DGUV Information 212-190 - Klassifizierung und Auswahl von Atemschutzgeräten nac...

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Abschnitt 3, 3 Klassifizierung
Abschnitt 3
Klassifizierung und Auswahl von Atemschutzgeräten nach ISO-Standards (DGUV Information 212-190)
Titel: Klassifizierung und Auswahl von Atemschutzgeräten nach ISO-Standards (DGUV Information 212-190)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 212-190
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – 3 Klassifizierung

Alle Atemschutzgeräte werden - unabhängig von ihrer Funktionsweise - nach ihren Eigenschaftsmerkmalen sowie der Charakteristik der Atemanschlüsse klassifiziert. An erster Stelle steht die Schutzklasse (PC) als sehr wichtiges Merkmal, gefolgt von der Angabe der Arbeitsschwere (W). Die darauffolgende Angabe für den Atemanschluss (RI) gibt den Abdeckungsbereich und die Art der Abdichtung wieder. Bei atemgasliefernden Atemschutzgeräten wird der benutzbare Inhalt bei Behältergeräten mit "S" (Source), gefolgt von der Literangabe, angegeben. Bei Schlauchgeräten wird das Atemgas von einer externen Quelle zugeführt und wird mit "SY" bezeichnet.

Bei Filtergeräten werden die partikelfiltrierenden Eigenschaften in fünf Effizienzklassen eingeteilt (F1 bis F5). Gasfilter werden nach dem Typ und der Prüfgaskonzentration der jeweiligen Prüfgase eingeteilt. Je nach Gasfiltertyp gibt es bis zu vier Klassen mit entsprechenden Prüfgaskonzentrationen.

Nachfolgende Spezialanwendungen werden durch erweiterte Anforderungen abgedeckt:

  • Feuerwehreinsatz (FF)

  • Chemische-Biologische-Radiologische-Nukleare Gefährdungen (CBRN)

  • Maritimer Einsatz (MA)

  • Bergbau (MN)

  • Strahlarbeiten (AB)

  • Schweißen (WE)

  • Flucht (ES)

Innerhalb der einzelnen Spezialanwendungen ist eine weitere Unterteilung in Klassen vorgesehen, siehe Tabelle 1. Für Spezialanwendungen geeignete Atemschutzgeräte müssen auch die Basisanforderungsklassen PC, W, RI erfüllen. Bei Fluchtgeräten entfällt die Klasse der Arbeitsschwere (W), da diese Geräte nach einem für Fluchtwege typischen Ventilationsregime abgeprüft werden.

Eine tabellarische Darstellung findet sich in Kapitel 6.1.

Tabelle 1 Übersicht der Klassifikationsfelder und deren Klassen gültig für alle Typen von Atemschutzgeräten

Klassifikation Klassen (Bereiche)
Schutzklasse PC6 a
PC5
PC4
PC3
PC2
PC1 b
Klassen der Arbeitsschwere W4 a
W3
W2
W1 b
Atemanschlussklassen
  • Abdeckungsbereiche (Barrieren)

e (über den Kopf hinaus bis hin zum gesamten Körper)
d (Kopf )
c (Gesicht)
b (Mund und Nase)
a (Mund mit verschlossener Nase)
  • Typ

T (Tight fitting - geschlossen)
L (Loose fitting - offen)
Kapazität der atemgasliefernden Geräte Sxxxxc
SYd
Filtereigenschaften
  • Partikelfilter

  • Effizienzklassen


F5a
F4
F3
F2
F1 b
Gasfilter Typen und Klassen verschieden Typen, aufbauend auf Prüfgasen bis zu vier Klassen entsprechend der Prüfgaskonzentration
Klasse 1 ist die niedrigste

Darüber hinaus können Atemschutzgeräte für einen oder
mehrere Spezialanwendungen klassifiziert werden, wie in
Tabelle 2 oder Tabelle 3 aufgeführt.

Tabelle 2 Übersicht der Spezialanwendungen und deren Klassen gültig für alle atemgasliefernden Atemschutzgeräte

Spezialanwendungen Klassen
Feuerwehreinsatz  
  • Brandbekämpfung:

 
  1.  
    • Innenangriff Typ R2

FF5
  1.  
    • Innenangriff Typ R1

FF4
  • gefährliche Materialien

FF3
  • Rettung

FF2
  • Waldbrandbekämpfung

FF1
CBRN  
  • handelnde Personen, die bei unbekannter Bedrohungsumgebung zuerst am Einsatzort sind

CBRN3
  • handelnde Personen in bekannter Bedrohungsumgebung

CBRN2
  • handelnde Personen im rückwärtigen Bereich einer bekannten Bedrohungsumgebung

CBRN1
Maritimer Einsatz  
  • Brandbekämpfung

MA2
  • gefährliche Materialien

MA1
Bergbau  
  • Rettung und Brandbekämpfung

MN3
  • Untertage, Bereich mit explosiver Atmosphäre

MN2
  • Untertage, Bereich mit nicht-explosiver Atmosphäre

MN1
Strahlarbeiten AB
Schweißen WE
Flucht  
  • Bergbau-Fluchtgeräte

ES MN t a
  • Fluchtgeräte auf Schiffen

ES MA t a
  • CBRN-Fluchtgeräte

ES CBRN t a
  • Brandfluchtgeräte

ES FF t a
  • Fluchtgeräte

ES t a

Die Klassifizierung von atemgasliefernden Atemschutzgeräten wird durch die entsprechende Kombination der in Tabelle 1 und Tabelle 2 gezeigten Klassen bestimmt und in der nachfolgenden Reihenfolge gelistet: Schutzklasse, Klasse der Arbeitsschwere, Atemanschlussklasse, Kapazitätsklasse des atemgasliefernden Atemschutzgerätes und ggf. Klassen der Spezialanwendung.

Ein Beispiel einer typischen Klassifizierung ist:
PC5 W3 cT S1500 FF4

Jedes Atemschutzgerät wird entsprechend seiner Eigenschaften klassifiziert und gekennzeichnet. Aus dieser Kennzeichnung ist unmittelbar abzulesen, welchen Schutzumfang das Atemschutzgerät bietet (im Beispiel PC5), welche Arbeitsschwere unterstützt wird (W3), um welchen Atemanschluss es sich handelt (cT = Vollmaske, geschlossen), welche Menge verfügbaren Atemgases zur Verfügung steht (im Beispiel 1.500 Liter) und dass dieses Atemschutzgerät geeignet ist, bei der Feuerwehr im Innenangriff eingesetzt zu werden (Spezialanwendungen FF4 Innenangriff Typ R1).

Multifunktionale atemgasliefernde Atemschutzgeräte haben für jede Funktion eine eigenständige Klassifizierung. Zum Beispiel eine Klassifizierung als ein Atemschutzgerät der Klasse SY und eine weitere als Atemschutzgerät der Klasse Sxxxx.

Tabelle 3 Übersicht der Spezialanwendungen und deren Klassen gültig für alle filtrierenden Atemschutzgeräte

Spezialanwendungen Klassen
Feuerwehreinsatz  
  • Rettung

FF2
  • Waldbrandbekämpfung

FF1
Maritimer Einsatz  
  • gefährliche Materialien

MA1
Bergbau  
  • Untertage, explosiv

MN2
  • Untertage, nicht-explosiv

MN1
Strahlarbeiten AB
Schweißen WE
Flucht  
  • Bergbau-Fluchtgeräte

ES MN t b
  • CBRN-Fluchtgeräte

ES CBRN t b
  • Brandfluchtgeräte

ES FF t b
  • Flucht-Filtergeräte

ES XX a  t b

Die Klassifizierung von filtrierenden Atemschutzgeräten (Filtergeräten) wird durch die entsprechende Kombination der in Tabelle 1 und Tabelle 3 gezeigten Klassen bestimmt und in der nachfolgenden Reihenfolge gelistet: Schutzklasse, Klasse der Arbeitsschwere, Atemanschlussklasse, Klassen der Filtereigenschaften und ggf. die Klassen der Spezialanwendung.

Ein Beispiel einer typischen Klassifizierung ist:
PC3 W2 bT F3 MN1

Aus dem Beispiel ist ersichtlich, welchen Schutzumfang das Atemschutzgerät bietet (im Beispiel PC3), welche Arbeitsschwere unterstützt wird (W2), dass es sich um eine Halbmaske (bT) mit einem Partikelfilter der Effizienzklasse F3 handelt und für die Spezialanwendung Bergbau Untertage MN1 im nicht-explosiven Bereich geeignet ist.

Multifunktionale filtrierende Atemschutzgeräte können für jede Funktion eine eigenständige Klassifizierung haben.

Zum Beispiel haben solche ASG eine Klassifizierung für den Unterdruck-Betrieb und eine weitere für den gebläseunterstützten Betrieb.

Ein Beispiel einer Klassifizierung hierfür ist:
PC2 W1 cT F4 AC2w2 / PC4 W2 cT F4 AC2w2

Ein typisches Anwendungsbeispiel wäre ein Gebläsefiltergerät, das im ausgeschalteten Betrieb noch einen eingeschränkten Schutz bietet, der sich mit eingeschaltetem Gerät deutlich erhöht.

Aus dem Beispiel der oben aufgeführten Klassifizierung ist dies abzuleiten:

Im Unterdruckbetrieb, also in ausgeschaltetem Betriebsmodus, wird eine Schutzklasse PC2 erreicht und die geringste Arbeitsschwere W1 unterstützt. Als Atemanschluss dient eine Vollmaske (cT). Die Filterfunktion übernimmt ein wechselbares Kombinationsfilter mit der Partikelfilterklasse F4 und dem Gasfiltertyp AC mit der Klasse 2, beide Klassen sind validiert mit einer Ventilationsrate, die der höheren Arbeitsschwere (W2) des Gebläsefilterbetriebes, der zweiten Funktion, entspricht, gekennzeichnet durch den klein geschriebenen Buchstaben "w" vor der 2. Das Kombinationsfilter kann und soll nicht zwischen den unterschiedlichen Betriebszuständen gewechselt werden.

Mit der zweiten Funktion, dem Gebläsebetrieb, wird eine höhere Schutzklasse (PC4) erreicht, sowie eine höhere Arbeitsschwere (W2) abgedeckt. Auch in dieser Funktion wird der geschlossene Atemanschluss durch die Vollmaske (cT) erzeugt.

Kombinierte Atemschutzgeräte haben für jeden Betriebsmodus eine eigenständige Klassifizierung.

Ein typisches Beispiel wäre ein atemgaslieferndes Behältergerät kombiniert mit einem wechselbaren Filter für nachgeschaltete Arbeiten oder zum Flaschenwechsel.

Ein Beispiel einer Klassifizierung hierfür ist:
PC6 W4 cT S1500 / PC4 W2 cT F2 OV2 AC2w2

Aus dem Beispiel ist abzuleiten, dass mit dem Behältergerät, gekennzeichnet durch S und einem zur Verfügung stehenden Volumen atembaren Gases von 1.500 Litern (S1500), die höchste Schutzklasse PC6 abgedeckt und die Arbeitsschwere W4 unterstützt wird. Als geschlossener Atemanschluss dient eine Vollmaske (cT).

Wird auf Filterbetrieb umgeschaltet, übernimmt ein wechselbares Kombinationsfilter mit der Partikelfilterleistung der Klasse F2 und der Gasleistung gegen organische Dämpfe und Säuren der Klasse 2 die Schutzfunktion. Validiert sind die Filterleistungen mit der Ventilationsrate, die der Arbeitsschwere von W2 entspricht. Die Kennzeichnung erfolgt durch den der Filterklassifizierung nachgeschalteten kleinen Buchstaben "w" vor der 2. Allerdings wird die Schutzklasse in diesem Betriebsmodus auf PC4 zurückgestuft, bei gleichem Atemanschluss cT.

a

höchste

b

niedrigste

c

xxxx entspricht der Menge (in Litern) des für die Atmung zur Verfügung stehenden atembaren Gases

d

Y kennzeichnet Schlauchgeräte

a

nominelle Gebrauchszeit in Minuten

a

XX bezeichnet den Gasfiltertyp

b

nominelle Gebrauchszeit in Minuten