DGUV Information 202-106 - Ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen pädagogisc...

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Abschnitt 6.3, 6.3 Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung
Abschnitt 6.3
Ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (DGUV Information 202-106)
Titel: Ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (DGUV Information 202-106)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-106
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6.3 – 6.3 Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung

Technische Maßnahmen

Bereits bei der Planung und Einrichtung einer Kindertageseinrichtung ist durch eine entsprechende Heizungsanlage und ausreichende Lüftungsmöglichkeiten, gegebenenfalls auch bei Installation einer raumlufttechnischen Anlage sicherzustellen, dass die Anforderungen an die Raumtemperaturen sowie an die Luftqualität im künftigen Betrieb eingehalten werden können.

Durch entsprechende Fußbodenkonstruktionen, Baustoffe, Fußbodenauflagen oder Fußbodenheizungen kann sichergestellt werden, dass keine unzuträgliche Wärmeableitung und Wärmezuführung über den Fußboden erfolgt.

Um eine starke Aufheizung im Sommer zu vermeiden, sind geeignete Sonnenschutzsysteme wie Jalousien, Markisen oder Sonnenschutzverglasungen vorzusehen (Abbildung 30). Auch Vordächer, Balkone, feststehende Lamellen oder Bepflanzungen können einen wirksamen Sonnenschutz bieten.

Wenn trotz technischer Sonnenschutzmaßnahmen und gegebenenfalls möglicher Abkühlung mit Hilfe einer raumlufttechnischen Anlage, insbesondere in den Sommermonaten, dennoch hohe Innenlufttemperaturen auftreten, sind zusätzliche organisatorische Maßnahmen zu ergreifen.

Organisatorische Maßnahmen

Überschreitet bei einer Außenlufttemperatur von über 26 C die Lufttemperatur in Kindertageseinrichtungen 26 C sind weitere wirksame Maßnahmen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung zu ergreifen. Hierzu zählen eine effektive Steuerung des Sonnenschutzes (zum Beispiel Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten), eine effektive Steuerung von Lüftungseinrichtungen (zum Beispiel Nachtauskühlung) und die Lüftung in den frühen Morgenstunden. In der Hektik des Arbeitstages wird schnell vergessen, ausreichend zu trinken - gerade bei Hitze mehr als bei gemäßigten Temperaturen. Der Kita-Träger und die Kita-Leitung sollten ihre Beschäftigten darauf hinweisen und im Idealfall geeignete Getränke bereitstellen. Geeignete Getränke sind Trink- und Mineralwasser (möglichst ohne Kohlensäure) sowie ungesüßter Kräutertee. Solche Getränke sind wichtig, um den Wasser- und Salzverlust auszugleichen, der bei Hitze durch Schwitzen eintritt. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel einer Hitzeerschöpfung vorbeugen. Sehr kalte Getränke sollten vermieden oder nur in geringen Mengen konsumiert werden.

In Einzelfällen kann das Arbeiten für gesundheitlich vorbelastete Personen und besonders Schutzbedürftige (zum Beispiel Kinder, Ältere, Schwangere) bereits ab einer Lufttemperatur von 26 C zu einer Gesundheitsgefährdung führen. In solchen Fällen muss, wie auch generell bei einer Innenlufttemperatur von 30 C über weitere Maßnahmen entschieden werden.

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Abb. 30
Außenjalousie zur Beschattung

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Abb. 31
CO2-Ampel

Wird eine Lufttemperatur von 35 C in einem Raum der Einrichtung überschritten, muss der Betrieb in diesem Bereich eingestellt werden.

Im Hinblick auf einen ausreichenden Luftaustausch ist eine CO2-Messung in der Regel nicht erforderlich. Organisatorisch unterstützen kann aber zum Beispiel eine CO2-Ampel, die optisch und / oder akustisch signalisiert, wenn ein kritischer CO2-Wert erreicht ist und gelüftet werden muss (Abbildung 31).

Mit einer Stoßlüftung, die in regelmäßigen Abständen durchzuführen ist (Empfehlung: stündlich), kann ein kurzzeitiger, intensiver Luftaustausch erzielt werden. Besonders wirksam sind Querlüftungen. Die Mindestdauer ist abhängig von der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen und den Windverhältnissen. Als Orientierungswerte gelten im Sommer bis zu 10 Minuten, im Frühling/Herbst 5 Minuten und im Winter 3 Minuten.

Durch eine sorgfältige Auswahl von Bauprodukten, Einrichtungsgegenständen, Farben und Reinigungsmitteln lassen sich Beeinträchtigungen der Luftqualität weitestgehend minimieren.

Es muss sichergestellt werden, dass raumlufttechnische Anlagen regelmäßig überprüft und gewartet werden. Die Wartungsintervalle richten sich nach der technischen Ausführung im Einzelfall.

Welche Maßnahmen in der Einrichtung im laufenden Betrieb vorgesehen sind, um zuträgliche Raumtemperaturen und eine gute Luftqualität zu gewährleisten, kann ein anlassbezogenes Thema einer Mitarbeiterunterweisung sein. Bedarfsweise sollten auch Hinweise zu persönlichen Schutzmaßnahmen bei Sommerhitze wie luftdurchlässige aber UV-Schutz bietende Kleidung und leichtes aber sicheres Schuhwerk (z. B. mit Fersenhalt) aufgegriffen werden.

Personenbezogene Maßnahmen

Träger oder Kita-Leitung müssen dafür sorgen, dass die Fachkräfte über die mit ungünstigen Raumtemperaturen und einer schlechten Luftqualität verbundenen Beanspruchungen informiert sind und entsprechende Präventionsmaßnahmen kennen und anwenden können. Das bedeutet, dass sie

  • alle technischen Steuerungsmöglichkeiten für den Sonnenschutz nutzen

  • ganzjährig auf eine gute Belüftung aller Räume achten

  • mit individuellen Schutzmaßnahmen auf besondere Hitzebelastungen reagieren.

Vorschriften, Regeln und Informationen

  • DGUV Regel 102-602 "Branche Kindertageseinrichtung"

  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A1.5/1,2 Fußböden

  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.5 Raumtemperatur

  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.6 Lüftung



Literatur

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV, Hrsg.) (2017): Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz Kita - die MusterKiTa als Beispiel guter Praxis. IFA-Report 4/2017. Berlin.