DGUV Information 202-113 - Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (...

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Abschnitt 4.6, 4.6 Hinweise zu chronischen Erkrankungen
Abschnitt 4.6
Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Titel: Inklusion im Schulsport Handreichung für Lehrkräfte (DGUV Information 202-113)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-113
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.6 – 4.6 Hinweise zu chronischen Erkrankungen

Für Lehrkräfte als medizinische Laien ist es nicht notwendig, dass sie zu jedem Krankheitsbild tiefgreifendes medizinisches Fachwissen haben. Krankheitsbilder können sich in der Verlaufsform und im Schweregrad individuell sehr unterschiedlich zeigen. Die Erscheinungsformen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und die Symptome können individuell stark variieren. Bei Epilepsie zum Beispiel können auftretende Anfälle je nach Art und Erscheinungsform in ihrer Häufigkeit, Ausprägung, Dauer und in Bezug auf die notwendige Notfallmaßnahme individuell sehr verschieden sein.

Im Folgenden werden verschiedene Krankheitsbilder dargestellt. Bei den Ausführungen wird der Fokus darauf gelegt, welche Bedeutungen sie für den Schulsport haben können und wie mögliche Auswirkungen und passende individuelle Maßnahmen und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Die Ausführungen dienen dazu, einen allgemeinen Überblick zu erhalten. Der Blick auf die individuelle gesundheitliche Situation jeder Schülerin und jedes Schülers sowie getroffene individuelle Absprachen mit den Eltern sollten jedoch immer im Mittelpunkt stehen.

Wer nach ausführlicheren Informationen zu den aufgeführten chronischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Schule sucht oder einen detaillierten Einblick in weitere Krankheitsbilder wünscht, der kann sich in Veröffentlichungen informieren, auf die in dieser Handreichung verwiesen wird.

4.6.1 Epilepsie

Epileptische Anfälle sind Folge einer Funktionsstörung im Gehirn. Für alle körperlichen und geistigen Leistungen ist es wichtig, dass Erregungen in den Nervenzellen verbunden mit elektrischen "Entladungen" im Gehirn wohl dosiert und geordnet ablaufen.

Bei einem epileptischen Anfall treten Funktionsstörungen in diesem Ablauf auf. Es kommt zu "kurzschlussartigen" diffusen Entladungen im Gehirn (vgl. BzgA, S. 73).

Erscheinungsformen

Epileptische Anfälle enden in der Regel nach wenigen Minuten oder sogar Sekunden von selbst. Es gibt sehr unterschiedliche Anfallsformen. Sie können nach Art und Erscheinungsform in ihrer Häufigkeit, Ausprägung, Dauer und in Bezug auf die notwendigen Notfallmaßnahmen individuell sehr unterschiedlich sein. Viele Schülerinnen und Schüler werden mit antiepileptischen Medikamenten behandelt, die die Anfallsbereitschaft unterdrücken.

Es ist wichtig, die Schülerin, den Schüler und die Eltern nach ihren Erfahrungen zu befragen, wie ein Anfall in dem individuellen Fall erfahrungsgemäß aussehen kann (Anfallsart) und wie häufig Anfälle auftreten (Anfallshäufigkeit).

Die Ausprägungen von epileptischen Anfällen können-individuell sehr unterschiedlich sein. Die nachfolgend aufgeführten Merkmale sind nicht als allgemeingültige Aussagen zu verstehen. Sie kennzeichnen lediglich mögliche Anhaltspunkte:

  • Verlust des Bewusstseins oder nur Abwesenheit

  • Bewusstseinstrübung

  • automatische Bewegungen, mögliche krampfartige Zuckungen, muskuläre Versteifungen

  • zunehmender Speichelfluss

  • eventuell Biss auf die Zunge

  • eine Phase mit langsam zurückkehrender Orientierung

  • Abgeschlagenheit und eventuell starkes Schlafbedürfnis

Epileptische Anfälle im Umfeld Schule

Einen Anfall einer Klassenkameradin oder eines Klassenkameraden mitzuerleben, ist sowohl für die Mitschülerinnen und -schüler als auch für die Lehrkräfte ein Erlebnis, welches einen intensiven, nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann. Es ist daher sinnvoll, mit den Mitschülerinnen und Mitschülern über das Krankheitsbild Epilepsie und seine Auswirkungen zu reden. Geklärt werden sollte hier auch, wie sich Mitschülerinnen und Mitschüler in einer akuten Krisensituation im Sportunterricht verhalten sollten. Ggf. können sich diese in die Umkleideräume zurückziehen bzw. weitere Lehrkräfte über die Krisensituation informieren, damit diese unterstützend auch im Sinne einer kontinuierlichen Aufsichtsführung tätig werden können. Auch die Situation der betroffenen Schülerin, des betroffenen Schülers, die/der bei jedem Anfall eine körperlich und psychisch belastende Situation erlebt (Bewusstseinserwachen, Orientierung finden, langsam Kontrolle erlangen, auf Hilfe angewiesen sein, Schamentwicklung wegen des hilflosen Ausgeliefertseins), sollte in diesem Zusammenhang thematisiert werden. Im Vorfeld ist jedoch in jedem Fall die Einwilligung der Eltern einzuholen, in welcher Form die Mitschülerinnen und Mitschüler über die Krankheit informiert werden können.

Bedeutung für den Schulsport

Auch für Menschen mit Epilepsie gilt, dass sportliche Aktivität grundsätzlich gesund ist. Sport verbessert bei regelmäßiger Durchführung die körperliche Fitness und wirkt sich auch positiv auf das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz aus.

Durch sportliche Aktivität wird das epileptische Potential in der Regel nicht erhöht. Untersuchungen zeigen sogar, dass während sportlicher Aktivität epileptische Anfälle eher seltener auftreten. Psychische und physische Anforderungen im Sinne von Stress können die Anfallsneigung jedoch verstärken (vgl. Worms/Dröge 2013, S. 2).

Hinweise für den Schulsport

Eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Eltern und ggf. den behandelnden Ärzten der Schülerin, des Schülers ist besonders wichtig. Dabei sollte sichergestellt werden, dass auch Informationen über aktuelle Veränderungen des Krankheitsbildes ausgetauscht werden (z. B. Anfallshäufigkeit, Änderung der Medikation). Schriftliche Aufzeichnungen über die Zusammenarbeit und die geführten Gespräche sind empfehlenswert.

Bedenklich können Sportarten bzw. sportliche Aktivitäten sein, bei denen im Falle eines Anfalls Absturzgefahr besteht. Hierbei sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden (vgl. BzgA, S. 76). Insbesondere beim Schwimmen, Tauchen und Überwassersportarten sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Es ist ratsam, in jedem Einzelfall eine fachärztliche Stellungnahme einzuholen. Die verantwortliche Lehrkraft entscheidet unter Berücksichtigung aller zur Verfügung stehenden Informationen im Einvernehmen mit der Schulleitung, ob besondere (Sicherheits)maßnahmen für die Teilnahme erforderlich sind, beispielsweise:

  • besondere Aufsichtsmaßnahmen beim Bewegen im Wasser

  • Einschränkungen von einzelne Aktivitäten (z. B. Tauchübungen)

  • Einsatz von zusätzlichen Auftriebsmitteln (z. B. ein Schwimmkragen oder eine ohnmachtssichere Schwimmweste)

  • unter den gegebenen Umständen Freistellung von Angeboten im Bewegungsfeld und Sportbereich "Bewegen im Wasser - Schwimmen"

Generell gilt, dass immer im Einzelfall zu entscheiden ist, ob besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen oder gar Einschränkungen erforderlich sind.

Maßnahmen während des Anfalls

Der Verlauf des Anfalls kann von außen nicht beeinflusst werden. Bemühungen dieser Art - wie etwa gewaltsames Festhalten - können eher schaden. Es gilt bei Anfällen, Ruhe zu bewahren und mögliche Gefahrenquellen zu entfernen bzw. die betroffene Person davor zu bewahren. Die Schülerin, der Schüler muss aus einem Gefahrenbereich (z. B. Straßenverkehr, Wasser, Treppen) gebracht oder davon ferngehalten werden. Darüber hinaus sollten gefährdende Gegenstände entfernt werden (z. B. Brille, Werkzeuge, Möbel, Sportgeräte) und eine geschützte Lagerung des Körpers garantiert werden (weiche Kopfunterlage). Die dargestellten Hilfeleistungen gehen nicht über das Maß einer üblichen Erste-Hilfe-Fortbildung für Lehrkräfte hinaus.

Darüber hinaus sind in jedem Fall die mit den Eltern vereinbarten Handlungsmaßnahmen und die Hinweise in der evtl. vorliegenden ärztlichen Stellungnahme zu beachten. Im Zweifelsfall ist immer die Verständigung des Rettungsdienstes indiziert. Für die Schülerin, den Schüler und die weitere Behandlung ist es hilfreich, wenn die Lehrkraft den Verlauf des Anfalls beobachtet und die Schülerin, den Schüler und die Eltern nach dem Anfall informiert, wie lange der Anfall gedauert hat und in welchen Körperteilen gegebenenfalls Muskelzuckungen stattgefunden haben. Die Vorschriften bzgl. einer Medikamentengabe in der Schule sind in jedem Fall zu beachten und unbedingt einzuhalten.

Betreuung direkt nach dem Anfall:

  • die Schülerin, den Schüler bei eintretender Ruhephase (nach dem epileptischen Anfall) in die stabile Seitenlage bringen (Speichelabfluss ermöglichen)

  • die Kleidung insbesondere am Hals lockern (und damit die Atmung erleichtern)

  • die Schülerin, den Schüler freundlich ansprechen und so den Zeitpunkt kontrollieren, an dem das Bewusstsein zurückkehrt

  • nach Verletzungen, insbesondere im Kopfbereich, sehen

  • Hilfestellung in der Phase des Bewusstwerdens und der Erholung geben

  • umstehende Mitschülerinnen und Mitschüler auffordern, Abstand zu halten und sich ruhig zu verhalten

  • Begleitung und einen möglichen Ort zum Ausruhen anbieten und organisieren

  • die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer und die Eltern informieren

4.6.2 Asthma bronchiale

Asthma ist eine anfallsartig auftretende oder chronische Atemwegs-Einengung. Asthma bedeutet "erschwertes Atmen", welches infolge einer Verkrampfung und evtl. auch Entzündung der Atemwege auftritt. Asthma bronchiale (Bronchialasthma) ist eine der möglichen Formen des Asthmas. In Deutschland ist es die häufigste chronische Kinderkrankheit (vgl. BzgA, S. 42).

Erscheinungsformen

Die häufigsten Beschwerden sind Atemnot, Husten, eine pfeifende (Aus-)Atmung, ein Enge-Gefühl in der Brust und eine verminderte Belastbarkeit. Asthma kann unterschiedliche Auslöser haben: Häufig spielen dabei Allergien, z. B. auf Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben eine Rolle. Aber auch körperliche Anstrengung, emotionaler Stress, Infekte, bestimmte Medikamente und Schadstoffe können eine Asthmaverschlechterung hervorrufen. Um die Erkrankung richtig behandeln zu können, ist es wichtig, nicht nur die Medikamente regelmäßig einzunehmen, sondern auch auf die individuellen Auslöser Rücksicht zu nehmen. Es ist mit Blick auf den Individualfall sinnvoll zu klären, ob anfallsauslösende Faktoren in der Schule ausgeschaltet werden können (vgl. BzgA, S. 46).

Bedeutung für den Schulsport

Schülerinnen und Schüler mit Asthma können und sollten grundsätzlich am Schulsport teilnehmen. Dabei sollte auf ihre Bedürfnisse entsprechend geachtet werden. Durch regelmäßiges Sporttreiben gewöhnen die Schülerinnen und Schüler ihren Körper an die Anstrengung und die Lungenfunktion wird verbessert. Das Risiko, einen Asthmaanfall zu bekommen, nimmt dadurch in der Regel ab.

Als Lehrkraft ist es hilfreich, Kenntnis über mögliche individuelle Auslöser von asthmatischen Beschwerden zu haben, um die Schülerin, den Schüler zu unterstützen, diese im Schulsport möglichst gezielt zu vermeiden. Wichtig ist, mit den Eltern und ggf. der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt sowie mit der Schülerin, dem Schüler zu besprechen, was genau im Falle eines Asthmaanfalls zu tun ist und wie die Mitnahme von Notfallmedikamenten geregelt ist. Die Erstellung eines Asthma-Notfallplans gemeinsam mit den Eltern und der Schülerin, dem Schüler ist an dieser Stelle zu empfehlen. Der enge Austausch über die aktuelle gesundheitliche Situation mit der Schülerin, dem Schüler und gegebenenfalls mit den Eltern bietet die Grundlage dafür, die "Tagesform" bei der Gestaltung der Schulsportangebote individuell zu berücksichtigen.

Lehrkräfte sollten sich, ebenfalls nach Rücksprache mit der Schülerin, dem Schüler und den Eltern, vor allem mit atemerleichternden Stellungen auskennen, die leicht zu lernen und anzuwenden sind und schnell helfen können. Individuelle Absprachen mit den Eltern und der Schülerin, dem Schüler sind an dieser Stelle besonders wichtig.

Oftmals weiß die Schülerin, der Schüler, welche Körperhaltung entlastend ist und hat bereits atemerleichternde Stellungen erlernt. Je nach Krankheitsbild kann es individuell verschieden sein, was als atemerleichternd empfunden wird. Eine bewährte entlastende Körperhaltung bei Atemnot ist der "Kutschersitz".

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Eine erlernte Atemtechnik, durch die die Atmung verlangsamt wird und die Bronchien geweitet werden, kann während eines Asthmaanfalls hilfreich sein. Bei der Lippenbremse werden die Lippen aufeinandergepresst und es wird durch die Nase eingeatmet. Bei der Ausatmung wird der Mund einen Spalt geöffnet und mit "pff" oder "sss" gleichmäßig ausgeatmet.

Hinweise für den Schulsport

  • Je nach Tagesform und Medikamentierung kann die körperliche Belastungsfähigkeit der Schülerin, des Schülers unterschiedlich sein. Es ist sinnvoll, die aktuelle Tagesform vor Beginn der Einheit abzufragen.

  • Eine geeignete Aufwärmphase besteht aus einer Mischung von kurzen, durchaus schnelleren Laufübungen im Wechsel mit dosierten langsamen Bewegungen.

  • Intensive körperliche Belastung sollte mit Bedacht herausgefordert und vorher angekündigt werden.

  • Sportaktivitäten, die eine schnelle Atmung verursachen (sogenannte anaerobe Sportaktionen), sollten eher vermieden oder mit besonderer Vorsicht ausgeführt werden.

  • Ausdauersportarten sowie koordinative Sportaktionen sind in den meisten Fällen besonders geeignet, ebenso wie z. B. Schwimmen, Joggen, Radfahren. Die Lehrkraft sollte die Schülerin, den Schüler bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere bei Spielformen mit Drucksituationen (z. B. Ballspiele), gut beobachten.

  • Sofern die Schülerin, der Schüler das Asthmaspray nicht eigenständig einnehmen und dosieren kann, sind die Vorgaben für die Medikamentengabe zu berücksichtigen. Es ist in jedem Fall sinnvoll, dass die Lehrkraft mit der Schülerin, dem Schüler einen leicht zugänglichen Ort vereinbart, an dem sich das Spray befindet.

  • Die Lehrkraft sollte die Dosierung von Belastungsund Erholungsphasen durch Pausenzeiten für den Betroffenen oder die Betroffene individuell planen.

  • Wenn ein Asthmaanfall erst kurze Zeit zurückliegt, sollte mit körperlicher Belastung besonders vorsichtig umgegangen werden.

4.6.3 Diabetes

Diabetes (Diabetes mellitus, dt. Zuckerkrankheit) bezeichnet eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels, bei der die Blutzuckerwerte im Körper erhöht sind. Diabetes ist nicht heilbar; bei einer disziplinierten Umsetzung der Maßnahmen zur Regulierung der Blutzuckerwerte ist es jedoch möglich, ein beschwerdefreies oder beschwerdearmes Leben zu führen (vgl. Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie e.V. (AGPD) 2013, S. 4).

Erscheinungsformen:

Es lassen sich zwei Haupttypen von Diabetes unterscheiden. Bei Kindern tritt in der Regel der sogenannte Typ 1 Diabetes (kindlicher und jugendlicher Typ) auf. Hier liegt eine Stoffwechselstörung vor, bei der das lebensnotwendige körpereigene Hormon Insulin, das den Blutzucker reguliert, in der Bauchspeicheldrüse in zu geringem Maße oder gar nicht gebildet wird. Das fehlende Insulin muss mit einem Insulin-Pen, einer Insulinspritze oder einer Insulinpumpe zugeführt und mit der Nahrung genau abgestimmt werden. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt, die richtige Menge und die Zusammensetzung der Nahrung an (vgl. AGPD 2013, S. 4).

Der sehr viel häufigere Typ 2 Diabetes (Altersdiabetes) tritt vor allem bei übergewichtigen Erwachsenen auf. Durch die Zunahme von Adipositas (Fettleibigkeit) und Bewegungsmangel bei immer jüngeren Menschen findet man Typ 2 Diabetes heute sogar schon immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen (vgl. AGPD 2013, S. 4).

Symptome:

Beiden Formen gemeinsam sind mögliche Symptome wie ein vermehrtes Durstgefühl, Müdigkeit, ein verstärkter Harndrang und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Extreme Blutzuckerwerte, also sehr hohe (Hyperglykämie) oder sehr niedrige (Hypoglykämie) Werte, können in der Akut-situation sogar bis zum Koma führen, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. Zusätzlich können Diabetiker an Folgeerkrankungen wie z. B. Schädigung von Gefäßen und Nervenoder Nierenerkrankungen leiden. Je nach Lebenssituation und Entwicklungsphase bedeutet der Umgang mit dieser Erkrankung für die Betroffenen eine große psychische Anstrengung (vgl. Bartus/Holder, 2014, S. 21ff.).

Bedeutung für den Schulsport

Die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist durch den Diabetes in der Regel nicht eingeschränkt. Regelmäßiger Sport hilft, spätere ernsthafte Gesundheitsprobleme zu mindern. Sport kann dabei unterstützen, die Diabeteseinstellung und die Fettund Blutdruckwerte zu verbessern. Der Blutzuckerspiegel wird stabiler, wenn eine Schülerin, ein Schüler gut trainiert ist. Lehrkräfte, die eine Schülerin, einen Schüler mit Diabetes Typ 1 in ihrer Lerngruppe haben, sollten sich über mögliche Auswirkungen der Erkrankung bei der Schülerin, dem Schüler und den Eltern erkundigen (vgl. Bartus/Holder 2014, S. 156ff.).

Die Einflüsse der folgenden Faktoren auf den Blutzucker müssen der Lehrkraft bekannt sein:

  • Insulin senkt den Blutzuckerspiegel

  • körperliche Anstrengung senkt den Blutzuckerspiegel

  • Kohlenhydrate wie z. B. Zucker, Obstsäfte, Brot erhöhen den Blutzuckerspiegel

Vor dem Schulsport kontrollieren Schülerinnen und Schüler ihren Blutzuckerwert und essen ggf. etwas.

Hinweise für den Schulsport

Eine Schülerin, ein Schüler mit Diabetes kann grundsätzlich an allen sportlichen Unterrichtsinhalten teilnehmen, sofern eine Blutzuckereinstellung gewährleistet ist. Die Diabetesbehandlung muss jedes Mal an die sportliche Aktivität angepasst werden. Deshalb sollte die Schülerin, der Schüler zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, den Blutzucker zu messen und ggf. etwas zu essen oder zu trinken. Bei Schülerinnen und Schülern mit Diabetes sollte im Schulsport auf Anzeichen der Unterzuckerung oder Überzuckerung geachtet werden.

Es besteht die Möglichkeit, dass durch die sportliche Belastung eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) auftritt, die sich durch folgende Zeichen bemerkbar machen kann:

  • Veränderung der Stimmungslage

  • Gereiztheit

  • Zittern

  • Schweißausbrüche

  • motorische Unruhe

  • Koordinationsprobleme bei bereits automatisierten Bewegungen

  • Sehstörungen

  • Konzentrationsprobleme

  • verlangsamte Reaktionen

Treten Anzeichen von Unterzuckerung auf, sollte die Schülerin bzw. der Schüler die sportliche Aktivität unterbrechen und sofort Traubenzucker, Zucker oder zuckerhaltige Säfte zu sich nehmen. Zusätzlich muss eine Blutzuckerkontrolle erfolgen. Die Schülerin, der Schüler sollte in dieser Situation auf keinen Fall unbeobachtet gelassen werden oder nach Hause geschickt werden (vgl. AGPD S. 10ff.).

Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseinsverlusten wird die Schülerin, der Schüler sicher und bequem auf dem Fußboden in stabiler Seitenlage positioniert. Der Schülerin, dem Schüler darf wegen der Gefahr des Verschluckens keine feste oder flüssige Nahrung eingeflößt werden. Der Notarzt muss unverzüglich gerufen und die Eltern müssen informiert werden.

Wesentlich seltener, aber nicht auszuschließen, ist das Auftreten einer Überzuckerung (Hyperglykämie). Die ersten Warnzeichen entsprechen den Symptomen eines unbehandelten Diabetes (s. oben). Eine schwere Hyperglykämie zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Übelkeit

  • Bauchmerzen

  • schwere Atmung

  • Blutzuckerwerte über 250 mg/dl

  • Azetongeruch in der Atemluft (riecht wie Nagellackentferner oder vergorenes Obst)

  • der Betroffene kann ins Koma fallen

Maßnahmen:

  • bei Erbrechen und drohendem Koma muss sofort der Notarzt gerufen werden

  • bei leichteren Anzeichen:

    • viel Wasser trinken (Flüssigkeit ohne Zucker)

    • Korrektur des Blutzuckers mit Insulin

    • jede körperliche Anstrengung vermeiden (vgl. AGPD S. 10ff.)

Im Zusammenhang mit einer Medikamentengabe sind die entsprechenden Vorschriften unbedingt zu beachten.

Sonstiges:

  • Je nach individueller Absprache mit den Eltern und ggf. mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt kann die Schülerin, der Schüler zwei verschiedene Wege wählen, um sich vor Unterzuckerung während der körperlichen Anstrengung zu schützen. Entweder versorgt die Schülerin, der Schüler sich vor dem Schulsportangebot selbst mit zusätzlicher Glukose, indem sie oder er mehr Kohlenhydrate isst oder sie bzw. er spritzt vorher weniger Insulin.

  • Die Zufuhr von Nahrung oder zuckerhaltigen Getränken sollte im Schulsport nach Absprache gestattet werden. Es ist sinnvoll, dass die Lehrkraft eine Notreserve, z. B. Traubenzuckertabletten, leicht zugänglich aufbewahrt.

  • Der Blutzuckerspiegel sollte beim Sport lieber einmal mehr als einmal zu wenig kontrolliert werden.

  • Beim Schwimmen ist es sinnvoll, Blutzuckermessgerät und Traubenzucker griffbereit am Beckenrand aufzubewahren.

  • Es ist sinnvoll, nach Absprache mit den Eltern und deren Einverständnis, die Mitschüler über den Diabetes des Schülers, der Schülerin sachlich zu informieren.

  • Die Schülerin, der Schüler sollte in einer (Sport-)Tasche Folgendes bei sich führen: eine ausreichende Menge schnell wirksamer Kohlenhydrate (z. B. Traubenzuckerplättchen, Fruchtsaft oder Obst), Diabetes-Ausweis, Protokollheft, Blutzuckermessgerät/Stechhilfe, Insuline (falls vorhanden). Es sollte sichergestellt werden, dass die Tasche für den Notfall für die Lehrkraft leicht zugänglich aufbewahrt wird.

4.6.4 Adipositas

Die Häufigkeit von Adipositas im Kindes- und Jugendalter steigt in den Industrieländern seit einigen Jahren an. Man versteht unter Adipositas einen übermäßigen Anteil von Fettgewebe am Körpergewicht. Der Übergang vom Übergewicht zur Adipositas wird bei einem Body Mass Index (BMI) von 30 erreicht. Die Hauptursachen dieser Erkrankung liegen in der mangelnden Bewegung bei gleichzeitig zu hoher Aufnahme von Kalorien. Dieses Missverhältnis von Kalorienaufnahme zum Energieverbrauch führt zur Speicherung der überschüssigen Energie in Form von Fett. Man geht davon aus, dass in Deutschland rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig sind, rund ein Drittel von ihnen sind adipös (vgl. Robert-Koch-Institut 2008, S. 41).

Bei einigen der betroffenen Personen treten bereits im Jugendalter (beginnende) orthopädische Probleme und das sogenannte metabolische Syndrom auf (gleichzeitig Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen).

Die folgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf die ernährungsbedingte Adipositas und nicht um seltene andere Formen von Adipositas.

Erscheinungsformen:

Im Kindes- und Jugendalter stehen mögliche psychosoziale Folgen im Vordergrund, die im Erwachsenenalter zu weiteren Komplikationen, z. B. Stoffwechselund orthopädische Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können.

Bedeutung für den Schulsport

Sport und Bewegung haben einen positiven und vor allem einen präventiven Einfluss auf die psychische Stabilität und physische Konstitution.

Der Schulsport kann sich präventiv und kompensierend auf die Gefahren und Probleme vieler übergewichtiger Schülerinnen und Schüler im (Schul-) Alltag auswirken (z. B. Depressionen, eingeschränktes Selbstwertgefühl, auffälliges Sozialverhalten und Stigmatisierungen). Sportliche Betätigung beeinflusst den Fett- und Glukosehaushalt positiv.

Hinweise für den Schulsport

Grundsätzlich gilt es, die Schülerinnen und Schüler langsam an die körperlichen Belastungen im Schulsport heranzuführen (u. a. Herz-Kreislauf-Belastungen). Bei zu hoher Belastung ist häufig ein "weißes Dreieck" im Gesicht (blasse Haut um den Mund und die Nase herum) zu erkennen. Hier sollte die Belastung sofort unterbrochen werden, damit sich der Kreislauf stabilisieren kann. Sehr positiv wirken sich meist sportliche Betätigungen im Wasser aus (z. B. Schwimmen, Aquajogging).

Im Schulsport sollten vorrangig folgende Aspekte im Vordergrund stehen:

  • Aufbau und Erhalt der Motivation der Schülerinnen und Schüler für körperliche Betätigung, Sport und Bewegung

  • durch Erfolgserlebnisse, alleine und als Mitglied einer Lerngruppe, können im Schulsport wichtige gesundheitsförderliche Grundlagen vermittelt werden