DGUV Information 202-098 - Impulse für die Förderung der Gesundheit von Lehrerin...

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Abschnitt 10, 10 Evaluation von Maßnahmen zur schulischen Ge...
Abschnitt 10
Impulse für die Förderung der Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern (DGUV Information 202-098)
Titel: Impulse für die Förderung der Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern (DGUV Information 202-098)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-098
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 10 – 10 Evaluation von Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung

THOMAS PETZEL & HEIDRUN BRÄUER

Seit vielen Jahren beginnen Ausführungen zum Thema Evaluation regelhaft mit der Anmerkung, das Thema Evaluation sei "in aller Munde". Solche Behauptungen lassen vermuten, in der beruflichen - nicht nur schulischen - Praxis habe sich ein Verständnis der Schulentwicklung und Projektarbeit durchgesetzt, das die Planung und Durchführung von Evaluationsmaßnahmen zur Selbstverständlichkeit werden lässt. Eine Studie von Furubo, Rist und Sandahl (2000, zit. n. Stockmann, 2009a) hat gezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich durchaus im Vorderfeld liegt, was z. B. Diskurse über Evaluation oder den Grad ihrer Institutionalisierung angeht. Obwohl keine grundlegenden Erkenntnisse darüber bekannt sind, welche individuellen Einstellungen zum Thema Evaluation weit verbreitet sind, scheint dennoch zweifelhaft, ob sich in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten tatsächlich so etwas wie eine allgemeine "Evaluationskultur" etabliert hat und die Notwendigkeit von Evaluation allgemein akzeptiert ist (vgl. Stockmann, 2009a). Auch ist fraglich, ob die zur Durchführung von Evaluationsmaßnahmen benötigten Kompetenzen weit verbreitet sind.

In Schulen besteht ein Teil des Problems darin, dass Lehrkräfte Evaluation nach wie vor häufig lediglich als Qualitätskontrolle der eigenen Arbeit verstehen. Mehr oder weniger erfolgreiche regionale Versuche, eine systematische externe Evaluation von Schulen einzuführen sowie die oft nicht sachangemessen geführten Debatten um national oder international vergleichende Schulleistungsstudien wie PISA haben ebenfalls dazu beigetragen, dass der Begriff Evaluation häufig mit Bewertungen der Leistung von Schulen bzw. Lehrkräften verbunden wird. Unstrittig ist, dass solche Bewertungen tatsächlich das Ziel von Evaluationsmaßnahmen sein können. Gerade im Schulbereich kann Evaluation aber viel Wichtigeres leisten: Eine systematisch geplante und durchgeführte Evaluation bietet die Möglichkeit, ein objektiviertes Feedback zu den Erfolgen der eigenen Arbeit zu erhalten. Darauf aufbauend können Entscheidungen getroffen werden, ob bzw. welcher Änderungsbedarf besteht und welche Interventionen erfolgversprechend sind. Hierfür bedarf es nicht unbedingt externer Fachkräfte. Im Idealfall können Schulen bzw. Lehrkräfte Evaluationsmaßnahmen selbst planen, durchführen und auswerten sowie die entsprechenden Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen.

Selbstverständlich setzt dies ausreichende schulische Ressourcen voraus. Insbesondere bei größeren und aufwändigeren Vorhaben kann eine externe fachliche Unterstützung hilfreich und notwendig sein. Auch kann es sinnvoll sein - z. B. für die Gestaltung von Instrumenten zur Datenerhebung und/oder für die (statistische) Auswertung und Interpretation punktuell externe Expertinnen oder Experten zu beauftragen. Gerade in diesem Bereich kann es zu gravierenden Fehlern kommen, die nur für Personen mit entsprechenden Kenntnissen erkennbar werden.

Ziel dieses Kapitels ist es Schulen bzw. Lehrkräfte zu unterstützen, selbst geeignete Konzepte zur Evaluation von Maßnahmen bzw. Projekten zur Gesundheitsförderung zu entwickeln oder extern angebotene Evaluationskonzepte beurteilen und auswählen zu können. Standardisierte Evaluationskonzepte für gesundheitsbezogene Interventionen in komplexen sozialen Systemen wie z. B. Schulen existieren kaum (vgl. vretveit, 2002) und sind in vielen Fällen auch nicht sinnvoll, denn je nach Art und Beschaffenheit des zu evaluierenden Gegenstandes sind vielmehr spezifische Konzepte angemessen. Evaluationskonzepte müssen daher passgenau für jede Interventionsmaßnahme entwickelt werden. Wollen Schulen bzw. Lehrkräfte selbst solche Konzepte erarbeiten bzw. vorgelegte Konzepte bewerten, benötigen sie ein theoretisches Grundwissen über Evaluation. Im ersten Teil dieses Kapitels werden zunächst solche theoretische Grundlagen behandelt, bevor im zweiten Teil konkrete Handlungsempfehlungen formuliert werden. Dabei werden auch typische (und vermeidbare) Fehler angesprochen, die bei der Planung, Durchführung und Berichterstattung geschehen und die geleistete Evaluationsarbeit in Frage stellen können.

Dabei beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen vorrangig auf die Evaluation von einzelnen Interventionsmaßnahmen. Soll ein Gesamtprojekt evaluiert werden, das aus verschiedenen, sehr unterschiedlichen Interventionsmaßnahmen besteht, muss für jede einzelne Maßnahme geprüft werden, welches Evaluationskonzept geeignet ist. Gegebenenfalls muss für jede Maßnahme ein separates Evaluationskonzept entwickelt werden. Nur auf Grundlage der Evaluationsergebnisse zu den einzelnen Maßnahmen kann bei Bedarf anschließend das Gesamtprojekt evaluiert werden.

Nachfolgend werden die wesentlichsten Aspekte der Evaluationsforschung behandelt. Zur Vertiefung der Thematik dient die unter Kapitt 10.4 aufgeführte Literatur.

Tipp
Definitionen zu Begriffen aus diesem Kapitel finden Sie im Glossar unter www.handbuch-lehrergesundheit.de .