zurücknehmen bzw. korrigieren. Sollten Aktionen nicht zurücknehmbar sein, wird vor deren Ausführung eine weitere Bestätigung durch den Anwender abgefragt.

A2.6
Individualisierbarkeit

Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassung an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe sowie an die individuellen Fähigkeiten und Vorlieben des Benutzers zulässt.

Beispiele:

  • Die Schriftgröße sowie Helligkeit und Kontrast der Bildschirmdarstellung sind (innerhalb ergonomisch sinnvoller Grenzen) individuell einstellbar.

  • Je nach Kenntnisstand und Erfahrung kann der Anwender Kommandos und Menüs (innerhalb logisch sinnvoller Grenzen) individuell abschalten oder erweitern (z.B. Menüs mit Funktionen für Experten).

  • Bei einer Menüsteuerung des Bildschirmgerätes ist alternativ auch eine Steuerung über Tastaturcodes möglich.

A2.7
Lernförderlichkeit

Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet.

Beispiele:

  • Tasten- oder Aktionssymbole (z.B. Icons) sind selbsterklärend oder entsprechen zumindest geltenden Gewohnheiten.

  • Tasten, die eine ähnliche Funktion haben oder im gleichen Handlungszusammenhang benutzt werden, sind räumlich nahe beieinander angeordnet. Sofern möglich entspricht ihre räumliche Anordnung sogar dem zeitlichen Ablauf bzw. der Reihenfolge ihrer Verwendung.

  • Die Bedienung des Bildschirmgeräts und der Anwendung entsprechen in ihrer logischen Struktur dem unterstützten Arbeitsablauf.