DGUV Information 202-049 - Vom Durcheinanderlaufen zum Miteinanderfahren Ein Bei...

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Abschnitt 2, Die Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten
Abschnitt 2
Vom Durcheinanderlaufen zum Miteinanderfahren Ein Beitrag des Sports zur Verkehrserziehung (DGUV Information 202-049)
Titel: Vom Durcheinanderlaufen zum Miteinanderfahren Ein Beitrag des Sports zur Verkehrserziehung (DGUV Information 202-049)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-049
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – Die Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten

Bevor Schülerinnen und Schüler mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen können, müssen ihre motorischen Fertigkeiten und koordinativen Fähigkeiten in einem hohen Maß gefestigt sein. Dazu ist häufiges praxisnahes Üben im Schonraum erforderlich.

Neben anderen Unterrichtsfächern bietet der Sport entscheidende Hilfen für die Situationsbewältigung und das Verhalten im Straßenverkehr. Die Handlungsrelevanz des Sports weist eine hohe Identität mit den Handlungsabläufen auf, denen der Mensch im Straßenverkehr gegenübersteht. Die Bewegungssicherheit, die notwendig ist, um die vielfältigen Situationen des Straßenverkehrs zu meistern, ist eine komplexe Fähigkeit, die aus mehreren Teilbereichen besteht. Unter ihnen dürfte der Bereich der koordinativen Fähigkeiten eine zentrale Rolle spielen.

Nach Meinel und Schnabel 2) gibt es sieben grundlegende koordinative Fähigkeiten, die eine Rolle bei den menschlichen Bewegungen spielen:

Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit

Fähigkeit zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt

Reaktionsfähigkeit

Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger motorischer Aktionen auf Signale

Kopplungsfähigkeit

Fähigkeit, Teilkörperbewegungen bzgl. eines bestimmten Handlungsziels räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abzustimmen

Orientierungsfähigkeit

Fähigkeit zur Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum

Gleichgewichtsfähigkeit

Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten oder wiederherzustellen

Umstellungsfähigkeit

Fähigkeit während des Handlungsvollzugs das Handlungsprogramm veränderten Umgebungsbedingungen anzupassen oder evtl. ein völlig neues und adäquates Handlungsprogramm zu starten

Rhythmisierungsfähigkeit

Fähigkeit einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch umzusetzen. Außerdem die Fähigkeit einen verinnerlichten Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren

Im Sport und in der Bewegungsförderung z. B. werden diese koordinativen Fähigkeiten mit unterschiedlichen, ständig wechselnden Schwerpunkten ebenso verlangt wie in den verschiedenartigen Situationen des Straßenverkehrs. In beiden Bereichen ist eine optimale Meisterung der jeweiligen Situationen nur möglich, wenn es dem Menschen gelingt, den Einsatz seiner Bewegungsfertigkeiten zu steuern, zu korrigieren und zu koordinieren. Dazu ist häufiges Üben erforderlich. Neben der gezielten verkehrsunterrichtlichen Schulung, z. B. Vorbereitung auf die "Radfahrprüfung", nimmt die Bewegungsschulung durch Bewegung, Spiel und Sport einen hohen Stellenwert ein.

Da die koordinativen Fähigkeiten grundlegend für die Bewegungssicherheit sind, sollten sie in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen frühzeitg gefördert werden. Dies geschieht vor allem durch Spiele und Bewegungsaufgaben, mit denen die Fähigkeiten abwechslungsreich, d.h. unter unterschiedlichen Bedingungen, herausfordernd und von den Kindern in hohem Maße eigenständig geübt werden können.

2)

Meinel, Kurt/Schnabel, Günter (2018): Bewegungslehre Sportmotorik, 12. Auflage