DGUV Information 202-113 - Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (...

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Abschnitt 5.1, 5.1 Organisations- und Ordnungsrahmen
Abschnitt 5.1
Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Titel: Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-113
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.1 – 5.1 Organisations- und Ordnungsrahmen

Für die Gestaltung von Schulsportangeboten ist es erforderlich, dass die Lehrkraft im Hinblick auf die unterschiedlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler einen geeigneten, klar strukturierten organisatorischen Rahmen für differenzierte und individualisierte Angebote schafft. Viele Aspekte können bereits im Rahmen der antizipierenden Unterrichtsvorbereitung und -durchführung bedacht und berücksichtigt werden:

  • die vorhandenen strukturellen Rahmenbedingungen (z. B. Räume, Materialien, Gruppenzusammensetzungen)

  • die individuellen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler (z. B. Lern- und Leistungsstände der Schülerinnen und Schüler, tagesaktuelle Motivation, individuelle Bedarfe)

  • die Vorgaben für den Schulsport: Rahmenvorgaben und Kernlehrpläne (kompetenzorientierte Ausrichtung) sowie die rechtlichen Grundlagen zur Sicherheitsförderung im Schulsport (Aspekte der Organisation, Aufsicht, persönliche Ausrüstung und Ausstattung)

  • ortsgebundene und situationsgebundene sicherheitsrelevante Aspekte

  • die eigenen Kompetenzen und Ressourcen als Lehrkraft

  • die personelle Ausstattung: Beteiligung weiterer Lehrkräfte sowie weiteres Personal

Bei der Gestaltung von Schulsportangeboten sind u. a. auch weitere fachspezifische Gegebenheiten zu berücksichtigen, z. B.:

  • der Lärmpegel und die Akustik in der Übungsstätte

  • Besonderheiten der räumlichen Gegebenheiten (Orientierung im Raum)

  • besondere Lichtverhältnisse im Raum (z. B. Lichtspiegelungen der Wasseroberfläche im Schwimmbad)

  • die Art und Intensität von körperlicher Belastung (Art der Belastungsintensität)

Einzelnen Schülerinnen und Schülern kann es aufgrund ihres Entwicklungsstands, behinderungsbedingten Einschränkungen und/oder gesundheitlichen Voraussetzungen besonderes schwerfallen, sich auf entsprechende Gegebenheiten einzustellen. Die Berücksichtigung des Lichteinfalls bei der Aufstellung der Schülerinnen und Schüler, die Markierung von Orten oder die Organisation von Auszeiten nach erhöhter körperlicher Belastung können für einzelne Schülerinnen und Schüler eine wichtige Hilfestellung sein.

Ein durchdachter und professionell gestalteter Organisationsrahmen trägt dazu bei, dass

  1. 1.

    sich alle Schülerinnen und Schüler auf klare Strukturen, ritualisierte Abläufe und auf bekannte Signale und Rituale verlassen können und dadurch Lernprozesse effektiv unterstützt werden (Strukturen):

    Klare Strukturen dienen der Orientierung, bieten Sicherheit und gewährleisten einen reibungsarmen Ablauf. Die Struktur dient der Lehrkraft und allen Schülerinnen und Schülern als klare Orientierung, in welcher Phase des Angebots sie sich befinden und was noch folgen wird. Das Einführen und Festigen von Strukturen und Organisationsformen kann auch gezielt zum Unterrichtsgegenstand gemacht werden und in spielerischer Form vermittelt und geübt werden. Besonders bei einem Unterricht, der auf Entdecken und Experimentieren angelegt ist, ist es wichtig, das Angebot unter Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler klar zu strukturieren.

  2. 2.

    der Ablauf, die Inhalte, Schwerpunkte und Ziele bekannt sind (Transparenz und Vorhersehbarkeit):

    Der Ablauf der Einheit, die Inhalte und Schwerpunkte, die Regelstrukturen und die zu erreichenden Ziele sollten allen Schülerinnen und Schülern bekannt gemacht und idealerweise visualisiert werden. Das Sich-Einlassen auf neue Situationen und Inhalte fällt vielen Schülerinnen und Schülern innerhalb eines vorhersehbaren Ordnungsrahmens leichter als in einem undurchsichtigen Handlungsfeld.

  3. 3.

    sich alle möglichst umfangreich bewegen (Bewegungsintensität):

    Es liegt an der Lehrkraft die Angebote so zu strukturieren und zu rhythmisieren, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler ihren Bewegungsdrang ausleben können. Es ist im Einzelfall zu berücksichtigen, ob behinderungsspezifische oder medizinische Indikationen vorliegen, die eine besondere Form der Belastungssteuerung und gegebenenfalls individualisierte Erholungspausen bedürfen.

  4. 4.

    sich alle auf möglichst vielfältige Weise mit den Angeboten beschäftigen (Vielfalt der Zugänge):

    Eine abwechslungsreiche Gestaltung von Angeboten erfordert einen vielfältigen Einsatz von unterschiedlichen Organisationsformen. Dazu gehören in erster Linie der Einsatz und die Gestaltung von unterschiedlichen Sozialformen, z. B. Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit (arbeitsgleich, arbeitsteilig) oder in Mannschaften (Spiel- und Übungsformen). Die organisatorischen Überlegungen ergeben sich dabei aus den differenzierten methodischen Überlegungen.

  5. 5.

    der Sportunterricht sicher abläuft (Sicherheit):

    Die Lehrkraft ist durchgehend dafür verantwortlich, dass die Angebote von allen Schülerinnen und Schülern sicher bewältigt werden können. Dabei ist es dringend angezeigt, die individuellen Voraussetzungen (z. B. behinderungsbedingte Bewegungseinschränkungen, Sturzneigung, erhöhte Verletzungsneigung, Wahrnehmungsverarbeitung) in die Planung und Durchführung miteinzubeziehen und die Organisation und Aufsicht darauf abzustimmen.

  6. 6.

    die Materialien und Medien zielführend und handlungsleitend eingesetzt werden (Effizienz):

    Eingesetzte Medien sollten zielführend, handlungsleitend und individualisiert angeboten werden. Die Sicherheit und die Unfallvorsorge sind mit Blick auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler beim Einsatz von Materialien immer zu bedenken. Unterschiedliche Kompetenzen in der Lerngruppe bedeuten, dass gegebenenfalls und je nach Zielsetzung unterschiedliche Materialien für die jeweiligen Schülerinnen und Schüler eingesetzt bzw. angeboten werden, damit das entsprechende Ziel erreicht werden kann.

  7. 7.

    die Schülerinnen und Schüler möglichst kontinuierlich und zunehmend mehr in die Planung und Durchführung des Sportangebots eingebunden werden (Einbindung):

    Für die Einhaltung der Organisationsformen und des Ordnungsrahmens muss konsequent gesorgt werden. Je mehr die einzelnen Schülerinnen und Schüler mit in die Organisation des Angebots einbezogen werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Akzeptanz bei allen hoch und die Einhaltung für alle wichtig ist.

Es folgen einige Ideen und Ansätze, wie organisatorische Aspekte in einem sachgerechten Ordnungsrahmen für den Schulsport mit heterogenen Gruppen gesichert und etabliert werden können:

Hinweise zum Einsatz von Signalen und Ritualen:

Besonders für Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten haben sich zu konzentrieren und einen klaren, strukturierten Orientierungsrahmen benötigen, um die Aufmerksamkeit fokussieren zu können, kann das Markieren von Orten eine große Hilfe sein. Aufkleber auf dem Boden als Markierung des Sitzplatzes oder Signalkarten an der Wand, die kennzeichnen, was an diesem Ort gemacht wird, sind Beispiele hierfür. Auch für Schülerinnen und Schüler mit eingeschränkter Seh- und/oder Hörfähigkeit können Markierungen eine wichtige Hilfe für die Orientierung im Raum und im Geschehen sein. Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten im kognitiven Bereich können von Signalen, Ritualen und Markierungen profitieren, weil dadurch verbale Anweisungen unterstützt werden. Darüber hinaus wird auch die Strukturierung von Handlungen unterstützt.

Die Einbindung von ritualisierten Spielstrukturen kann dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler sich zunehmend besser im Spielgeschehen zurechtfinden. Für Schülerinnen und Schüler, die anfangs auf Hilfestellungen und Unterstützung angewiesen sind, können diese dann erfahrungsgemäß zunehmend abgebaut werden. Das führt dazu, dass die Schülerinnen und Schüler sich sicherer, eigenverantwortlicher und selbstständiger in das bekannte Spielgeschehen einbringen können. Von Vorteil ist ebenfalls, dass das Spielgeschehen mit der Zeit ohne verbale Unterstützung ablaufen kann und die Lehrerzentrierung dadurch deutlich abgebaut werden kann. Die Schülerinnen und Schüler können zunehmend selbstständig die Organisation und Einhaltung der bekannten Strukturen übernehmen. Durch die Einbindung von kleinen Variationen kann gewährleistet werden, dass das Spielgeschehen attraktiv bleibt und nicht langweilig wird.

Der Einsatz von Ritualen kann auch bei der Reflexion eines Angebots hilfreich sein. Der Einsatz von "Stimmungsbarometern" ist beispielsweise eine Möglichkeit, die Meinungen oder Einschätzungen der Schülerinnen und Schüler auf einen Blick festzuhalten.

Hinweise zur Gestaltung von Regelstrukturen:

Regeln sichern einen verlässlichen Ordnungsrahmen im Unterricht. Zu unterscheiden ist, ob es festgelegte Regeln sind, die sich auf den organisatorischen Rahmen beziehen (z. B. pünktlich mit Sportkleidung erscheinen, Betreten der Geräteräume ohne Lehrkraft ist verboten) oder um gemeinsam erarbeitete Regeln bezogen auf die Bewegungsaktion (z. B. Spielregeln). Bei der Gestaltung von gemeinsamen Spielen, ist es oft erforderlich, im Hinblick auf die Lerngruppe bekannte Regelstrukturen zu überdenken und die Spielformen gegebenenfalls umzugestalten und neue Regeln oder sogar "Sonderregeln" für einzelne Gruppenmitglieder einzuführen, damit alle im Sinne der Chancengleichheit in das Spiel eingebunden werden können.

Entscheidend ist dabei, dass allen beteiligten Schülerinnen und Schülern der Sinn und Zweck der entsprechenden Regel klar ist. Vor allem auf konsequentes Handeln bei einer Regelmissachtung oder einem Regelverstoß ist an dieser Stelle hinzuweisen.

Impulse für die Umsetzung:

  • Die Formulierung von Regeln in Ich-Form festhalten, so dass die Schülerinnen und Schüler sich direkt angesprochen fühlen.

  • Erinnerungshilfen an die Regeln etablieren.

  • Bekannte, allgemeingültige Regeln und Sanktionen aus den Sportarten nutzen und gegebenenfalls auf andere Unterrichtssituationen übertragen (z. B. gelbe, rote Karte mit kurzen Auszeiten).

  • Den Schülerinnen und Schülern die Abgrenzung zwischen Gemeinschaftsregeln, Regeln der Hausordnung (z. B. der jeweiligen Sportstätte), Regeln für den Unterricht, "Sonderregeln" für einzelne Schülerinnen und Schüler offenlegen und die Sinnhaftigkeit der verschiedenen Regeln besprechen.