DGUV Information 206-026 - Psychische Belastung - der Schritt der Risikobeurteil...

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Abschnitt 4.2, 4.2 Gesicherte arbeitswissenschaftliche Erken...
Abschnitt 4.2
Psychische Belastung - der Schritt der Risikobeurteilung Fachinformation für die Prävention (DGUV Information 206-026)
Titel: Psychische Belastung - der Schritt der Risikobeurteilung Fachinformation für die Prävention (DGUV Information 206-026)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-026
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.2 – 4.2 Gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse - quantitative Maßstäbe

Sofern in den Technischen Regeln keine Anforderungen, Maße oder Werte zu finden sind, ist zu prüfen, ob für die betrachtete Gefährdung andere gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse existieren, die insbesondere Angaben zu Grenz-, Schwellen- oder Richtwerten enthalten. Es kann sich dabei um Veröffentlichungen der Unfallversicherungsträger, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) oder des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) handeln.

4.2.1 Instrumente mit Schwellenwerten

In der folgenden Auflistung sind Beispiele für Instrumente aufgeführt, in denen der Handlungsbedarf durch Vorgaben (Schwellenwerte) im Instrument festgelegt ist. Diese Schwellenwerte bzw. Risikoeinstufungen sind auf Basis arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse, Theorien und Modelle begründet.

Bezeichnung des Instrumentes Kurzbeschreibung Vorgaben im Instrument
Prüfliste Psychische Belastung (Unfallversicherung Bund und Bahn)Orientierendes Verfahren; Fragebogen mit 19 Items; Antwortmöglichkeiten: "eher ja" - "eher nein">50 % "eher nein"-Antworten: weitergehende Schritte notwendig
Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen - Screening für Arbeitsplatzinhaber II (BASA II)Screening-Verfahren; Fragebogen mit 81 Items; Beantwortungsmodus: Spalte A zweistufig: trifft zu/ trifft nicht zu; Spalte B dreistufig: Das finde ich "schlecht/weder noch/ gut"≥20 %: Handlungserfordernis empfohlen
≥30 %: Handlungserfordernis vordringlich
Anwendungsbeispiel
Einsatz der Prüfliste Psychische Belastung (UVB)

Bei einer Kreisverwaltung mit ca. 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde die Prüfliste Psychische Belastung der Unfallversicherung Bund und Bahn als orientierendes Verfahren für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung am Arbeitsplatz eingesetzt.

Der für die Prüfliste Psychische Belastung vorgeschlagene Schwellenwert von "über 50 %" von "Eher Nein-Antworten" (Stufe rot) wurde festgelegt, um dringenden Handlungsbedarf aufzuzeigen. Diese kritischen Faktoren wurden mit der jeweiligen Führungskraft besprochen und im Rahmen von Workshops wurden Maßnahmen festgelegt.

Zudem wurde noch eine zusätzliche Stufe gelb (> 40 - 50 % von "Eher Nein-Antworten") eingeführt, um die Faktoren nicht unberücksichtigt zu lassen, die immer noch häufig kritisch gesehen wurden und somit ebenfalls Handlungsbedarf auslösen, allerdings in der Priorität nicht so hoch einzuschätzen sind wie die Faktoren der Stufe rot.

Maßnahmen wurden dann letztendlich für die Faktoren der Stufe rot und Stufe gelb entwickelt und zeitnah umgesetzt.

4.2.2 Empirische Vergleichswerte

In der folgenden Auflistung sind Beispiele für Instrumente aufgeführt, in denen das Erfordernis von Maßnahmen durch Branchenvergleichswerte bzw. berufsgruppenspezifische Referenzwerte festgelegt ist. Dies ist hilfreich, um eine Orientierung zu gewinnen. Eine generelle Aussage über die Unbedenklichkeit einer im Branchenvergleich unauffälligen Ausprägung liefert diese jedoch nicht.

Bezeichnung des Instrumentes Kurzbeschreibung Vorgaben im Instrument
Copenhagen Psychosocial Questionaire, deutsche Standardversion (COPSOQ)Screeningverfahren;
Fragebogen, verkürzte Version 25 Skalen, 87 Items;
Antwortformat 5-stufig
berufsgruppenspezifische Referenzwerte aus COP-OQ-Datenbank
Mitarbeiterbefragung psychische Belastung und Beanspruchung in der Pflege (BGW Personalbefragung)Orientierendes Verfahren; Fragebogen mit 17-22 Items je nach Branche;
5-stufiges Antwortformat: "nein, gar nicht" - "eher nein" - "teils, teils" - "eher ja" - "ja, genau"
Branchenvergleichswerte für "geringe Belastung", "durchschnittliche Belastung" und "hohe Belastung"
Anwendungsbeispiel
Einsatz des Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ)

Mit Unterstützung eines Beratungsunternehmens hat eine Kreisverwaltung mit ca. 1260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit dem Instrument COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung für die Arbeitsplätze bei der Kreisverwaltung durchgeführt. Dieses Fragebogeninstrument zählt zu den Verfahren, für die besondere Sachkenntnisse erforderlich sind.

Für die Auswertung dieses umfangreichen Fragebogens steht eine Referenzdatenbank für Berufsgruppen zur Verfügung. Bei der Kreisverwaltung wurden zudem die verschiedenen Organisationseinheiten untereinander verglichen. Zunächst wurden dann für die vier Abteilungen mit dem größten Handlungsbedarf Gesundheitszirkel eingerichtet, in denen Maßnahmen entwickelt wurden. Mit Hilfe des internen Vergleichs wurde eine Prioritätenliste der Abteilungen erstellt, für die zeitnah Lösungen entwickelt werden sollten.