DGUV Information 203-094 - Radon Eine Handlungshilfe zu Expositionsmessungen, zu...

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Abschnitt 4, 4 Naturwissenschaftliche Grundlagen und gesundh...
Abschnitt 4
Radon Eine Handlungshilfe zu Expositionsmessungen, zur Interpretation von Messergebnissen und zu Strahlenschutzmaßnahmen (DGUV Information 203-094)
Titel: Radon Eine Handlungshilfe zu Expositionsmessungen, zur Interpretation von Messergebnissen und zu Strahlenschutzmaßnahmen (DGUV Information 203-094)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-094
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4 – 4 Naturwissenschaftliche Grundlagen und gesundheitliche Auswirkungen

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas das spontan in Folgeprodukte zerfällt. Es ist mobil, geruchlos, farblos, geschmacklos, also nicht mit unseren Sinnen wahrzunehmen. Es ist jedoch leicht mit Messgeräten feststellbar. Es tritt als Gas aus der Erde aus. In Gebäuden - vorwiegend in Keller- und Erdgeschossräumen kann es sich in unterschiedlicher Konzentration in Abhängigkeit von der Bausubstanz und der Gasdurchlässigkeit des Bodens ansammeln.

Viele Folgeprodukte aus den natürlichen Zerfallsreihen Uran und Thorium sind selbst auch wieder radioaktiv. Über die Atmung nehmen wir Radon und die an winzige Partikel gehefteten Folgeprodukte auf. Die gesundheitliche Gefährdung geht dabei weniger vom Radon selbst aus, das aufgrund seiner Edelgaseigenschaften und der Halbwertszeit von knapp vier Tagen zum größten Teil wieder ausgeatmet wird. Die Strahlendosis wird von seinen kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukten, wie Polonium, Bismut und Blei mit Halbwertszeiten im Minutenbereich, verursacht. Bei diesen Zerfallsprodukten handelt es sich um energiereiche Alpha- und Betastrahler. Diese dringen in das Lungengewebe ein. Es kommt zu Zellschäden, die sich dann zu Krebszellen entwickeln können. Das Lungenkrebsrisiko steigt mit der Radonkonzentration und der Aufenthaltsdauer im Raum.

Nach dem Rauchen ist Radon der zweitgrößte Risikofaktor für Lungenkrebs, noch deutlich vor Asbest und Dieselruß.

Ein kleiner Teil des eingeatmeten Radons und seiner Zerfallsprodukte kann über die Lunge ins Blut und letztendlich auch in andere Organe gelangen. Die damit verbundenen Organdosen und Krebsrisiken sind aber sehr gering. Dennoch entstanden in jüngerer Zeit zunehmende Diskussionen, ob Radon auch andere Krankheiten verursachen kann. Das einzige bisher sicher nachgewiesene Gesundheitsrisiko durch Radon ist Lungenkrebs.

Bei Beschäftigten im Uran-Bergbau ist Lungenkrebs durch Radon eine anerkannte Berufskrankheit. In den Anfängen des Bergbaus ist sie als Schneeberger (Lungen-) Krankheit bekannt geworden. Rechnerische Abschätzungen aus der Lungenkrebshäufigkeit dieser Beschäftigten haben ergeben, dass Radon für etwa 5-10 % der Todesfälle durch Lungenkrebs verantwortlich ist. Diese Größenordnung wurde inzwischen durch epidemiologische Studien in Deutschland und der EU belegt. In Deutschland sind danach tatsächlich etwa 5 % der tödlichen Lungenkrebserkrankungen auf Radon zurückzuführen. Das sind durchschnittlich etwa 1.900 Todesfälle pro Jahr, EU-weit rund 20.000. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der weitaus größte Teil der dem Radon zugeschriebenen Lungenkrebsfälle unter den Rauchern zu verzeichnen ist. Treffen Rauchen und Radonbelastung zusammen, erhöht sich das Risiko überproportional.

Andererseits wird Radon auch für therapeutische Zwecke eingesetzt. Durch Radonbäder und Inhalationen in Radonstollen kann es zur Linderung von schmerzhaften chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates kommen. Seltener wird diese Therapieform auch bei chronisch entzündlichen Erkrankungen der Atemwege und der Haut angewandt. Die Wirksamkeit der Radonbehandlung zur Schmerzreduktion ist statistisch signifikant belegt. Für kontroverse Diskussionen sorgt allerdings die Abwägung zwischen dem Strahlenrisiko einerseits und den Nebenwirkungen einer medikamentösen Schmerztherapie auf der anderen Seite.