DGUV Information 202-113 - Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (...

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Abschnitt 5.2, 5.2 Individualisierung und Differenzierung
Abschnitt 5.2
Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Titel: Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-113
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Individualisierung und Differenzierung

Das Eingehen auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler rückt in den Fokus der Planung und Gestaltung von Schulsportangeboten. Individualisierung betont Individualität und deren Förderung (vgl. Frohn; Pfitzner 2011, S. 5).

Hauptziel einer Individualisierung ist die Ermöglichung einer individuellen Förderung jeder Schülerin und jeden Schülers. Gleichzeitig darf die Lerngemeinschaft, in der die individualisierten Lernprozesse gestaltet werden, nicht außer Acht gelassen werden. Bei der Gestaltung von Angeboten geht es um eine geschickte Verbindung von Gemeinsamkeiten beim Lernen und individualisierten Lernwegen. Eine individualisierte und gemeinschaftliche Förderung im Schulsport kann effektiv unterstützt werden, indem bei der Gestaltung von Angeboten folgende lernförderlichen Aspekte berücksichtigt werden.

Spielraum für individuelle Lernwege eröffnen:

  • Die Schülerinnen und Schüler werden befähigt, ihr Lernen selbstständig zu planen, zu organisieren und den individuellen Lernweg zu regulieren, wenn sie die Methoden kennen und anwenden können, wie z. B. notwendige Arbeitstechniken, unterschiedliche Lern-, Kommunikations- und Kooperationsmethoden (Methodenkompetenz).

  • Die Schülerinnen und Schüler können Vorschläge erarbeiten, wie ein Unterrichtsziel auf verschiedenen Wegen erreicht werden kann.

  • Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass es nicht nur einen Lernweg gibt, sondern unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten von Bewegungsaufgaben, unterschiedliche Spielstrategien, Spielformen und auch unterschiedliche Bewegungsausführungen erlaubt oder sogar intendiert sind.

  • Durch die Einbindung von offenen Phasen, in denen das Erproben, Experimentieren und Entdecken im Vordergrund steht, individuelle Lösungswege sowie Ausführungsvarianten von Bewegungen zunächst gestattet sind, wird die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und die Gestaltung des individuellen Lernprozesses unterstützt.

  • Die Schülerinnen und Schüler erkennen, welcher Lernweg am passendsten für sie ist, gleichzeitig wächst die Akzeptanz dafür, dass andere Schülerinnen und Schüler andere Wege bestreiten.

Wahlmöglichkeiten anbieten:

  • Es geht um eine geschickte Einbindung von Wahlmöglichkeiten, wodurch vielfältige Zugänge zum Thema geschaffen werden und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bezogen auf die Aufgabe angeboten werden.

  • Erfahrungsgemäß bietet sich die Berücksichtigung von drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden für jede Aufgabe an.

  • Die Schülerinnen und Schüler lernen, eine Möglichkeit zu wählen, die sie herausfordert. In diesem abgesteckten Rahmen können die Schülerinnen und Schüler beispielsweise wählen,

    • wo sie die Aktivität durchführen,

    • mit wen sie sie durchführen,

    • welche Hilfsmittel sie für die Durchführung wählen,

    • in welcher Reihenfolge sie die Aufgaben angehen und

    • mit welcher Lernmethode sie sich den Inhalt erschließen möchten.

  • Erfahrungsgemäß wächst die Teilnahmebereitschaft, wenn Auswahlmöglichkeiten angeboten werden.

Individuelle Lernergebnisse und Lernfortschritte sichtbar machen:

  • Der Einsatz von Methoden zur (Selbst-)Kontrolle des Lernfortschritts ist eine große Hilfestellung. Lernschritte können beispielsweise auf einem Plan skizziert werden. Der Plan markiert die durchzuführenden Aufgaben. Die Schülerinnen und Schüler bestätigen deren erfolgreiche Ausführung, z. B. per Abhaken mit einem Stift oder durch eine andere Markierung, z. B. durch einen Magnet. Sie können erkennen, wann eine Aktivität erfolgreich abgeschlossen ist und erhalten eine klare Orientierung und Standortbestimmung im Lernprozess.

  • Geeignet sind auch Protokolle, in denen z. B. eingetragen wird, wie viel Zeit die Schülerinnen und Schüler für die Durchführung der Aufgabe (z. B. 25 Meter Schwimmen) benötigt haben, oder die erreichte Anzahl bei der Übungsausführung (z. B. Kraftausdauerübungen) notiert wird.

Um der Einzelnen, dem Einzelnen in der Gruppe gerecht zu werden, ist der Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen entscheidend. Ziel von Differenzierungsmaßnahmen ist es, dass jede Schülerin, jeder Schüler entsprechend ihren/seinen individuellen Möglichkeiten herausgefordert wird. Es geht darum, auf die Stärken jeder Schülerin, jeden Schülers aufzubauen. Grundsätzlich werden die folgenden zwei Formen der Differenzierung unterschieden.

Äußere Differenzierung:

Die äußere Differenzierung verfolgt vorrangig das Ziel, möglichst homogene Partnerschaften oder Gruppen zu bilden. Dafür werden eher organisatorische Maßnahmen als methodisch-didaktische eingesetzt. Es geht dabei primär um eine Einteilung nach Leistung oder eine Einteilung nach Interessen.

Innere Differenzierung:

Die Maßnahmen der inneren Differenzierung erfolgen innerhalb der Gruppe. Es werden differenzierende Maßnahmen auf der inhaltlichen, methodisch-didaktischen, sozialen und organisatorischen Ebene eingesetzt, um einzelnen Mitgliedern der Gruppe mit ihren individuellen Fähigkeiten gerecht zu werden (vgl. Schliermann u. a. 2014, S. 30).

Differenzierungsmaßnahmen sollten immer achtsam und durchdacht eingesetzt werden. Grundsätzlich ist anzustreben, dass Situationen vermieden werden, in denen einzelne Schülerinnen und Schüler ausgeklammert werden, während der Rest der Lerngruppe gemeinsam Aktionen erlebt. Die Frage nach dem "Wie" ist dabei besonders wichtig. Über den gezielten Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen kann es in vielen Unterrichtssituationen gelingen, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen gemeinsam am gleichen Thema und an gleichen Zielsetzungen arbeiten und gleichzeitig ihren ganz eigenen Lernweg entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten gestalten.

Es werden sich jedoch auch vereinzelt Situationen ergeben, in denen es wertvoll ist, für einzelne Schülerinnen und Schüler ein alternatives Angebot zu einem anderen Thema anzubieten. Im Hinblick auf die individuellen Voraussetzungen sollte die Lehrkraft im Einzelfall hinterfragen, wie Unterrichtsangebote gestaltet werden müssen, damit gemeinsames Lernen an einem gemeinsamen Thema gelingen kann, und darüber hinaus gezielt entscheiden, wann es erforderlich ist, individualisierte Lernziele zu formulieren und/oder ein vorübergehendes alternatives Angebot zu unterbreiten. Dabei ist es hilfreich, folgende Aspekte in den Blick zu nehmen:

string

string Angebote mit gleichem Thema und gleichen Zielen
 Differenzierende Maßnahmen beziehen sich auf die individuellen Kompetenzniveaus der Schülerinnen und Schüler, mit dem Ziel, dass jede Schülerin, jeder Schüler der Lerngruppe auf einem angemessenen Anforderungsniveau einen Zugang zum momentanen Inhalt findet. Aufgabenstellungen können so leichter oder schwerer, einfacher oder komplexer gestaltet werden.
 
  BEISPIEL
 Thema: Auf einem Hindernisparcours Turnkästen überwinden.
 Ziel für die Lerngruppe: Die Schülerinnen und Schüler erproben Grundformen von Stütz- und Niedersprüngen über große Kästen.
 Mögliche Differenzierungsmaßnahmen:
Anbieten von unterschiedlichen Kastenhöhen, unterschiedlichen Sprungweiten (z. B. durch markierte Linien), Varianten in der Bewegungsausführung (z. B. mit Anlauf, ohne Anlauf ), Einsatz von Hilfestellungen (z. B. Sicherungsgriffe bei der Landung), Einsatz von Sprunghilfen (z. B. Sprungbretter).
 
string Angebote mit gleichem Thema und unterschiedlichen Zielen
 Im Hinblick auf die individuellen Lernvoraussetzungen ist es erforderlich, dass eine Schülerin, ein Schüler bei der Bearbeitung eines gemeinsamen Themas vorrangig ein individuelles Ziel verfolgt.
 
  BEISPIEL
 Thema: Auf einem Hindernisparcours Turnkästen überwinden.
 Ziel für die Lerngruppe: Die Schülerinnen und Schüler erproben Grundformen von Stütz- und Niedersprüngen über große Kästen.
 Individuelles Ziel für eine ängstliche Schülerin mit stark eingeschränkter Sehfähigkeit: Die Schülerin kann mit Hilfestellung über einen Turnkasten klettern.
 
string Angebote zu einem anderen Thema mit anderen Zielen
 Alternative Angebote sollten nur in Ausnahmefällen und zeitlich begrenzt (vorübergehend) bereitgestellt werden. Das kann beispielsweise erforderlich sein, wenn grundlegende motorische Voraussetzungen für das Ausführen der Aufgaben zu einem Themenbereich fehlen. Gründe können beispielsweise eine Behinderung oder eine (chronische) Erkrankung sein, aber auch weitere Aspekte, wie z. B. ausgeprägte Ängste, können zum Tragen kommen.
 
  BEISPIEL
 Thema der Lerngruppe: Auf einem Hindernisparcours Turnkästen überwinden. Ziele für die Lerngruppe: Die Schülerinnen und Schüler erproben Grundformen von Stütz- und Niedersprüngen über große Kästen.
 Vorübergehendes alternatives Angebot für einen Schüler, der aufgrund einer körperlichen Behinderung einen Rollstuhl nutzt: Der Schüler erprobt das Überfahren von Hindernissen (dünne Matten) auf einem Parcours. Er übt vorübergehend mit einem Mitschüler in einem anderen Bereich der Turnhalle.

Es gibt ein breites Spektrum lernrelevanter individueller Merkmale, auf die Differenzierungsmaßnahmen ausgerichtet sein können. Dazu gehören beispielsweise der Gesundheitszustand, eine Behinderung, Vorerfahrungen in den jeweiligen Bewegungsfeldern und Sportbereichen, der Sprachhintergrund, die bevorzugten Lernstrategien und Lernstile, das Geschlecht, die individuellen Interessen, die Einstellungen zum Thema (Ängste) oder körperliche Voraussetzungen (Größe, Gewicht). Im Folgenden werden grundlegende Aspekte aufgezeigt, die für die Planung und den Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen bedeutsam sind:

  • Individualisierung und Differenzierung sollten als Leitprinzip für alle gelten. Es sollte selbstverständlich sein, dass im Schulsport immer spezifische Angebote für besonders leistungsstarke sowie leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler bereitgestellt werden, insbesondere auch durch den Einsatz von gezielten Differenzierungsmaßnahmen in der jeweiligen Einheit.

  • Im Rahmen von offen gestalteten Lernformen (z. B. Lernen an Stationen, Gestaltung von Bewegungslandschaften, Einbindung von offenen Bewegungsaufgaben) sind Differenzierungsmaßnahmen meist leichter umzusetzen als bei geschlossenen Lernformen. Spielräume für individuelle Lösungswege und Bewegungsvariationen sowie für die Mitgestaltung durch die Schülerinnen und Schüler werden eröffnet.

  • Verschiedenheit stellt sich in jeder Einheit immer wieder neu dar. Es ist kaum möglich, dass jede Situation, die sich aus dem Einsatz einer Differenzierungsmaßnahme ergibt, von der Lehrkraft im Vorfeld antizipiert werden kann. Es ist daher sinnvoll, immer mehrere Modifikationsmöglichkeiten im Kopf zu haben, um in der jeweiligen Situation flexibel reagieren zu können. Der Aufbau des eigenen "Methodenkoffers" ermöglicht einen flexiblen Umgang mit Differenzierungsmaßnahmen.

  • Beim Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen ist es wichtig, auf die Balance zwischen individualisierter und gemeinschaftlicher Förderung zu achten. Die Stärkung von Möglichkeiten für Gemeinsamkeiten und soziales Lernen ist ebenso wichtig wie der Blick auf die einzelne Schülerin, den einzelnen Schüler.

  • Es ist hilfreich, dass die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung von Differenzierungsmaßnahmen beteiligt. Es werden unterschiedliche Lernwege unter Berücksichtigung unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und Zugänge angeboten, in die sich die Schülerinnen und Schüler einordnen können und eine Wahl für einen passenden Lernweg treffen und ausprobieren. Dafür ist es hilfreich, transparente und vorhersehbare Erwartungen und Zielsetzungen zu transportieren. So kann jede Schülerin, jeder Schüler sich gedanklich einordnen. Die Lehrkraft gibt Impulse dafür, andere Niveaustufen auszuprobieren.

  • In den sogenannten Individualsportarten ist es erfahrungsgemäß oft leichter, zu differenzieren. Bei den klassischen Mannschaftssportarten mit Wettkampfcharakter (z. B. Fußball, Handball) kann es schwieriger sein, da diese eigentlich dafür konzipiert sind, gleiche bzw. ähnliche Anforderungen an alle Mannschaftsmitglieder zu stellen. Es bedarf dann gezielter Veränderungen von Spielstrukturen, um diese Unterschiede aufzufangen.

Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen:

Die Planung und Gestaltung von Differenzierungsmaßnahmen kann auf verschiedenen Ebenen gelingen. Die unterschiedlichen Ebenen stehen unmittelbar miteinander in Beziehung und beeinflussen sich gegenseitig. Die Aufgaben, Übungs- und Spielformen können so gezielt leichter oder schwerer, einfacher oder komplexer gestaltet werden und jede Schülerin, jeder Schüler kann ein angemessenes Anspruchsniveau finden.

Impulse für die Umsetzung von Differenzierungsmaßnahmen:

Veränderung der Aufgabenstellung Beispiele
Veränderung der zur Verfügung stehenden Zeit für die Lösung von Aufgaben
  • unterschiedliche Zeitvorgaben, z. B.

    • für die Bewältigung von Bewegungsaufgaben

    • für die Arbeit in den Gruppen

    • für die Ausführung von Übungssequenzen

Veränderung der Anzahl der Aufgaben und Wiederholungen
  • Schülerinnen und Schüler erhalten unterschiedlich viele Aufgaben

  • Einplanung von häufigen, kurzen Wiederholungsaufgaben

  • Berücksichtigung von (optionalen) Zusatzaufgaben

Veränderung der Strukturierung der Aufgabe (Komplexität), Zergliederung in Teilschritte
  • Visualisierung der Teilaufgaben, z. B. Bewegungsabfolgen auf Ablaufplänen

  • Herausstellung der wesentlichen Merkmale der Aufgabe, z. B. durch Signalwörter

  • kleinschrittige Variation von bekannten Unterrichtsinhalten (bekannte Aufgaben mit geringer Variation)

Einbindung von Aufgabenstellungen mit kooperativem Charakter
  • Einbindung von kooperativen Aufgaben, die gegenseitige Unterstützung erfordern

  • Gestaltung von Übungsformen und Spielformen, die weitestgehend konkurrenzlos ablaufen

  • Erarbeitung von Aufgaben in Partneroder Gruppenarbeit

  • Einbindung von Sonderaufgaben für einzelne Schülerinnen und Schüler (z. B. Trainerassistent)

Vielfältige Zugänge für unterschiedliche Lerntypen Beispiele
Visualisierung und Vormachen für "visuelle Lerner"
  • Veranschaulichung durch Abbildungen, Bildreihen oder Videos

  • Demonstration von Bewegungsabläufen

Zusätzliche und/oder begleitende Instruktionen für "auditive Lerner"
  • sprachliche Begleitung von Bewegungsabläufen

  • Einführung von Signalwörtern für spezifische Bewegungsmerkmale

Einsatz von Bewegungsimpulsen für "motorischkinästhetische Lerner"
  • Einsatz von taktilen Bewegungsimpulsen

  • ‚Führen‘ von Bewegungsabläufen

  • Momente zum ‚Nachspüren‘

Einsatz von Lernpartnerinnen/Lernpartnern für "soziale, kommunikative Lerner"
  • Partnerarbeit/Gruppenarbeit

  • Gegenseitiges Vormachen/Nachmachen

Veränderung der Bewegungsausführung Beispiele
Veränderung der Bewegungsausführung (Grob-/Feinform) oder der technischen Ausführungsvariante
  • Weitsprung ausgeführt als Schrittsprung, Hocksprung, Hangsprung oder Laufsprung

Veränderung des Bewegungstempos
  • schnelle oder verlangsamte Bewegungsausführung

  • Einbau von Bewegungsstopps oder Pausen

Veränderung der Bewegungsrichtung
  • Ausführung der Bewegung z. B. vorwärts, rückwärts, seitwärts oder mit Drehung

  • Bewegungsrichtungen durch Markierungen anzeigen

Veränderung der Bewegungsweite
  • enge oder weite Bewegungsausführung

  • Markieren von Bewegungsräumen (z. B. Linien markieren die geforderte Schrittlänge)

Veränderung der Kombination
  • kombinieren von Bewegungsfertigkeiten und Aufgaben, z. B. beim Balancieren einen Tennisring auf dem Kopf transportieren

Variation beim Materialeinsatz Beispiele
Einsatz von Gelände- und Gerätehilfen
  • unterschiedliche Aufstiegshilfen, z. B. an einem großen Turnkasten, anbieten

  • unterschiedliche Absprunghilfen, z. B. Sprungbrett, Minitrampolin, anbieten

  • Absprungplattformen erhöhen oder absenken: schiefe Ebenen im Neigungswinkel verändern, feste oder bewegliche Hindernisse einbauen

  • verschiedene Untergründe für Landeflächen (z. B. Beschaffenheit der Weichböden oder Turnmatten) wählen

Veränderung der Geräteanforderungen
  • unterschiedliche Höheneinstellungen der Reckstange

  • Höhenverstellung beim Aerobic-Stepper

  • Einsatz von Bällen mit unterschiedlicher Größe und/oder unterschiedlichen Flugeigenschaften

  • Geräte mit unterschiedlicher Balancieroberfläche (z. B. mit breiter oder schmaler, bewegter oder unbewegter Balancieroberfläche)

  • den Abstand zwischen den Geräten verändern, z. B. in einem Geräteparcours

Umstrukturierung von Übungs- und Spielformen zu zweit oder in der Gruppe Beispiele
Veränderung der Kooperationsstrukturen in Übungs- und Spielformen
  • Gestaltung von Aufgaben, bei denen Schülerinnen und Schüler taktisch klug entsprechend ihren individuellen Stärken und Schwächen eingesetzt werden müssen (Leistung aus der Gruppe heraus).

  • Erreichen von Zusatzpunkten durch gemeinsames Agieren, z. B.:

    • mit Handfassung ins Ziel zu gelangen, ermöglicht doppelte Punktzahl,

    • Tore werden nur gezählt, wenn beim Torwurf der Ball hinter dem Tor von einer Mitspielerin, einem Mitspieler gefangen wird.

  • Gestaltung von Spielformen, bei denen in einer Mannschaft unterschiedliche Rollen verteilt werden, z. B.: In der Mannschaft gibt es "Sucher" die einen versteckten Tennisball suchen, "Treiber", die versuchen die "Sucher" während der Suche mit Softbällen abzuwerfen, "Verteidiger", die die Softbälle abwehren und so die "Sucher" schützen können.

  • Einbau von Rollenwechseln im Verlauf des Spiels, z. B.: "Torwerfer", die in einer geschützten Zone vor dem Tor agieren, werden zu "Zuspielern" in einer "Zuspielzone", wenn sie ein Tor erzielt haben.

Einbau unterschiedlicher Spieltechniken
  • Vorgabe von Bewegungsformen, z. B. wie ein Ball gestoppt werden darf (nur mit den Füßen, nur mit den Händen)

  • Schülerinnen und Schüler, die einen Rollstuhl nutzen, erhalten bei Fangspielen eine Schwimmnudel, um den Aktionsradius als "Fänger" zu vergrößern: Fangen = Berühren mit der Schwimmnudel

Variation im Aufbau des Spielfeldes
  • Einführung von Verbotszonen für bestimmte Spielaktionen

  • Veränderung der Anzahl der Tore

  • Veränderung der Torgröße

  • Veränderung der Torzone, z. B.: in geschützter Torzone darf niemand angegriffen werden

  • unterschiedlich große Spielfeldseiten, z. B. beim Badminton: die leistungsschwächere Schülerin, der leistungsschwächere Schüler spielt auf der verkleinerten Spielfeldseite

  • Vergrößerung von Spielzonen nach jeder Spielphase, z. B. nachdem ein Punkt oder Tor erzielt wurde

Veränderung der Spielregeln
  • der Ball muss auf dem Weg zum Tor Zwischenstationen durchlaufen, z. B. alle Hallenwände berühren, bevor ins Tor gespielt werden darf

  • Einschränkung des Körperkontakts zu Personen und Spielgegenständen

  • wird z. B. ein Spieler von einem Ball abgetroffen, dürfen alle, die von ihm vorher abgeworfen wurden, wieder ins Spielfeld

  • Einsatz von mehreren oder unterschiedlichen Bällen

  • Einführung von "Handicap-Regeln" für ein Partnerspiel, z. B.: die leistungsstärkere Schülerin, der leistungsstärkere Schüler spielt mit dem ‚schwächeren‘ Arm Badminton,

  • beim Schiebekampf (Ringen und Kämpfen) darf die leistungsstärkere Schülerin, der leistungsstärkere Schüler nur einen Arm benutzen, in der anderen Hand hält diese Schülerin, dieser Schüler einen Tischtennisball fest

Umstrukturierung von Übungs- und Spielformen zu zweit oder in der Gruppe Beispiele
Einteilung von Spielphasen und Spielzeit
  • Nach jeder Spielphase wechseln die Spielerinnen und Spieler in eine andere Spielfeldzone und damit auch ihre Rolle im Spiel ("Verteidiger" in der Verteidigungszone, "Läufer" in der Laufzone, "Anspieler" in der Anspielzone).

  • In jeder Spielphase wird die Mannschaftseinteilung gewechselt.

  • In den verschiedenen Spielphasen werden unterschiedliche Schülerinnen und Schüler einer Mannschaft eingesetzt.

  • Die Spielphasen entscheiden über die Spielwertung, z. B.: Es können nur in bestimmten Spielphasen Punkte für die eigene Mannschaft erzielt werden ("Punktespielphase", "Verteidigungsphase").

Veränderung der Mannschaftszusammensetzungen
  • Die Anzahl der Mitspielenden wird verändert.

  • Nach jeder Spielphase wechselt die Mannschaftszusammensetzung, indem z. B. aus der Mannschaft, die mehr Punkte erzielt hat, eine Person die gegnerische Mannschaft wechselt.

  • Wer ein Tor erzielt, wechselt in die gegnerische Mannschaft.

Einführung von Zusatzaufgaben
  • Nach jedem Ballkontakt muss die Spielerin, der Spieler eine Spielfeldlinie berühren, bevor sie oder er den Ball wieder annehmen darf.

  • Wer gefangen wurde, muss 3 Runden um das Spielfeld laufen und kehrt danach ins Spielfeld zurück.

Veränderung der Spielwertung
  • Die Summe der geworfenen Tore einer Mannschaft multipliziert sich mit der Anzahl ihrer Torschützen oder erhöht sich um die Anzahl ihrer Torschützen.

  • Ein Würfel entscheidet, wie viele Punkte die Mannschaft nach einem Tor erhält.

  • Der Verlierer, die Verliererin nimmt die Punkte mit in die nächste Spielphase.

  • Es gibt keine Spielwertung in Form von Punkten oder Toren (konkurrenzlose Spiele), z. B.: Eine Zeitvorgabe entscheidet über das Spielende.

Einsatz von Hilfen für die Umsetzung von Bewegungen Beispiele
Bewegungshilfen
Hinweis:
Bewegungshilfen fungieren auf motorischer Ebene in erster Linie als Hilfestellung für die konkrete Bewegungsausführung. Auf kognitiver Ebene wird das Aufgabenverständnis unterstützt, indem die Aufgaben konkret-anschaulich aufbereitet werden. Sie fordern mit einer geeigneten Aufgabenstellung eine bestimmte Bewegungsausführung heraus. Sie dienen als Orientierungspunkte für die Bewegungsausführung, indem sie fokussieren, bis wohin die Bewegung ausgeführt werden soll, an welchem Ort die Bewegung ausgeführt werden soll, über welchen Aktionsradius die Bewegung ausgeführt werden soll.
  • Bewegungsmerkmale herausstellen, Zuruf von Impulsen/Signalwörtern

  • Ermutigung, Lob aussprechen

  • Einsatz von Orientierungshilfen, z. B.:

    • über Markierungen Bewegungsrichtung vorgeben - Markieren von Schrittfolgen auf dem Boden

    • Markieren von Körperteilen durch Aufkleber

  • über Berührung Bewegungsimpulse setzen

  • Helfen und Sichern: Eingreifen der Helfenden in den Bewegungsvollzug bis zur bewegungsbegleitenden Sicherung des Bewegungsablaufs (z. B. Klammergriff, Schubhilfe, Zughilfe, Drehhilfe, Gleichgewichtshilfe).

ÜBERSICHT
IMPULSE FÜR DIE UMSETZUNG VON DIFFERENZIERUNGSMASSNAHMEN
VERÄNDERUNG DER AUFGABENSTELLUNG
  • Veränderung der zur Verfügung stehenden Zeit für die Lösung von Aufgaben

  • Veränderung der Anzahl der Aufgaben und Wiederholungen

  • Veränderung der Strukturierung der Aufgabe (Komplexität), Zergliederung in Teilschritte

  • Einbindung von Aufgabenstellungen mit kooperativem Charakter


VIELFÄLTIGE ZUGÄNGE FÜR UNTERSCHIEDLICHE LERNTYPEN
  • Visualisierung und Vormachen für "visuelle Lernende"

  • Zusätzliche und/oder begleitende Instruktionen für "auditive Lernende"

  • Einsatz von Bewegungsimpulsen für "motorisch-kinästhetische Lernende"

  • Einsatz von Lernpartnern für "soziale, kommunikative Lernende"


VERÄNDERUNG DER BEWEGUNGSAUSFÜHRUNG
  • Veränderung der Bewegungsausführung (Grobform/Feinform) oder der technischen Ausführungsvariante

  • Veränderung des Bewegungstempos

  • Veränderung der Bewegungsrichtung

  • Veränderung der Bewegungsweite

  • Veränderung der Kombination


VARIATION BEIM MATERIALEINSATZ
  • Einsatz von Gelände- und Gerätehilfen

  • Veränderung der Geräteanforderungen


UMSTRUKTURIERUNG VON ÜBUNGS- UND SPIELFORMEN ZU ZWEIT ODER IN DER GRUPPE
  • Veränderung der Kooperationsstrukturen in Übungs- und Spielformen

  • Einbau unterschiedlicher Spieltechniken

  • Variation im Aufbau des Spielfeldes

  • Veränderung der Spielregeln

  • Einteilung von Spielphasen und Spielzeit

  • Veränderung der Mannschaftszusammensetzungen

  • Einführung von Zusatzaufgaben

  • Veränderung der Spielwertung