DGUV Information 209-019 - Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604...

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Abschnitt 7, Vermeidung von Schnittverletzungen
Abschnitt 7
Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Titel: Sicherheit bei der Blechverarbeitung (bisher: BGI 604)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-019
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 7 – Vermeidung von Schnittverletzungen

Bei der Blechbe- und -verarbeitung kann der Anteil der Schnittverletzungen am gesamten Unfallgeschehen sehr hoch sein. Es hat daher nicht an Bemühungen gefehlt, durch geeignete Schutzhandschuhe die Anzahl der Schnittverletzungen zu verringern.

Anforderungen an die Gestaltung, Herstellung, Qualität, Prüfung und Kennzeichnung von Schutzhandschuhen (Bild 7-1) sind in der EG-Richtlinie für persönliche Schutzausrüstungen (89/686/EWG) enthalten, die durch die achte Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (8. GPSGV) vom 1. Juli 1992 in nationales Recht umgesetzt wurde. Persönliche Schutzausrüstungen dürfen danach nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn die in der EG-Richtlinie 89/686/EWG genannten Voraussetzungen und insbesondere die grundlegenden Anforderungen für den Sicherheits- und Gesundheitsschutz erfüllt werden.

Bild 7-1: Schutzhandschuhe aus Leder

Persönliche Schutzausrüstungen werden in drei Kategorien eingeteilt (Bild 7-2). Schutzhandschuhe, die bei der Blechbe- und -verarbeitung und beim Transport von Blechen getragen werden, müssen den Anforderungen der Kategorie II entsprechen.

Bild 7-2: Schutzhandschuhe der Kategorien I, II und III

Die häufig in den Betrieben eingesetzten Billigprodukte, die nicht der Kategorie II und den Normen für Schutzhandschuhe entsprechen, dürfen als Schutzhandschuhe zur Vermeidung von Schnittverletzungen nicht mehr getragen werden. Die Benutzung von Schutzhandschuhen und anderen persönlichen Schutzausrüstungen ist in der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) und der Richtlinie über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen (89/656/EWG), die durch die PSA-Benutzungsverordnung vom 20. Dezember 1996 in nationales Recht umgesetzt wurde, geregelt.

Danach hat der Unternehmer geeignete Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen und die Benutzer zu unterweisen, insbesondere über Ausführung, Einsatzmöglichkeiten, Tragedauer und Pflege der Handschuhe, aber auch über die Hautpflege. Zu berücksichtigen ist auch die Wiederverwendung nach erfolgter Reinigung.

Lederhandschuhe mit Verstärkung der Handflächen, besonders im Daumenbereich, werden bei der Grobblechverarbeitung und beim Blechtransport eingesetzt.

Bei der Feinblechverarbeitung müssen Schutzhandschuhe leicht, flexibel, öl-, fett- und schmutzabstoßend und schnittfest sein. Als besonders schnittfest haben sich Schutzhandschuhe aus Aramid-Fasern erwiesen; ein Material, das auch für kugelsichere Westen verwendet wird.

Beim Entlanggleiten an den sägezahnartigen Schnittkanten von Blechen können auch Schutzhandschuhe mit guter Schnittfestigkeit nicht immer Verletzungen verhindern. Es sind daher Schutzhandschuhe aus Fasern mit eingebetteten Stahldrähten entwickelt worden.

Beim Vergleich der hohen Anschaffungskosten mit den Folgen und Kosten von Unfällen ist der Einsatz dieser Handschuhe oft die sinnvollste Lösung (Bild 7-3).

Bild 7-3: Schutzhandschuhe aus Kunststoff, mit Stahldrahteinlage und aus Edelstahlgeflecht

In einigen Betrieben werden bei der Blechbearbeitung sogar schnittfeste Handschuhe getragen, die ursprünglich für Schlachtereien entwickelt worden sind.

Schnittverletzungen sind nicht nur an den Händen, sondern auch an den Unterarmen möglich. Aus den bekannten Handschuhmaterialien werden daher auch Unterarmschoner angeboten (Bild 6-2 und Bild 6-5) und in vielen Betrieben getragen.

Schutzhandschuhe sollten nach einer Gefährdungsbeurteilung ausgewählt werden (siehe BG-Regel "Einsatz von Schutzhandschuhen" [BGR 195]).

Auch die Hersteller von Schutzhandschuhen sind bei der Auswahl behilflich. Sie haben Kenntnis über technische Leistungsdaten ihrer Produkte und Erfahrung aus anderen Betrieben.

Schutzhandschuhe sollten in Trageversuchen von einer ausgewählten Mitarbeitergruppe getestet werden, bevor festgelegt wird, welche Schutzhandschuhe in den einzelnen Bereichen der Blechverarbeitung getragen werden müssen (Bild 7-4).

Bild 7-4: Vermeidung von Handverletzungen durch Tragen von geeigneten Schutzhandschuhen und Absetzen über Eck

Zur Vermeidung von Handverletzungen trägt auch das Entgraten von Blechen bei.

Aus Kostengründen wird das Entgraten nur selten, und wenn, dann meistens in der letzten Fertigungsstufe vorgenommen.

Zum Entgraten können besondere Handwerkszeuge benutzt werden, die in einem Arbeitsgang beidseitig entgraten. Durch ein gabelförmiges Werkzeug und einen Handgriff mit Schnittschutz wird das Werkzeug sicher auf der Blechkante geführt und Verletzungsgefahren werden verringert (Bilder 7-5 bis 7-7).

Bild 7-5: Entgratwerkzeug und Blechschere mit Sicherheitsgriffen

Bild 7-6: Vermeiden von Graten durch Verwendung spezieller Elektro- und Druckluftwerkzeuge

Bild 7-7: Entgratwerkzeuge mit Sicherheitsgriff

Entgratarbeiten lassen sich auch mit Maschinen durchführen (Bild 7-8). In einem Schutzgehäuse, das nur die für die Bearbeitung nötige Öffnung enthält, befinden sich Drahtbürsten, die beide Blechkanten gleichzeitig entgraten.

Bild 7-8: Entgratmaschine mit gegenläufig rotierenden Entgratbürsten