DGUV Information 202-116 - Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften (DGUV Informa...

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Abschnitt 5.2, 5.2 Berufseinführung
Abschnitt 5.2
Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften (DGUV Information 202-116)
Titel: Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften (DGUV Information 202-116)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-116
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Berufseinführung

Bislang werden Schulgesundheitsfachkräfte eingestellt, die in aller Regel über keinerlei Berufserfahrungen in einer Schule verfügen. Die Fachkräfte sind mit den Schulstrukturen wie zum Beispiel dem komplexen Geflecht der Gremien nicht vertraut. Sie kennen in der Regel weder die rechtlichen Rahmenbedingungen des Unfallversicherungsrechts oder der medizinischen Versorgung in der Schule noch die Unterstützungs- und Kooperationsmöglichkeiten im Setting Schule und die Strukturen der Gesundheitsämter sowie des entsprechenden Gesundheitsnetzwerks vor Ort. Das relevante Methodenwissen, zum Beispiel über das Führen schwieriger Gespräche, kann ebenfalls nicht vorausgesetzt werden.

Diese grundlegenden Kenntnisse müssen also vermittelt und erworben werden. Deshalb ist eine Weiterbildungsmaßnahme unabdingbar, wenn der Einsatz gelingen soll.

Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. hat unter Einbeziehung eines Expertengremiums mit verschiedenen Professionen und den Mitgliedern der Projektsteuerkreise in Brandenburg und Hessen ein Curriculum für eine Weiterbildung erstellt (Tabelle 2). Ebenso liegt eine Evaluation vor, die zu einer Fortentwicklung des Curriculums geführt hat. Das vorliegende "Curriculum zur Weiterbildung für examinierte Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte zu Schulgesundheitsfachkräften"  8 beschreibt Umfang, Form und Dauer einer Qualifikation, die zu erwerbenden Kompetenzen, die verschiedenen Ausbildungsphasen, die zu erbringenden Leistungsnachweise, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung. Die Qualifizierungsmaßnahme umfasst insgesamt 720 Unterrichtseinheiten (UE) 45 Minuten Theorie sowie 930 Stunden angeleitete selbstständige Praxis. Die 720 UE Theorie sind gegliedert in zehn Module mit unterschiedlichem Umfang. Davon werden 592 UE als Präsenzzeit, ggf. als E-Learning, 116 UE in Form von Selbststudium und 12 Stunden für die Abschlussprüfung realisiert. Die Praxisphase wird fachlich durch Schulbesuche in Form eines Supervisionsangebots begleitet.

Tabelle 2 Übersicht über die Bestandteile der Qualifizierung von Schulgesundheitsfachkräften

Module Inhalt Umfang nach Stunden
Theorie   720
Modul 1Einführung in die Weiterbildung und Reflexion über die Anwendung von Fertigkeiten und Kompetenzen aus der Primärqualifikation im Handlungsfeld Schule48
Modul 2Rahmenbedingungen des Tätigkeitsfeldes der Schulgesundheitsfachkräfte104
Modul 3Pflegerische und medizinische Aspekte der Tätigkeit der Schulgesundheitsfachkräfte80
Modul 4Entwicklung von Kindern und Jugendlichen88
Modul 5Psychische Gesundheit als Schwerpunkt in der Arbeit der Schulgesundheitsfachkräfte80
Modul 6Kommunikation und Beratung im Lebensumfeld Schule72
Modul 7Gesundheitsförderung und Prävention im Lebensumfeld Schule72
Modul 8Grundlagen der sozialen Arbeit im Lebensumfeld Schule56
Modul 9Gesundheitsfördernde Projektarbeit an Schulen64
Modul 10Qualitätssicherung44
 Abschlussprüfung12
Praxis Angeleitete und selbstständige Praxis 930
Gesamt Gesamtumfang der Qualifizierung 1650

Um einen genaueren Eindruck zu vermitteln, wird das Modul 1 nachfolgend exemplarisch dargestellt. In diesem Modul werden folgende Inhalte vermittelt:

Modul 1 - Einführung in die Weiterbildung und Reflexion über die Anwendung von Fertigkeiten und Kompetenzen aus der Primärqualifikation im Handlungsfeld Schule

  • Einstieg in die Lerngruppe

  • Das Tätigkeitsprofil der Schulgesundheitsfachkräfte

  • Reflexion der eigenen Kompetenzen aus der Primärqualifikation bezogen auf das Tätigkeitsprofil

  • Struktur und rechtliche Grundlagen des Schulsystems

  • Struktur und rechtliche Grundlagen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

Leistungsnachweise sind in schriftlicher, mündlicher oder praktischer Form im Rahmen von Modulprüfungen zu erbringen. Die Qualifizierungsmaßnahme schließt mit einem benoteten mündlichen Fachgespräch ab. Darin weisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach, dass sie das Qualifizierungsziel erreicht haben. Diese Qualifikationsnachweise sind wichtig, denn in Alltagssituationen sind Schulgesundheitsfachkräfte oft auf sich selbst gestellt und müssen handlungssicher sein.

Die Qualifizierung und deren Anwendung in der Praxis wurden wissenschaftlich begleitet. Das beschriebene Curriculum hat sich in der Praxis bewährt (Näheres dazu in Kapitel 11).

Eine bundesweite Vereinbarung über ein gemeinsames Curriculum wäre mit vielen Vorteilen wie der gegenseitigen Anrechenbarkeit oder zentralen Qualifizierungsmöglichkeiten verbunden. Perspektivisch könnte auch ein eigenes Berufsbild mit eigenem Ausbildungsgang dafür sorgen, dass die beschriebene Form der Nachqualifizierung nicht mehr erforderlich ist.