DGUV Information 208-057 - Einsatz von Schleppern und Anhängern als Routenzüge (...

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Abschnitt 5.3, 5.3 Zugfahrzeug/Schlepper
Abschnitt 5.3
Einsatz von Schleppern und Anhängern als Routenzüge (DGUV Information 208-057)
Titel: Einsatz von Schleppern und Anhängern als Routenzüge (DGUV Information 208-057)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-057
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.3 – 5.3 Zugfahrzeug/Schlepper

Schlepper und Zugmaschinen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Nicht alle Kombinationen sind sicherheitstechnisch zu akzeptieren. Bei der Auswahl sind u. a. folgende Punkte zu berücksichtigen:

Arbeitsumgebung

Die Umgebungsbedingungen, in denen ein Routenzug mit seinem Schlepper betrieben wird, können sehr verschieden sein: Bodenbeläge, zulässige Flächenlast, Übergänge zwischen verschiedenen Böden, Bodenunebenheiten, Steigungen, Lärm, Staub, Engstellen, Begegnungsverkehr u. v. m. Die Schlepper können an verschiedene Situationen mit den passenden Konfigurationen für Räder, Fahrwerk, Sitze, Assistenzsysteme, Kabinen und vielen weiteren Ausstattungen angepasst werden. Es sollte eine auf die arbeitstechnischen Anforderungen und ergonomischen Ansprüche abgestimmte Konfiguration aus den verschiedenen Möglichkeiten ausgewählt werden.

Böden sollten möglichst eben sein. Bei versiegelten Böden sollte eine ausreichende Ableitfähigkeit von statischen Aufladungen gegeben sein.

Anhängelastbeschaffenheit

Der Schlepper muss hinsichtlich Abmessungen (Länge, Breite) und Gewicht auf die Anhängelast abgestimmt sein. Die Höhe des Schwerpunkts sollte berücksichtigt werden, um einer Kippgefahr bei Kurvenfahrten entgegen zu wirken. Die Ladung muss auf/in den Anhängern während des Transports gegen Verrutschen und Herausfallen gesichert sein, damit diese keine unkontrollierten Bewegungen ausführen kann. Eine sichere und ergonomische Handhabung bei der Be- und Entladung ist zu gewährleisten.

Innen- und Außeneinsatz

Beim Außeneinsatz von Schleppern sind in der Regel bei der Beschaffung weitere Aspekte zu beachten. Kabinen und eine Klimatisierung helfen gegen Witterungseinflüsse, Bodenfreiheit ist wegen der oft größeren Fahrbahnunebenheiten hilfreich, ein gefedertes Fahrwerk und angepasste Bereifung ermöglichen eine ausreichende Traktion und ergonomische Sitze reduzieren auf den oft längeren Fahrstrecken auf dem Betriebsgelände die körperliche Belastung für die Fahrerinnen oder Fahrer.

Beim Outdoor-Einsatz von Routenzügen sind in der Gefährdungsbeurteilung die Aspekte der Witterungseinflüsse, Bewegung im öffentlichen Bereich, Zuglängen und Ladungssicherung etc. zu berücksichtigen.

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Abb. 12
Auf Außeneinsatz angepasster Schlepper im Einsatz

Ergonomische Rahmenbedingungen

Für die verschiedenen Anwendungsfälle gibt es verschiedene Ausführungen von Zugmaschinen. So gibt es Steh- und Sitzschlepper, um Fahrdauer und Häufigkeit des Auf-/Absteigens im Routenzugbetrieb gerecht zu werden. Weitere ergonomische Ausstattungselemente sind ein niedriger Einstieg, elektrische Lenkungen, Stehhilfen und Sitze, gefederte Fahrwerke und Standplattformen, Lichtausstattungen, Rückspiegel u. v. m.

Technische Rahmenbedingungen

Bei der Konfiguration eines Schleppers sind technische Anforderungen zu berücksichtigen. Dazu gehören u. a. die Anschlüsse der Anhänger für Medien und Energie, eine passende Kupplung, ggf. eine Einbindung in das Informationssystem des Betreibers, passende Batterien und evtl. eine Anbindung an vorhandene Batteriewechselsysteme.

Anzugkräfte des Schleppers/Lastwechselreaktionen

Der Schlepper muss auf die Anhänger und Lasten eines Routenzuges abgestimmt sein. Starke Lastwechsel durch zu hohe Zugkräfte und zu viel Spiel in den Kupplungen führen zu verstärktem Verschleiß und können Komponenten überlasten bzw. zerstören.

Gesamtzuggewicht

Bei der Auslegung eines Routenzuges ist das Gesamtzuggewicht zu ermitteln. Das Gewicht aller Anhänger (Eigengewicht, Anzahl, maximales Ladungsgewicht) und Ladehilfsmittel (Rollwagen) zusammen ergibt das Gesamtzuggewicht. Dieses muss der Schlepper nicht nur ziehen, sondern auch abbremsen können. Dabei sind ggf. auch Steigungen und Gefällstrecken zu berücksichtigen.

Geschwindigkeit

Die Höchstgeschwindigkeit des Routenzuges wird nicht nur vom Schlepper und dessen Leistungsfähigkeit festgelegt, sondern auch von den Anhängern. Die Herstellerangaben zu zulässigen Höchstgeschwindigkeiten sind zu beachten. Weitere Einschränkungen zur Geschwindigkeit können aus betrieblichen Gegebenheiten entstehen: Fahrwegbeschaffenheit und -breite, Engstellen, Begegnungsverkehr und andere Gefahrstellen können zu einer Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit führen.

Kupplungssysteme

Um die Anhänger mit den Schleppern zu verbinden, gibt es verschiedene Kupplungssysteme, bestehend aus Kupplung und Deichsel. Die Kupplungssysteme von Schleppern und Anhängern müssen zueinander passen, um alle Kräfte beim Anfahren, Bremsen und bei Kurvenfahrten sicher übertragen zu können. Die Auswirkungen von nicht zueinander passenden Kupplungssystemen sind gravierend. Die jeweiligen Herstellerangaben müssen berücksichtigt werden.

Medien- oder Energieanschlüsse

Am Zugfahrzeug müssen entsprechende Medien- oder Energieanschlüsse berücksichtigt werden, wenn die Routenzuganhänger (z. B. B-, E-, U-Frame) auf eine Medienversorgung (z. B. 24 V, 25 A) angewiesen sind, um die Bodenroller anheben bzw. absenken zu können.

Bremsen

Die Bremsen des Zugfahrzeuges müssen mindestens die Anhängelast ungebremster Anhänger sicher abbremsen können. Neben der Anhängelast sind außerdem die Geschwindigkeit des Zuges, die Bodenbeschaffenheit, Verschmutzung des Bodens, Nässe, Gefälle etc. zu berücksichtigen.

Bei Ausführung und Wirkungsgrad der Bremsen gibt es große Unterschiede.

Die Betriebsbremse kann eine hydraulische Trommelbremse für vorn und hinten sein und auf alle Räder wirken.

Eine elektrisch betätigte, automatische Federspeicherbremse wirkt, wenn die Zugmaschine zum Stillstand kommt oder die fahrende Person ihren Platz verlässt. Die Federspeicherbremse wird beim Betätigen des Fahrpedals automatisch wieder gelöst. Beim Anhalten an der Rampe wird das Zugfahrzeug elektrisch gehalten, bis die Federspeicherbremse wirkt. Beim Losfahren wird vor dem Lösen der Federspeicherbremse ein Drehmoment am Fahrmotor aufgebaut, das ein Zurückrollen des Flurförderzeugs verhindert. Diese automatische Bremse ist nicht bei jedem Schlepper Standard.

Bei einer elektromotorischen Bremse oder auch elektrischen Generatorbremse wird die Bewegungsenergie in elektrische Energie umgeformt. Sie ist im Grunde ein im Generatorbetrieb arbeitender Asynchronmotor oder Drehstromsynchronmotor und arbeitet verschleißfrei. Die Bremse kann die elektrische Energie in den Akkumulator einspeisen (Rekuperation).

Die Verzögerung kann überwacht und über ein Bremslicht angezeigt werden.

Herstellerabhängig kann z. B. bei höheren Anhängelasten und auf Gefällestrecken der Einsatz von gebremsten Anhängern erforderlich werden.