DGUV Information 202-111 - Mit Schulleitung gesunde, inklusive Schule gestalten ...

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Abschnitt 8.6, 8.6 Ressourcen und ungenutzte Potentiale hebe...
Abschnitt 8.6
Mit Schulleitung gesunde, inklusive Schule gestalten Handlungsempfehlungen und Reflexionsimpulse für Schulentwicklungsprozesse (DGUV Information 202-111)
Titel: Mit Schulleitung gesunde, inklusive Schule gestalten Handlungsempfehlungen und Reflexionsimpulse für Schulentwicklungsprozesse (DGUV Information 202-111)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-111
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.6 – 8.6 Ressourcen und ungenutzte Potentiale heben

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"Ein wichtiger Fokus von Schulentwicklung liegt darauf, die von den Beteiligten zunächst nicht beobachtbaren sozialen Regelungssysteme und Ressourcen aufzufinden." 58

Die erfolgreiche Umsetzung inklusiver Schulentwicklung erfordert das Gleichgewicht sowohl interner als auch externer Anforderungen und Ressourcen 59:

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Während die externen Anforderungen etwa aus den bildungspolitischen Vorgaben, dem Rechtsanspruch auf inklusive Bildung durch die UN-BRK oder dem Wunsch der Eltern und Kinder nach einer gleichberechtigten Teilhabe an Bildung resultieren können. Setzen sich die internen Anforderungen aus den individuellen Ansprüchen an die eigene Praxis, also bspw. dem Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, Autonomie oder auch nach Zugehörigkeit und Unterstützung im Kollegium zusammen. Hierbei gilt es zu bedenken, dass externe und interne Anforderungen nicht im Einklang mit einander stehen müssen. Hinsichtlich der Ressourcen bilden etwa die sozialen Beziehungen im beruflichen Umfeld einen zentralen Faktor auf der externen Ebene. Hierzu gehören unter anderem eine gemeinsame Wertebasis, ein hohes Maß der Zusammengehörigkeit im Kollegium sowie kollegiale Unterstützung. Zu den internen Ressourcen zählen bspw. die individuell erlebte Selbstwirksamkeit und das eigene Engagement, das Professionswissen aber auch Distanzierungsfähigkeit.

Im Rahmen einer ressourcenorientierten inklusiven Schulentwicklung gibt es Möglichkeiten, bisher ungenutzte (subjektive) Potenziale interner und externer Ressourcen zu erkennen und in den Prozess mit einfließen zu lassen. Denn: "Wie die Barrieren gibt es auch Ressourcen in allen Aspekten einer Schule: in der Schülerschaft, in der Elternschaft, in der Gemeinde und bei den Mitarbeiterinnen." 60

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Empirische Studien zur inklusiven Schulentwicklung zeigen, dass zusätzliche personelle, materielle, zeitliche Ressourcen sowie Unterstützungen durch nachhaltige Fortbildungsformate und Beratung häufig ausbleiben 61. Inklusive Prozesse müssen daher nicht selten unter zu knapper materieller und zeitlicher Ressourcenlage umgesetzt werden. Da insbesondere zeitliche Ressourcen zu fehlen scheinen, werden den Beteiligten mitunter äußerst kreative Lösungen und ein generell hohes Engagement abverlangt, um sich bei laufendem Betrieb gemeinsam der Aufgabe systematisch anzunehmen. Aber: Jede Schule verfügt bereits über inklusive Potentiale!

Oftmals richtet sich der Blick bei der Suche nach Ressourcen für die inklusive Schulentwicklung vor allem auf externe Ressourcen wie Geldmittel oder Personalstunden 62. Interne Ressourcen werden seltener als solche erkannt und bleiben daher als Potentiale ungenutzt!

Unsere Untersuchung 63 hat jedoch ergeben, dass Schulleitungen, die eine umfassende Bearbeitung des Inklusionsauftrages an ihrer Schule angeleitet und koordiniert haben,

  • vielfältige Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Ressourcenlage an ihren Schulen in der Ausgestaltung schulischer Inklusion berichten. Etwa durch eine entsprechende, teamfähige Stundenplanung, die Umverteilung von Personalstunden zugunsten inklusionsorientierter Entwicklungsmaßnahmen, aber etwa auch durch die Stärkung des schulischen Zusammenhalts durch eine konstruktiv, lösungsorientierten Gesprächsführung, durch Teambuilding, gemeinsame schulweite Veranstaltungen etc.;

  • gezielt nach ungenutzten Potentialen und Ressourcen im eigenen und fremden Systemen suchen, um diese planvoll nutzbar zu machen und zu stärken. Hierzu zählten insbesondere die wertschätzende Beteiligung der unterschiedlichen der Akteure. Etwa der Schulbegleiter bzw. die Schulbegleiterin, der Eltern sowie Schülerinnen und Schüler, die mitunter als potentielle Unterstützungen häufig nicht beachtet werden, aber wie wir wissen, einen wesentlich Beitrag leisten können;

  • die Kommunikation nach innen und außen als eine ihrer zentralsten Aufgaben betrachten. In diesem Sinne suchen sie gezielt und konsequent, innerhalb und außerhalb der eigenen Schule nach "Verbündeten" und tragfähigen Kooperationen.

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string Wenn ich erst dann anfange, mich zu bewegen, wenn ich sage, die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen, die strukturellen Bedingungen stimmen und die Personalressourcen stimmen, dann brauchen wir keine Schule mehr zu machen, dann können wir jetzt dicht machen und können alle nach Hause gehen.
(stellvertretende Schulleitende, Realschule)
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Für den Prozess der ressourcenorientierten inklusiven Schulentwicklung empfiehlt Erbring ein Vorgehen in sieben Schritten 64:

  1. 1.

    Situation der Beteiligten klären:

    Professionell gestaltete Gesprächskreise im Kollegium zum Thema Inklusion durchführen; Sitzungen durch Vorabsprachen effizient gestalten;

  2. 2.

    Analyse der bestehenden Ressourcen:

    Fokus nicht auf Defizite, sondern auf bereits Gelingendes legen; Gruppenstrukturen im Kollegium aufgreifen; evtl. Netzwerke ehemaliger Förderschulen übernehmen;

  3. 3.

    Bedeutung der sonderpädagogischen Förderung reflektieren:

    Gemeinsame Verantwortung schaffen, anstatt das Kollegium in Lehrkräfte und Sonderpädagogen zu spalten ( siehe auch Kapitel 8.5), geteilte Materialpools einrichten;

  4. 4.

    Von der Problem- zur Lösungsorientierung übergehen:

    Lösungen suchen, anstatt Probleme weiter und weiter analysieren zu wollen;

  5. 5.

    Inklusive Leitidee etablieren:

    Abbau von Barrieren und Wertschätzung von Vielfalt nicht nur auf den Unterricht begrenzen, sondern zu Grundsätzen der gesamten Schule machen ( siehe auch Kapitel 8.3);

  6. 6.

    Situativer Unterstützungsbedarf statt sonderpädagogischer Förderbedarf:

    Personal und andere Ressourcen nicht an einzelne Diagnosen binden, sondern da einsetzen, wo sie gebraucht werden;

  7. 7.

    Regionale Netzwerke aufbauen:

    Kontakte knüpfen und pflegen zu Beratungsstellen, Fachdiensten, Ämtern, Eltern; Fortbildungsmaßnahmen nutzen ( siehe auch Kapitel 8.8).

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string Ich sage nicht "Ihr müsst das schaffen!", sondern ich rede mit denen und sage: "Wie schaffen wir das in unserer Situation?" Und dann ist es, für die Kollegen sehr wichtig, dass wir auf der einen Seite hier uns Ressourcen freischaufeln, dass das nicht noch eine Zusatzbelastung ist und die Arbeit wertgeschätzt und wahrgenommen wird. Und nach außen hin, das ist mir auf der anderen Seite wichtig, das darzustellen und im Grunde dafür zu kämpfen, dass sich das verbessert.
(Schulleitende, Gesamtschule)
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58

Erbring 2016

59

Erbring 2014

60

Boban & Hinz 2009

61

Amrhein & Badstieber 2014

62

Katzenbach 2015

63

Amrhein et al. 2018

64

Erbring 2016